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Fakten zum Fachkräftemangel

Viele Stellschrauben warten auf den richtigen Dreh

Die deutsche Wirtschaft brummt, die Beschäftigung ist hoch wie nie und der Staat kann sich über immer höhere Steuereinnahmen freuen. Der Aufschwung lässt ein seit Jahren absehbares Problem stärker und früher als erwartet zutage treten: In vielen Berufen fehlen Fachkräfte.

12. Dezember 2018

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Viele Stellschrauben warten auf den richtigen Dreh.

Die deutsche Wirtschaft brummt, die Beschäftigung ist hoch wie nie und der Staat kann sich über immer höhere Steuereinnahmen freuen. Der Aufschwung lässt ein seit Jahren absehbares Problem stärker und früher als erwartet zutage treten: In vielen Berufen fehlen Fachkräfte.

Der Fachkräftemangel wird in den kommenden Jahren größer werden. Denn Deutschlands Bevölkerung wird immer älter und einige politische Entscheidungen der vergangenen Bundesregierung – wie die abschlagsfreie Rente mit 63 – haben die Lage unnötig verschärft.

Dabei gibt es verschiedene Stellschrauben, die – richtig gedreht – zumindest für Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sorgen könnten. Beispielsweise ein zielgerichtetes und am Bedarf orientiertes Zuwanderungsgesetz, kluge Lösungen für die Anhebung des Renteneintrittsalters, Weiterbildungsangebote für Mitarbeiter und Arbeitsuchende oder verlässliche Kinderbetreuungsangebote, damit Eltern mit jungen Kindern schnell in den Beruf zurückkehren können.

Für all das braucht es Mut und Gestaltungswillen seitens der Politik.

Fehlende Fachkräfte gefährden den wirtschaft­lichen Aufschwung

Viele Arbeitgeber würden gerne mehr Personal einstellen – nur finden sie keine geeigneten Fachkräfte. Besonders betroffen ist die Metall- und Elektro-Industrie. Sie beschäftigt mehr als drei Millionen Akademiker, Meister und Techniker sowie beruflich ausgebildete Fachkräfte aus dem MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). 

Ende April 2018 waren deutschlandweit fast 487.000 MINT-Stellen unbesetzt. Das gefährdet den Standort: In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft ab knapp die Hälfte der Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel ihre Produktionsmöglichkeiten hemmt. Demnach wäre die Wirtschaftsleistung Deutschlands um 0,9 Prozent höher, wenn Unternehmen ihren Fachkräftebedarf decken könnten.

Quelle: MINT-Frühjahrsreport, 2018

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Der Fachkräftemangel spitzt sich zu

Der Fachkräftemangel ist zwar kein neues Phänomen, allerdings wird er immer größer: Ende 2017 gab es in Deutschland fast 1,2 Millionen offene Stellen. Das sind fast 150.000 mehr als ein Jahr zuvor und sogar rund 300.000 mehr als vor fünf Jahren.

Stellen für Ungelernte machen seit Jahren konstant etwa 20 Prozent aller offenen Stellen aus; ein paar Prozentpunkte darunter liegt der Anteil der unbesetzten Stellen für Hochschulabsolventen. Der Löwenanteil unbesetzter Stellen entfällt allerdings auf Personen mit Ausbildungs- und Fachschulabschlüssen.

Werte: 4. Quartal

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2018

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Auf den Arbeitsmarkt warten große Herausforderungen

Die Zahl der Arbeitslosen ist seit den Reformen der Agenda 2010 fast stetig zurückgegangen. Für neu zu besetzende Stellen gibt es also immer weniger Personen, die auf Jobsuche sind.

Gleichzeitig altert die deutsche Bevölkerung. Die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter könnte bis 2040 um 6,2 Millionen sinken – trotz Zuwanderung. Das zeigen aktuelle Bevölkerungsvorausberechnungen. Für Unternehmen wird es auch dadurch immer schwieriger werden, genug qualifizierte Arbeitskräfte zu finden.

Quelle: Statistisches Bundesamt, 2018

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Oft fehlen Bewerber mit passender Qualifikation

Trotz der geringen Arbeitslosenquote fehlt es Deutschland theoretisch nicht an potenziellen Arbeitskräften: Auf 100 gemeldete offene Stellen kamen im Juli 2018 rein rechnerisch 283 Arbeitslose. Allerdings wird der Arbeitsagentur nur etwa jede zweite offene Stelle gemeldet. Zudem gibt es ein Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt: Die Qualifikationen der Arbeitslosen passen oft nicht zu den Stellen, für die Fachkräfte gebraucht werden.

Vor allem in technischen Berufen herrscht Personalnot. So wurden beispielsweise in der Kältetechnik Ende 2017 lediglich 21 potenzielle Bewerber je 100 gemeldete offene Stellen gezählt.

Vielen Unternehmen fällt es mittlerweile immer schwerer, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Sie können sich deshalb die nötigen Fachkräfte nicht einfach selbst heranziehen.

Stand: 2017

Quelle: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung, 2017

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Vor allem Frauen verzichten wegen Familiengründung auf Berufstätigkeit

Der Fachkräftemangel entsteht nicht nur, weil zu wenige Menschen eine qualifizierte Ausbildung abschließen. Viele gut Ausgebildete nehmen unfreiwillig nicht – oder nicht in vollem Umfang – am Berufsleben teil. Überproportional häufig trifft das auf Mütter mit kleinen Kindern zu.

Seit 2007 gibt es das Elterngeld, das Mütter dabei unterstützt, im ersten Lebensjahr des Kindes häufiger zu Hause zu bleiben. Danach gehen Mütter allerdings öfter arbeiten als früher. Ein noch besseres Betreuungsangebot könnte diesen Trend verstärken und einen großen Teil zur Lösung der Fachkräfteproblematik beitragen. Denn die Lage hat sich von 2006 bis 2017 zwar verbessert, ist aber noch immer nicht optimal.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2018

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Weiterbildung hilft gegen den Fachkräftemangel

Mit Blick auf die Digitalisierung wird Weiterbildung ein zunehmend wichtigeres Thema. Digitalisierung schafft neue Jobs, für die es häufig nicht genug qualfizierte Bewerber gibt, gleichzeitig verschwinden andere Berufe vom Arbeitsmarkt.

Deshalb müssen Unternehmen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter für die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt gerüstet sind. Vor allem IT-Kompetenzen werden zukünftig als Schlüsselqualfikation in nahezu allen Berufsfeldern erforderlich sein.

Ein Großteil der deutschen Unternehmen investiert bereits heute sehr viel in die Weiterbildung der Mitarbeiter – einer Befragung des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge haben die deutschen Unternehmen 2016 insgesamt rund 33,5 Milliarden Euro dafür ausgegeben.

Stand: 2016

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2017

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Ältere Berufstätige können Fachkräftemangel lindern

Die Bundesbürger werden immer älter. Dadurch gibt es mehr Menschen im Rentenalter und weniger Berufstätige. Gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen zu, die trotz Rentenanspruch weiterarbeiten.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Manche wollen sich etwas dazuverdienen. Für andere ist die Arbeit ein sozialer Faktor – sie wollen mit ihren langjährigen Kollegen weiterarbeiten. Wieder anderen macht ihre Tätigkeit so viel Spaß, dass sie weitermachen wollen. All das hilft den Unternehmen enorm: Auch weil junge Fachkräfte fehlen, nutzen die Firmen die Erfahrung der „Alten“ gerne weiter.

Das Renteneintrittsalter zu erhöhen und die Frühverrentung zu beenden, könnte den Fachkräftemangel reduzieren und gleichzeitig die Rentenkasse entlasten.

Quelle: Mikrozensus der Landesstatistikämter 2017

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Qualifizierte Zuwanderer können den Fachkräftemangel mildern

Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre wäre ohne qualifizierte Zuwanderung kaum möglich gewesen: Von März 2013 bis März 2018 sind in Deutschland fast 1,5 Millionen zusätzliche, sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus dem Ausland hinzugekommen. Mehr als 920.000 von ihnen kamen aus anderen EU-Staaten, knapp 530.000 aus Drittstaaten wie China oder Indien.

Viele EU-Staaten werden genau wie Deutschland durch den demografischen Wandel einen steigenden Bedarf an Arbeitskräften haben. Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung und hiesige Firmen ihre Anstrengungen verstärken, qualifizierte Nicht-EU-Ausländer für Deutschland und den hiesigen Arbeitsmarkt zu begeistern. Bei Akademikern, vor allem im MINT-Bereich, gelingt das bereits gut, bei Facharbeitern ist noch Luft nach oben.

Stand: jeweils März

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

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Quereinsteiger können zur wertvollen Fachkraft werden

Immerhin 54 Prozent der Arbeitnehmer ohne formale Ausbildung arbeiten heute als Fachkraft, zeigt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum für die Bertelsmann-Stiftung. Insgesamt verfügen 21 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland nicht über die für ihren Job erforderliche Qualfikation – zumindest nicht auf dem Papier. Sie haben sich stattdessen am Arbeitsplatz eingearbeitet oder andernorts weitergebildet, ohne dafür ein offizielles Zertfikat zu bekommen.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft befinden sie sich damit in guter Gesellschaft: Die Kenntnisse durch Berufserfahrung sind nämlich bei allen Erwerbstätigen zentral, wenn es darum geht, wo die tätigkeitsrelevanten Fertigkeiten erlernt wurden – selbst bei Akademikern.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2016

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Die Zahl der Pflegebedürf­tigen wächst schneller als die der Pflegefachkräfte

Weil die Lebenserwartung steigt, steigt auch die Zahl der Pflegebedürftigen. Im Jahr 2015 waren schon mehr als drei Millionen Menschen betroffen – 1999 war es noch eine Million weniger.

Gleichzeitig lassen sich viel zu wenige junge Menschen zu Altenpflegern ausbilden. Das wiegt umso schwerer, als die geburtenstarken Jahrgänge der frühen 1960er Jahre noch nicht in dem Alter sind, in dem viele von ihnen Unterstützung brauchen. Wenn das in einigen Jahren der Fall sein wird, braucht Deutschland noch deutlich mehr Pflegekräfte. So rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft für das Jahr 2035 damit, dass Deutschland – selbst bei optimistischen Annahmen – über 129.000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 2018

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Bei MINT-­Studentinnen noch Wachstumspotenzial

Jeder dritte Erstabsolvent einer deutschen Universität machte im Jahr 2016 seinen Abschluss in einem MINT-Fach. Das ist im internationalen Vergleich spitze. Mit Blick auf den Frauenanteil liegt Deutschland im internationalen Vergleich laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) jedoch im hinteren Mittelfeld.

Entsprechend sollte es in den kommenden Jahren darum gehen, mehr Frauen für ein MINT-Studium zu begeistern. Denn die Gesamtzahl der MINT-Absolventen muss steigen, um die Nachfrage der Unternehmen nach entsprechend qualfizierten Mitarbeitern zu befriedigen. Bei den Männern dürfte es hierfür kaum noch Wachstumspotenzial geben.

Stand: 2016

Quelle: MINT-Frühjahrsreport 2018

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Das Ansehen der Ausbildung muss steigen

Egal ob allgemeine Hochschulreife oder Fachabitur, die Frage „Ausbildung oder Studium?“ beantworten die meisten jungen Menschen mit „Studium“. Eine Befragung unter Abiturienten zeigt, dass viele keine besonders hohe Meinung von der Ausbildung haben. Sie erwarten vom Studium einen spannenderen Job mit besserer Bezahlung und ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko. Aktuell nimmt mehr als die Hälfte eines Abiturjahrgangs ein Studium auf.

Für die Mehrheit der Unternehmen ist ein Studium aber gar nicht das entscheidende Kriterium für eine Anstellung, vielmehr muss die fachliche Qualifikation der Bewerber passen. Deshalb sollten Wirtschaft und Politik dafür sorgen, dass das Ansehen der Ausbildungsberufe steigt.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2017

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