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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dietmar Hopp

Vier Säulen zum Glück

Der immense wirtschaftliche Erfolg, den Deutschland zu verzeichnen hat, ruht auf vier Säulen.

Die erste wird durch unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gebildet, die vor staatlicher und privater Willkür Schutz bietet. Ohne sie hätte sich ein vergleichsweise kleines, nach 1945 moralisch und wirtschaftlich gebrochenes Land wie Deutschland niemals in die internationale Spitzengruppe vorarbeiten beziehungsweise dort halten können.

Die zweite Säule ist die verantwortliche Teilhabe am westlichen Staatenverbund, geeint durch die Überzeugung, dass Freiheit grundsätzlich auch für Wirtschaft und Handel gelten muss.

Die dritte Säule bezieht sich auf das jahrhundertealte deutsche Erfindertum und Ingenieurwesen. Bis in die hintersten Winkel wurde hierzulande immer schon mutig geforscht und getüftelt. Aber erst nach 1945, in starker Gemeinschaft, gelangte diese deutsche Eigenart zur vollen Blüte.

Ohne die vierte Säule, die Bildung und Soziales umfasst, hätte sich Deutschland – und das sage ich aus tiefster Überzeugung – längst nicht so erfolgreich entwickelt. Finanzielle Mittel, die für Bildung aufgewandt wurden, öffneten der jeweils nächsten Generation neue Räume. Aber auch die Sorge um wohlverstandene Sozialbelange zahlte sich aus, weit über unsere moralische Pflicht hinaus, und schuf ein produktives Klima von Angstfreiheit und Zuversicht.

Mitbegründer der SAP AG

*1940 in Heidelberg)

Gemeinsam mit vier ehemaligen IBM-Kollegen gründete Dietmar Hopp 1972 die Firma „Systemanalyse und Programmentwicklung“, die heutige SAP AG. Bis zu seinem Ausscheiden 2005 war er unter anderem Vorstandsvorsitzender und Vorsitzender des Aufsichtsrates. 1995 gründete Hopp die gemeinnützige Dietmar Hopp Stiftung.

Zweifellos haben wir vieles richtig gemacht. Ob wir deshalb in Zukunft ebenso viel richtig machen, ist damit aber nicht gesagt. Etliche unverrückbar scheinende Parameter wirken verschwommen. Harte demokratische Standards sind in Gefahr aufzuweichen. Eine neue Kaste von sozial Schwachen ist vom Arbeitsleben dauerhaft ausgeschlossen. Und wie im Sozialen erleiden wir in Fragen der gesellschaftlichen Ordnung und des Umweltschutzes eine freiheitsmüde, politisierte Überhöhung moralischer Bedenken, die uns vor sich hertreibt und wertvolle Ressourcen kostet.

Je mehr wir jedoch den kategorischen Wert von Freiheit vernachlässigen, desto weniger Luft zum Atmen haben wir. Und noch eines muss klar sein: Wir können nur dann weiter erfolgreich wirtschaften, wenn wir unsere Kreativität und Innovationslust pflegen und sie weiter teilen – mit echten Demokraten! Technisches und wirtschaftliches Entwicklungspotenzial gibt es übrigens zuhauf. Eine bedeutende Rolle werden hier Biotechnologie, Genetik und Energieintensität spielen. Mit Mut und Zuversicht können wir die wirtschaftlichen und menschlichen Aspekte auch auf diesen Feldern in der Waage halten.