INSM-Positionen
Leistungspotenziale heben

INSM-Position Bildung

Wer Chancengerechtigkeit verspricht, muss für eine gute und für alle zugängliche schulische, berufliche und wissenschaftliche Ausbildung sorgen. – Hier die Position der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zum Thema Bildung.

9. August 2019

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Chancengerechtigkeit braucht gute und für alle zugängliche Bildung. Sie ist nicht nur grundlegend für den beruflichen Ein- und Aufstieg. Sie ist auch das zentrale Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft: Chancengerechtigkeit und die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Aufstieg. Die Empirie zeigt: Bessere frühkindliche Bildung und Wettbewerb zwischen Schulen und Bundesländern kann die Bildungsergebnisse in Deutschland deutlich verbessern.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert

  • Verbesserung der individuellen Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund; beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule sollten alle Kinder die gleichen Startbedingungen haben.
     
  • Förderung der akademischen Qualifizierung der Erzieherinnen und Erzieher sowie intensive Fortbildung. Denn neben dem Ausbau der Betreuungsplätze muss auch die Qualität verbessert werden.
     
  • bundesweit vergleichbare Zwischen- und Abschlussprüfungen in Schulen. Externe Prüfungen machen die Akteure für das Erreichte verantwortlich und lassen Lernanstrengungen für andere sichtbar werden.
     
  • Einführung des Schulfachs Wirtschaft mit dem Ziel, bundesweit eine ökonomische Grundbildung sicherzustellen und die sozialen Unterschiede bei der ökonomischen Bildung zu verringern.
     
  • freie Schulwahl und mehr Selbstständigkeit für öffentliche Schulen. Denn eine erfolgreiche Bildungspolitik legt Standards fest, überlässt es aber den Schulen selbst, wie sie diese Standards am besten erreichen können.
     
  • föderale Bildungsstruktur erhalten. Sie erlaubt, verschiedene Lösungen für bildungspolitische Ziele zu erproben und miteinander zu vergleichen.

 

Förderung verbessern

Damit niemand in unserer Gesellschaft zurückbleibt, muss jeder die gleichen Start- und Entwicklungschancen im Bildungssystem haben. Das ist in Deutschland keineswegs Realität. So erreichen Kinder aus Zuwandererfamilien oder sozial schwierigen Verhältnissen deutlich seltener als andere einen Schul- oder Hochschulabschluss. Nur 9,3 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss hatten, streben die Hochschulreife an. Unter den Gleichaltrigen mit mindestens einem Elternteil mit Hochschulreife liegt dieser Anteil bei 72 Prozent.

Gute Bildung befähigt Menschen zum selbstverantwortlichen Handeln und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Nur 2,6 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss und 5 Prozent der Personen mit mittlerem Qualifikationsniveau - wie etwa einer Berufsausbildung - sind arbeitslos. Hingegen liegt die Arbeitslosigkeit bei Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss bei 20 Prozent. Bildung ist somit die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. 

Die Weichen für eine Bildungskarriere werden früh gestellt: Was Kinder bis zur Einschulung lernen, prägt Wissenschaftlern zufolge ihr Leben und lässt sich später oft kaum nachholen. Einrichtungen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung sind damit wichtige Institutionen auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit am Arbeitsmarkt. Sie gilt es quantitativ und qualitativ deutlich auszubauen. Denn: Vor allem Kinder aus Familien mit geringer Bildung profitieren besonders von einer frühkindlichen Sprachförderung.

Personal qualifizieren

Die Qualität des Personals und damit die Betreuungsqualität muss mit dem Aufbau des Betreuungsangebots Schritt halten. Bislang haben nur 7,3 Prozent der Kindergärtnerinnen (knapp 95 Prozent der Beschäftigten in dieser Branche sind weiblich) einen Hochschulabschluss – entsprechend gering ist die durchschnittliche Bezahlung und damit auch die Attraktivität der Berufe in der Kleinkindbetreuung. Außerdem: Das Personal in Kindertageseinrichtungen muss durch fortwährende Aus- und Weiterbildung besser auf die anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet sein, wenn die frühkindliche Bildung die gewünschten Wirkungen entfalten soll.

Prüfungen vergleichbar machen

Wie lassen sich bessere Bildungsergebnisse im schulischen Bereich erreichen? Die Empirie zeigt, dass Schulsysteme mit wettbewerblichen Elementen wie Schulautonomie und externen Prüfungen deutlich bessere Ergebnisse erzielen. Ein Wettbewerbsrahmen ist daher der erfolgversprechendste Hebel zur Verbesserung der Bildungsleistung.

Ein wichtiges Element für mehr Wettbewerb im Schulsystem sind externe Prüfungen. Sie machen die Akteure für das Erreichte verantwortlich und lassen Lernanstrengungen für andere sichtbar werden. Durch einen Vergleich des Leistungsniveaus verschiedener Schulen können Eltern das Leistungsniveau der Schulen abschätzen und so sinnvoll eine Auswahl treffen. Zunächst sollten in den wichtigsten Fächern vergleichbare Klassenarbeiten eingeführt werden, deren Ergebnisse in die Noten der Schüler einfließen. Zweitens sollten in ganz Deutschland in allen Schulabschlüssen jeweils vergleichbare Abschlussprüfungen eingeführt werden.

Schulfach Wirtschaft bundesweit einführen

Die wissenschaftliche Literatur belegt es: Wer ökonomisch gebildet ist, trifft die besseren Sparentscheidungen, hat weniger Überschuldungsprobleme und kümmert sich häufiger um eine eigene Altersvorsorge. Diese ökonomische Bildung aber verteilt sich ungleich: Geschlecht, Herkunft, Alter und Höhe des Einkommens bestimmen den Wissensstand. Ökonomische Bildung sollte deshalb stärker als bislang systematisch in der schulischen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen verankert werden. Wir fordern bundesweit die Einführung eines Schulfachs “Wirtschaft”; auch weil nur so sichergestellt wird, dass die ökonomische Ausbildung der Lehrkräfte umfassend stattfinden kann.

Wahlfreiheit zwischen und Selbstständigkeit für öffentliche Schulen

Internationale Studien belegen, dass Schüler dort signifikant mehr lernen, wo Schulen mehr Selbständigkeit haben. Dabei gehören schulische Selbständigkeit und externe Prüfungen zusammen: Eine erfolgreiche Bildungspolitik legt Standards fest und überprüft ihr Erreichen extern, überlässt es aber den Schulen selbst, wie sie diese Standards am besten erreichen können. Vor allem in Personalfragen und in Fragen des Tagesgeschäfts benötigen Schulen mehr Freiheit.

Es gilt: Je mehr Möglichkeiten die Eltern bei der Auswahl der Schule haben, desto eher entsteht Wettbewerb. Daher ist es wichtig, dass auch Schulen in freier Trägerschaft mit den staatlichen und untereinander konkurrieren können.

Föderalen Bildungswettbewerb sichern

Die bildungspolitische Zersplitterung unseres föderalen Bildungssystems bietet häufig Anlass zur Kritik. Allerdings birgt sie auch Chancen. So lassen sich bildungspolitische Mittel und Ziele erproben und miteinander vergleichen. Bundesländer können so voneinander lernen. 

Wenn die Ergebnisse nachvollziehbar sind und Rückschlüsse auf den Erfolg oder Misserfolg der Bildungspolitik der einzelnen Bundesländer gezogen werden können, kann der Wettbewerbsföderalismus seine fruchtbare Wirkung entfalten. Ein besserer Informationsaustausch würde es darüber hinaus den Bundesländern ermöglichen, voneinander und miteinander zu lernen.

Quellen:

Dr. Christina Anger Prof. Dr. Axel Plünnecke Dr. Ruth Maria Schüler:
Bildungsmonitor 2019 Schwerpunktthema „Ökonomische Bildung“
Gutachten im Auftrag der INSM

Egbert Henrik, Hildenbrand Andreas:
Masse plus Klasse? Strukturelle Hürden beim qualitativen Ausbau von Kindertagesbetreuung,
Gutachten im Auftrag der INSM

Esselmann Ina, Dr. Geis Wido:
Bildungsverlierer – Kurzstudie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels und PISA-Daten,
Gutachten im Auftrag der INSM

Klingholz, Reiner; Kiziak, Tanja; Müller Ruth:
Bildung wirkt – Lebenslanges Lernen für Wachstum und Wohlstand,
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

OECD:
Bildung auf einen Blick
2014

Wößmann, Ludger:
Ein wettbewerblicher Entwurf für das deutsche Schulsystem,
Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, 2016

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