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Konrad Adenauer

Vertrauen ist besser als Kontrolle

„Gemeinsam sind die Interessen der Völker Europas, gemeinsam ihre kulturellen, gemeinsam ihre ethischen. Ist diese Erkenntnis durchgedrungen, dann wir auch auf dem politischen Gebiet eine dauernde Einigung sich leicht und fast von selbst ergeben.“ - Zwei Sätze, ein Bekenntnis zu Europa. Zu einem Europa, dessen Ausgestaltung noch nicht abgeschlossen scheint. Solche und ähnliche Bekundungen haben wir in den vergangenen Monaten und Jahren unzählige gehört und gelesen. Und das ist auch gut so. Angesichts der mit der anhaltenden Finanz- und Schuldenkrise einhergehenden europäischen Sinnkrise braucht es die Bekenntnisse überzeugter Europäer. Und zwar unabhängig davon, ob sie den Status quo verteidigen oder ein weiteres Zusammenwachsen fordern. Doch das obige Zitat bezieht sich nicht auf die aktuelle wirtschaftspolitische Situation. Die Sätze waren zum Zeitpunkt ihres Ausspruchs eine Vision. Vorgetragen 1919, vorgetragen anlässlich der Eröffnungsfeier der Universität Köln vom damaligen Oberbürgermeister der Stadt: Konrad Adenauer.

"Die persönliche Freiheit ist und bleibt das höchste Gut."

Konrad Adenauer

Die europäische Staatengemeinschaft, so wie wir sie heute kennen und erleben, über deren Vorzüge wir uns freuen und staunen, über deren Unzulänglichkeiten wir uns streiten und wundern, diese Union wäre ohne Adenauer wohl nicht denkbar. Der gläubige Katholik und erste deutsche Bundeskanzler war nicht nur die prägende Figur des nach dem 2. Weltkrieg niederliegenden Landes, er kann auch ohne Übertreibung als Motor und geistiger Vater der europäischen Einigung bezeichnet werden.

Geboren 1876 in Köln, hat Adenauer beide Weltkriege erlebt. Angesichts dieser Erfahrungen reifte und festigte sich in ihm die Überzeugung, dass nur in einem vereinten Europa ein friedliches Miteinander möglich ist und dass die künftigen Herausforderungen nur gemeinsam gelöst werden können. Er griff damit nicht nur der Entwicklung in der alten Welt voraus, sondern antizipierte die Herausforderungen einer globalisierten Welt.

Gleichzeitig, da war sich Adenauer sicher, war das Zusammenwachsen für die erfolgreiche Zukunft der jungen Bundesrepublik unabdingbar. Aus eigener Kraft konnte Deutschland nicht auf die Beine kommen; es brauchte die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den ehemaligen Kriegsgegnern. Dafür musste es zunächst gelingen, die bei den Nachbarländern vorhandenen Ängste und Vorbehalte gegenüber Deutschland auszuräumen – eben indem das Land ein vertrauenswürdiger Partner unter vielen würde.

(*1876 in Köln † 1967 in Rhöndorf)

Als rheinischer Katholik engagierte sich der Jurist in der Zentrumspartei. Seine politische Karriere in der Weimarer Republik führte in bis in das Amt des Kölner Oberbürgermeisters, bis die Nationalsozialisten ihn des Amtes enthoben. Nach dem Krieg setzten ihn die Alliierten an die Spitze des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz ausarbeitete. Die CDU/CSU-Fraktion wählte ihn 1949 zum ersten Bundeskanzler der neuen Bundesrepublik Deutschland. Adenauers Politik stand vor allem im Zeichen der Westbindung und war so prägend für Deutschland, dass die gesamte Epoche gemeinhin als Adenauerzeit beschrieben wird.

Die 1952 in Kraft getretene Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), im allgemeinen auch Montanunion genannt, gilt als entscheidendes Vertragswerk in Bezug auf das Zusammenwachsen Europas. Hier setzte sich Adenauer über die volkswirtschaftlichen Zweifel seines Wirtschaftsministers Ludwig Ehrhard hinweg. Ausschlaggebend für den Kanzler war ausschließlich die politische Dimension der Abmachung.

Besonders Augenmerk legte der Rheinländer dabei auf die Aussöhnung mit Frankreich. Höhepunkt dieser Bemühungen war der historische Abschluss des deutsch-französischen Freundschaftsvertrages im Jahr 1963. Der Weg dahin war auch aus innenpolitischer Sicht alles andere als leicht.

Seine Bemühungen in Richtung Paris im Speziellen sowie sein Europakurs im Allgemeinen stießen auf zum Teil heftige Wiederstände. Die Kritiker kamen aus den Reihen der Opposition, aber auch von Parteikollegen. Doch Adenauer verfügte über einen ausgeprägten Durchsetzungs- und Machtwillen, der ihm auch bei der Verwirklichung seiner Europapolitik half. Als Belege dafür seien neben dem erwähnten Bündnis mit Frankreich an dieser Stelle nur die Verhandlungen zur Montanunion erwähnt. Auch die Tatsache, dass der „Alte“, wie er von den Deutschen auch genannt wurde, bei seinen europäischen Gedankenspielen auch schon osteuropäische Länder wie Polen und Ungarn mit einbezog, stützt diese Einschätzung.

Ein weiterer Beweis für die Bedeutung seines Wirkens, wenn es denn so etwas überhaupt bedarf, ist die Tatsache, dass das europäische Vermächtnis von Konrad Adenauer in die DNA der bundesdeutschen Politik eingegangen ist. Egal welche Partei den oder die Kanzlerin stellte, die Integration unseres Landes in ein gemeinsames und starkes Europa wurde nie in Abrede gestellt.

Mit seiner Europapolitik legte Adenauer nicht nur den Grundstein für die Wiedereingliederung Deutschlands in europäische Wertegemeinschaft und die Westbindung, sondern auch für den wirtschaftlichen Aufstieg. Sein damit zum Ausdruck gebrachtes Bemühen um Vertrauen bei unseren Nachbarn und in der Welt war auch der Nährboden, aus dem schließlich die deutsche Wiedervereinigung möglich wurde. Adenauer glaubte an die Stärke der von ihm verfolgten Westbindung, als passionierter Gärtner wusste er, dass Weitsicht und Ausdauer notwendige Bedingungen auch für den langfristigen politischen Erfolg sind.

Großflächenmotiv Konrad Adenauer
Zitat: Konrad Adenauer auf dem CDU-Parteitag vom 28.08.1948
Foto: Konrad R. Müller