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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Edmund Stoiber

Mut zur Freiheit!

Das Wohlfühlen heute garantiert nicht den Wohlstand von morgen. Das schönste Haus wird abgewohnt, wenn es nicht immer wieder erneuert wird.

Das deutsche Wirtschaftswunder basierte vor allem auf zwei Fundamenten: erstens auf kreativen, innovativen, leistungsbereiten Unternehmern und Mitarbeitern und zweitens auf klug gesetzten politischen Rahmenbedingungen. Das muss auch das Deutschland-Prinzip für eine starke Wirtschaft 4.0 sein.

Klar ist: Ein Wirtschaftswunder 4.0 kann ohne Anstrengung nicht gelingen. Doch wird die Leistungsgesellschaft nicht gerade geschätzt. Die einzige Ausnahme ist hier der Sport, insbesondere der Fußball. Nur 27 Prozent der Eltern schulpflichtiger Kinder halten den Leistungsgedanken für ein sehr wichtiges Ziel der Bildungspolitik. Das wird nicht reichen!

Oft werden wir in Europa gefragt: Was könnten wir von Euch abschauen? Meist nennen wir die duale Ausbildung und unsere mittelständische Wirtschaft. Über unsere besonderen Stärken sollten wir aber nicht nur im Ausland schwärmen. Wir dürfen nicht nur auf Akademisierung setzen. Ein Wirtschaftswunder 4.0 gelingt nur mit einem starken Mittelstand, mit qualifizierten Lehrlingen, Gesellen und Meistern!

(*1941 in Oberaudorf) Stoiber war 25 Jahre lang Mitglied der bayerischen Staatsregierung – als Leiter der Staatskanzlei, danach als Innenminister und zuletzt als Ministerpräsident von 1993 bis 2007. Zwischen 1999 und 2007 wirkte er zudem als Parteichef der CSU, deren Ehrenvorsitzender er heute ist. Anschließend war er sieben Jahre lang als Leiter der High Level Group zum Bürokratieabbau ehrenamtlich in Europa tätig.

Das Europäische Patentamt erteilte 2014 Anmeldern aus Deutschland 13.086 Patente. Nach Griechenland wurden 23 Patente vergeben. Für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft gibt es keinen Ersatz – auch nicht mit noch so viel billigem Geld. Das Megathema der Innovation ist die Digitalisierung. Daten werden das Erdöl des 21. Jahrhunderts sein. Aber gerade einmal zehn Prozent des weltweiten Umsatzes in der IT-Kommunikationsindustrie stammen aus Europa. Das können wir nur mit einer gemeinsamen europäischen Agenda ändern. Genauso, wie wir Frieden und Freiheit auf unserem Kontinent nur mit einer starken Europäischen Union sichern können. Die EU gehört zum Deutschland-Prinzip!

Das Deutschland-Prinzip braucht einen politischen und rechtlichen Rahmen: die Soziale Marktwirtschaft. Aber die Marktwirtschaft ist auf dem Rückzug gegenüber einem immer umfassender planenden, wirtschaftenden, vorsorgenden und betreuenden Staat. Sicherheit wird höher geschätzt als Freiheit. In diesem Klima wird ein immer dichterer Teppich von Regelungen über das Land gelegt. Die Bürokratie ist heute für die meisten Unternehmen eine schlimmere Geißel als etwa zu hohe Steuern. Mut zur Freiheit, Mut zur Lücke – auch das gehört zum Deutschland-Prinzip!