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04. Aug 2015

Prinzip: Stabiles Geld
"Die Unabhängigkeit der Notenbank ist unverzichtbar"

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"Es ist empirisch bewiesen, dass nur dort, wo die Notenbanken unabhängig sind, auf längere Sicht Preisstabilität gewährleistet ist", sagt Otmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. - Warum stabiles Geld wesentliche Voraussetzung für eine funktionierende Soziale Marktwirtschaft ist.

Otmar Issing ist Präsident des Center for Financial Studies (CFS) an der Universität Frankfurt und ehemaliger Chefvolkswirt und ehemaliges Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). Zudem ist Issing Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Vor seiner Arbeit bei der EZB war Issing zunächst Direktor des Instituts für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an die Universität Erlangen-Nürnberg. 1973 wechselte er auf den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, Geld und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Würzburg. Von 1988 bis 1990 war er Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Aus diesem Gremium schied er jedoch im September 1990 aus, als er ins Direktorium der Deutschen Bundesbank berufen wurde, wo er die Position des Chefvolkswirtes übernahm.

Von der D-Mark zum Euro: Die Geschichte einer stabilen Währung

Leere Regale in den Geschäften, steigende Schwarzmarktpreise und Unruhe in der Bevölkerung – so sieht das Deutschland des Jahres 1948 aus. Die deutsche Bevölkerung erlebt wie in der Zeit nach 1918 bereits die zweite dramatische Nachkriegsinflation. Einer riesigen Geldmenge stehen nur wenige Waren gegenüber, Geldvermögen verlieren nahezu vollständig an Wert.

Von einem „Abgrund“ spricht Ludwig Erhard, damals Direktor für Wirtschaft in den drei westlichen Besatzungszonen und später Bundeskanzler. Die faktische Enteignung, das Hamstern, das Plündern von Kohlezügen und der Handel mit Tauschgütern auf dem florierenden Schwarzmarkt bewegen ihn zu seinem ersten Schritt zu einer neuen, sozialen Wirtschaftsordnung: der Währungsreform.

Am 20. Juni 1948 wird die D-Mark eingeführt. Gleichzeitig entfällt die Preisbindung, die für die meisten Produkte gilt. Damit ist der Weg in Richtung Marktwirtschaft eingeschlagen: Wo zuvor der Staat bestimmte, was wie viel kostet, regeln nun Angebot und Nachfrage den Preis. Tatsächlich sind wie durch ein Wunder schon am nächsten Tag die Schaufenster voll mit Waren, die bis dahin teils gehortet wurden. Der Schwarzmarkt verschwindet.

Ohne stabile Preise keine Marktwirtschaft

Stabile Preise und damit eine stabile Währung waren das oberste Ziel Ludwig Erhards. Sie sind grundlegend für eine harmonische Gesellschaft. Die freie Marktwirtschaft funktioniert nicht ohne sie: Die Preise verlieren ihre Informationsfunktion über die tatsächliche Nachfrage nach Gütern oder Dienstleistungen, wenn ein deutliches Ungleichgewicht von Geldmenge und gesamtwirtschaftlicher Gütermenge dahinter steht. Das wiederum kann spürbare Auswirkungen auf Produktion und Beschäftigung und damit auf die Konjunktur haben.

Ist die Geldmenge im Vergleich zur Gütermenge zu groß, droht Inflation. Übersteigt in dieser Situation die gesamtwirtschaftliche Nachfrage das gesamtwirtschaftliche Angebot, setzt die Lohn-Preis-Spirale ein: Da die Gütermenge kurzfristig nicht erhöht werden kann, steigen die Preise. Mit den Preisen steigen auch die Löhne, was die Nachfrage nach Gütern und damit den Preisauftrieb weiter verstärkt.

Aber auch die höheren Lohnkosten in den Unternehmen führen zu Preissteigerungen. Die höheren Preise ziehen wiederum Lohnsteigerungen nach sich und die Entwicklung setzt sich fort. Aus Angst vor Entwertung geben die Konsumenten ihr Geld zudem möglichst schnell aus oder legen es in Sachwerten an, was die Inflation weiter anheizt.

Inflation schränkt Kreditvergabe ein

Wenn aber immer weniger Bürger Geld bei den Banken anlegen, können diese keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben. Investitionen bleiben aus, es kommt zu Produktionseinschränkungen und einer steigenden Zahl von Arbeitslosen. Gerade Arbeitslose sind neben den Rentnern von der Inflation besonders betroffen. Ihr Erspartes ist immer weniger wert, und sie können ihr staatlich reglementiertes Einkommen nicht ohne weiteres an die steigenden Preise anpassen.

Zentralbank wacht über das Inflationsziel

Da das Phänomen der Deflation selten auftritt, bedeutet Geldwertstabilität vor allem, die Inflationsrate nicht über einen bestimmten Wert steigen zu lassen. Dieses Inflationsziel über die Geldmengenpolitik zu steuern, ist Aufgabe der Zentralbanken. Dabei beeinflusst sie die Geldmenge mit geldpolitischen Instrumenten:

  • Leitzinspolitik: Mit der Festsetzung des Leitzinses legt die Zentralbank fest, zu welchen Konditionen die Geschäftsbanken sich Zentralbankgeld beschaffen können. Soll die in der Wirtschaft umlaufende Geldmenge verknappt werden, um das Inflationsrisiko zu senken, wird der Zins erhöht. Die Geldbeschaffung wird damit für die Banken teuer, was sie ihrerseits durch hohe Kreditzinsen an die Investoren weitergeben. Dadurch sinkt die Kreditnachfrage.
  • Offenmarktpolitik: Die Zentralbank kauft oder verkauft festverzinsliche Wertpapiere. Durch einen Ankauf erweitert sie beispielsweise die Geldmenge, da sie mit dem Ankauf zusätzliches Zentralbankgeld in Umlauf bringt.
  • Mindestreservepolitik: Jede Geschäftsbank muss eine Mindestreserve an Sichteinlagen, also Bankguthaben, halten, die keine festgelegte Laufzeit oder Kündigungsfrist haben. Der Mindestreservesatz beeinflusst die Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken: Legt die Zentralbank zum Beispiel einen hohen Reservesatz fest, ist die Geldschöpfung durch das Kreditgeschäft geringer.

 

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Quellen und vertiefende Links

  • Dr. Günter Schiller: Volkswirtschaftslehre. Eine entscheidungsorientierte Einführung, 2002, S. 31 ff.
  • Arnold Heertje, Heinz-Dieter Wenzel: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, 1997