Soziale Marktwirtschaft
Hubertus Pellengahr 8. Dezember 2020
Standpunkt Pellengahr

Soziale Marktwirtschaft wirkt

Die Entwicklung eines revolutionären Impfstoffes durch das Mainzer Unternehmen BioNTech ist auch ein Erfolg unseres Wirtschaftssystems - die Soziale Marktwirtschaft. INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr über Wettbewerb, Unternehmergeist und das Beste, was die Soziale Marktwirtschaft zu bieten hat.

Heiligt der Zweck die Mittel? Nein. Wer unerlaubte Mittel verwendet, kann bei einem besonders hochstehenden Zweck vielleicht auf ein milderes Urteil hoffen, aber nicht auf ethischen Freispruch. Das gilt auch für die Suche nach Medikamenten und Impfstoffen gegen ein Virus in einer Pandemie. Aber wenn durch zeitraubende Tests und komplizierte Genehmigungsverfahren wertvolle Zeit verstreicht und Menschen sterben, deren Leben mit einem noch nicht zugelassenen Impfstoff gerettet werden könnte? Ja, auch dann. Es ist eine zivilisatorische Errungenschaft, dass wir das Leben der Einen nicht über das der Anderen stellen. Jedes Medikament hat neben gewünschten auch unerwünschte Wirkungen. Es braucht daher einen Abwägungsprozess. Überwiegen für jedes Individuum die Chancen die Risiken? In Russland und China werden seit Monaten Impfstoffe eingesetzt, deren medizinische Erprobung nicht abgeschlossen ist. Hier werden Menschenleben aufs Spiel gesetzt. Und das vermutlich nicht nur, um andere Menschenleben zu retten, sondern auch, um prestigeträchtig die (angebliche) Leistungsfähigkeit des jeweiligen Landes – und seines Regierungschefs – zu demonstrieren. Selbst der demnächst aus dem Amt scheidende US-Präsident soll zwischenzeitlich ähnlichen Versuchungen gegenüber nicht abgeneigt gewesen sein. Umso glücklicher können wir uns in Deutschland und Europa schätzen, dass nun gleich mehrere Impfstoffe zur Verfügung stehen, für deren Entwicklung und Erprobung keine riskanten Kompromisse eingegangen werden mussten.

Das Mainzer Unternehmen BioNTech hat einen revolutionären Impfstoff entwickelt und in internationaler Kooperation zusammen mit dem US-Pharmakonzern Pfizer zur Marktreife gebracht. Das Jahr 2020 wird nicht viele gute Erinnerungen zurücklassen, aber die Geschichte von und mit BioNTech ist definitiv eine. Sie steht exemplarisch für das Beste, was unsere Soziale Marktwirtschaft zu bieten hat. Sie steht für Bildung und Chancengerechtigkeit. Für Forschergeist, Gleichberechtigung, aber auch Globalisierung und industrielle Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt für Mut und Unternehmergeist. Die eigenen Begabungen zum Wohle aller einsetzen. Erfolg haben nicht obwohl, sondern weil andere profitieren. In der Sozialen Marktwirtschaft macht der Wettbewerb alle innovativer, agiler und resilienter und nicht einfach einen zum Gewinner und alle anderen zu Verlierern.

Forscher- und Unternehmergeist gedeihen nur in Freiheit.

Forscher- und Unternehmergeist gedeihen nur in Freiheit. Dabei spielt der Staat eine zentrale Rolle. Aber nur als Regelsetzer und Regelüberwacher, nicht als Mitspieler oder gar Konkurrent. Für ein einzelnes Unternehmen wäre das Risiko einer extrem beschleunigten Impfstoffentwicklung zu groß gewesen. Der frühe Produktionsstart war nur durch entsprechende staatliche Abnahmegarantien möglich. Aber ohne unternehmerische Freiheit und weitsichtige Investoren hätten Özlem Türeci und Uğur Şahin ihre Firma BioNTech niemals an die Weltspitze befördern können. Auf diesen Erfolg können beide zusammen mit ihrem Team stolz sein. Wir alle können darauf mit stolz sein. Unser Bildungssystem und unsere Forschungs- und Wirtschaftsförderung sind verbesserungsfähig- und -bedürftig, aber sie haben jetzt einen fabelhaften Erfolg möglich gemacht. In den kommenden Monaten werden hunderte Millionen Impfdosen produziert und weltweit verteilt. In jeder steckt ein Stückchen „Made in Soziale Marktwirtschaft.“ Die wirkt immer.