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Soziale Marktwirtschaft
Solidarität in der Sozialen Marktwirtschaft

Welchen Stellenwert hat der solidarische Gedanke in unserem Wirtschaftssystem?

Solidarität, Nächstenliebe oder Brüderlichkeit – Große Begriffe für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Solidarität bedeutet, füreinander einzutreten. Über den Themenkomplex diskutierten auf Einladung der INSM der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, Prof. Wolfgang Huber, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, und der INSM-Kuratoriumsvorsitzende und frühere Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit Wolfgang Clement im Atrium der FAZ in Berlin-Mitte.

25. Februar 2019

Wie gelingt in einer individualisierten Gesellschaft Zusammenhalt? Im Kern geht es um die Frage nach dem Verhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft und umgekehrt. In Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderungen durch Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Globalisierung und demografischen Wandel wie wir sie derzeit erleben ist die Frage nach der Solidarität in der Sozialen Marktwirtschaft aktuell und zentral wie lange nicht. Soll der Staat die von der Digitalisierung vermeintlich Abgehängten alimentieren, wie vielfach im Zusammenhang mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen diskutiert, oder zeigt sich der Staat in Wirklichkeit sogar erst dann solidarisch, wenn er den Menschen hilft, ihr Leben auch unter sich verändernden Voraussetzungen aus eigener Kraft bestreiten zu können?
„Die Soziale Marktwirtschaft ist das stärkste Wirtschaftssystem, das man sich überhaupt denken kann“, sagte Laschet. „Die Frage ist, wie tariert man das aus? Das Grundprinzip lautet, dass sich jeder erstmal mit seiner individuellen Stärke anstrengen muss, und dann erst kommt der Staat.“ Kollektivierung sei nicht das, was dem Menschenbild in der Sozialen Marktwirtschaft entspreche. 

 

Nach den Worten von Prof. Huber bedeutet Gerechtigkeit, dass Menschen Befähigungen erwerben können. Ein bedingungsloses Grundeinkommen etwa sei absolut verantwortungslos. „Die Verantwortung der Wirtschaft wird an den Staat abgegeben. Bildung ist der Schlüssel zu Armutsbekämpfung“, sagte Huber. Aus Solidaritätsgründen hätten die Menschen ein Interesse an einer funktionierenden und leistungsfähigen Wirtschaft. Sie leiste auch einen Beitrag zu Solidarität, in dem sie Arbeitsplätze zur Verfügung stelle, eine angemessene Entlohnung biete und eine Sozialversicherung für Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter.


„Alle für alle“ 

Doch gerade die Sozialversicherungssystem brauchen eine Frischekur, um zukunftsfest zu werden. „Ich bin überzeugt, wir brauchen eine grundlegende Remedur, aufs Ganze gesehen tatsächlich so etwas wie eine Agenda 2030. Und in diese Agenda gehört eine neue Sozialstaatspolitik“, forderte Clement. Er kritisierte, Respekt- und Mütterrente seien soziale Wohltaten, die weder im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft noch Ausdruck von Solidarität, noch langfristig finanzierbar seien. „Nicht Hartz IV, sondern das gesamte Bildungswesen gehört runderneuert.“ In Deutschland verstoße das Bildungssystem gegen das Prinzip der Chancengerechtigkeit und sei deshalb alles andere als solidarisch. „Alle für alle. Dieses Denken ist nicht ausreichend vorhanden. Da müssen wir heute Wege finden, um dies besser zu machen.“
Die Veranstaltung wurde moderiert von der Journalistin und Autorin Dr. Jacqueline Boysen.

Hochauflösende Bilder zur Veranstaltung finden Sie hier.
 

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