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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Prof. Dr. Christoph Burmann

Die Wurzeln der Wettbewerbsfähigkeit einer Nation liegen in der Bildung

Die Wurzeln der Wettbewerbsfähigkeit einer Nation liegen in der Bildung. Das ist bekannt, vor allem aus Sonntagsreden. Wie muss Bildung organisiert werden, damit sie einen möglichst großen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit leistet? Hier hilft ein Blick zurück. Vor 200 Jahren hatte England in Oxford und Cambridge zwei herausragende Universitäten für die Eliten des Landes. In Deutschland existierten in dieser Zeit 55 Universitäten, die im Wettbewerb Ruhm und Ehre ihres jeweiligen Fürstentums mehren sollten. Ergebnis: Weitaus mehr bahnbrechende Erfindungen kamen aus Deutschland als aus England.

Aus meiner Sicht hat Deutschland früher genau das stark gemacht. Sie zweifeln und wollen Belege? Deutschland hat noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen großen Teil der Nobelpreise gewonnen. Heute sind wir froh, wenn wir alle 10 Jahre einen Nobelpreis gewinnen.

Professor an der Universität Bremen
(* 1962 in Damme)

An der Exzellenzuniversität Bremen ist Christoph Burmann seit 2002 Inhaber des Lehrstuhls für innovatives Markenmanagement und Marketing. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Erforschung von Käuferverhalten sowie strategischer Unternehmens- und Markenführung. Als Gastforscher war er unter anderem an der Tongji-Universität in Schanghai und der Harvard Business School tätig. Zudem ist er Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Gute Bildung für viele bedeutet aber nicht, ein schrumpfendes oder gedeckeltes Budget auf immer mehr Universitäten zu verteilen, damit alle gleichmäßig Not leiden. In Deutschland lagen die öffentlichen Bildungsausgaben als Anteil am Bruttoinlandsprodukt 1932 bei 5,1 Prozent und verharren seit den 1970er Jahren bei ca. 4 Prozent. Die Zahl der Universitäten in Gesamtdeutschland hat sich seit den 1970er Jahren bis heute jedoch von 50 auf 106 erhöht, die Zahl der Studierenden im selben Zeitraum vervierfacht. Mit dieser Entwicklung ruinieren wir langfristig unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Eine höhere Investitionsbereitschaft für unser Bildungssystem reicht aber nicht aus. Sie muss von mehr Freiheit für Universitäten ergänzt werden. Freiheit für neue Ideen in der Organisation von Forschung und Lehre und damit zugleich mehr Wettbewerb. Beides erfordert Mut, vor allem in der Politik. Denn eines ist klar: Wer sät, wird auf diesem Feld nicht ernten, denn die Erfolgswirkungen von mehr Investitionen und mehr Freiheit für Universitäten werden sich nicht innerhalb einer Legislaturperiode einstellen. Sie werden erst nach Dekaden sichtbar und fördern die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes. Haben wir diese Geduld? Vor dem Hintergrund meiner über 30-jährigen Berufserfahrung an Universitäten in Deutschland kommen mir sehr große Zweifel.