Aktuelle Fotos
der INSM

Flickr

Alle Fotos
Kampagne: Nachhaltige Rente
Rente

Zehn Fakten erklären die Rentendiskussion

Über kaum ein Thema wird derzeit politisch so leidenschaftlich diskutiert wie über die Zukunft der Rente. Trotzdem sind die Fakten und Begrifflichkeiten oft nur unzulänglich bekannt. Wie kann es zum Beispiel sein, dass das Rentenniveau sinkt und die Renten trotzdem steigen? Zehn Fakten zur Rente sorgen für Aufklärung.

11. Oktober 2018

Faktensammlung herunterladen Fakten zur Rente Position Rente

Die Rente kann nur sicher sein, wenn das System der Altersvorsorge mit der Zeit geht.

Die gesetzliche Rente ist die wichtigste Säule der Alterssicherung in Deutschland. Doch der demografische Wandel stellt das fast 130 Jahre alte System der Umlagefinanzierung vor große Herausforderungen. Eine der größten: Durch den demografischen Wandel werden weniger Beitragszahler mehr Rentnern gegenuberstehen. Wie die gesetzliche Rente dennoch zukunftsfest gestaltet werden kann, ist der Kern einer breiten Debatte.

Die Bundesregierung aus Union und SPD hat vor diesem Hintergrund eine Rentenreform verabschiedet, deren wesentlicher Bestandteil als „Doppelte Haltelinie“ bezeichnet wird. Laut Koalitionsvertrag soll das Rentenniveau, also die Rente eines Durchschnittsverdieners im Verhältnis zum Einkommen eines Durchschnittsverdieners, bis zum Jahr 2025 bei 48 Prozent fixiert werden. Gleichzeitig soll der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht über 20 Prozent steigen. Obwohl die Rentenreform der Großen Koalition formal nur bis zum Jahr 2025 gelten soll, wird sie noch Jahrzehnte später erhebliche Kosten verursachen.

Eine seit Jahren von zahlreichen Rentenexperten geforderte Verbesserung der Einnahmen bei gleichzeitiger Entlastung auf der Ausgabenseite wurde von Union und SPD nicht einmal diskutiert: die Anpassung des Renteneintrittsalters an die steigende Lebenserwartung. Damit auch die junge Generation auf eine verlässliche Absicherung im Alter vertrauen kann, brauchen wir eine besonnene und vorurteilsfreie Rentendebatte. Diese Faktensammlung will dazu einen Beitrag leisten.
 

 

Die Rente ist fair. Noch.

Die Deutschen werden immer älter: Derzeit hat ein 65-jähriger Mann durchschnittlich gut 19 Jahre Rente vor sich. Im Jahr 1965 war die weitere Lebenserwartung 65-Jähriger sieben Jahre kürzer. Die entsprechende Lebenserwartung von Frauen liegt rund drei Jahre höher. Kurz: Die Menschen werden älter. Gleichzeitig gibt es weniger Kinder, das Durchschnittsalter steigt. Darauf muss auch unser Rentensystem reagieren.

Noch ist die gesetzliche Rente eine faire Sache – aus drei Gründen: Erstens kann die Rente nominal qua Gesetz nicht sinken. Zweitens richtet sich die Auszahlung vor allem danach, wie viel ein Rentner einst eingezahlt hat. Dieses Äquivalenzprinzip steht nicht zur Diskussion. Drittens ist die gesetzliche Rente keine Sozialleistung, sondern eine Versicherung: Jeder Versicherte erwirbt einen Anspruch – er ist nicht Bittsteller beim Staat, sondern Kunde der Rentenversicherung.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Zurück zur Faktenübersicht

 

 

Die Standardrente in Deutschland steigt.

Grafik Fakt 02* Die Standardrente erhält jemand, der die Regelaltersgrenze erreicht (65 Jahre bzw. seit 2012 das bis 2030 auf 67 Jahre steigende Eintrittsalter) und 45 Jahre lang regelmäßig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung gezahlt hat

Die Renten sind in den vergangenen Jahren fast ununterbrochen gestiegen: Erhielt ein Rentner wegen Alters aus der gesetzlichen Rentenversicherung im Jahr 1992 noch durchschnittlich 567 Euro im Monat, waren es im Jahr 2016 bereits 857 Euro.
Die Standardrente* mit 45 Versicherungsjahren ist ebenfalls über die Jahre gestiegen: von 2008 bis 2017 um 201 Euro. Ein Plus von rund 17 Prozent und damit deutlich über der Preissteigerung im selben Zeitraum.

 

Früher in Rente trotz steigender Lebenserwartung.

Fakt 03

Heute beziehen Männer beinahe sechs, Frauen sogar neun Jahre länger Rente als 1955. Das liegt nicht nur daran, dass die Lebenserwartung gestiegen ist. Die Rentenbezugsdauer wird auch vom Renteneintrittsalter bestimmt, also wann die Menschen in Rente gehen. Obwohl die Menschen zunehmend älter wurden, gingen sie zeitweise sogar früher in Rente. Damit stieg die durchschnittliche Rentenbezugsdauer schneller als die Lebenserwartung. 2016 bezogen die Versicherten im Durchschnitt 19,6 Jahre lang Rente.

Die junge Generation wird stärker belastet.

Grafik Fakt 04 Rente

Durch die demografische Entwicklung müssen weniger Beitragszahler für mehr Rentner aufkommen. Wie diese Entwicklung aussieht, verdeutlicht der sogenannte Rentnerquotient. Als Prozentzahl gibt er an, wie viele Rentner auf 100 Beitragszahler treffen. Im Jahr 2018 lag dieses Verhältnis bei 51 Prozent, also 100 Beitragszahler mussten für 51 Rentner aufkommen. Im Jahr 2031 wird diese Größe voraussichtlich auf 68 Prozent steigen.

Die Kaufkraft steigt trotz sinkendem Rentenniveau.

Grafik Fakt 05Object

Die Zahl der Erwerbstätigen wird sich langfristig verringern, die Zahl der Rentner erhöhen. Das Rentenniveau drückt aus, wie hoch die Standardrente im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen ist. Wenn das Niveau sinkt, bedeutet das aber nicht, dass die Renten sinken, sondern dass die Renten lediglich langsamer erhöht werden als die Löhne. Dass sich dennoch die Kaufkraft der Rentner weiter erhöhen wird, hat u. a. der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung prognostiziert. Der Grund: Die Renten werden weiterhin stärker steigen als die Verbraucherpreise. Der Durchschnittsrentner kann sich trotz niedrigeren Rentenniveaus in Zukunft mehr von seiner Rente kaufen als heute.

Mehr Menschen wollen und können länger arbeiten als gesetzlich vorgesehen.

Grafik Rente Fakt 06

Während zur Jahrtausendwende noch mehr als die Hälfte der berufstätigen Befragten (2002: 52 Prozent) früher als gesetzlich vorgesehen in den Ruhestand gehen wollte, hat sich ihr Anteil auf aktuell 25 Prozent mehr als halbiert. Dagegen hat sich die Anzahl der Berufstätigen, die über die Ruhestandsgrenze hinaus arbeiten wollen, im selben Zeitraum mehr als verdoppelt (2002: 5 Prozent, 2017: 12 Prozent). Der Wunsch länger zu arbeiten wird mit zunehmendem Alter größer, so eine Umfrage des IfD Allensbach.

Für das Gesamteinkommen im Alter ist die gesetzliche Rente nicht alles.

Object

Die gesetzliche Rentenversicherung ist zwar die größte und wichtigste Säule der Alterssicherung – aber nicht die einzige. Die meisten Rentner haben auch auf andere Weise für ihr Alter vorgesorgt. Das erklärt auch, warum eine niedrige Rente allein nichts über das Gesamteinkommen eines Rentnerhaushalts aussagt. Oft hat beispielsweise der Ehepartner einen deutlich höheren Rentenanspruch oder ein großer Teil des Einkommens stammt aus anderen Quellen, wie etwa einer betrieblichen oder privaten Altersversorgung.

Anhebung der Regelaltersgrenze hat positive Effekte.

Grafik Fakt 08 Rente

Müssen durch die steigende Lebenserwartung mehr Rentner von weniger Beschäftigten finanziert werden, steigt die Belastung der Beitragszahler. Um dem entgegenzuwirken, wird die Regelaltersgrenze bis 2030 schrittweise auf 67 Jahre angehoben.

Diese Anhebung hat einen deutlich positiven Effekt auf den Beitragssatz und ermöglicht stärkere Rentenerhöhungen. Um den Effekt der steigenden Lebenserwartung auf das Rentensystem gerecht zu verteilen, sollte das Renteneintrittsalter in Etappen auch nach 2030 konsequent an die Lebenserwartung gekoppelt werden.

Quelle: Prognos AG

Zurück zur Faktenübersicht

 

 

Rentner sind vergleichsweise gut abgesichert.

Grafik Fakt 09 Rente

Den allermeisten Rentnern geht es finanziell gut – das zeigte im vergangenen Jahr eine groß angelegte Altersstudie des Allensbach-Instituts. Demnach beurteilen 52 Prozent der 65- bis 85-Jährigen ihre wirtschaftliche Lage als „gut“, weitere 10 Prozent sogar als „sehr gut“. 5 Prozent beurteilen ihre Lage als „eher schlecht“ und 1 Prozent als „schlecht“. Das deckt sich mit den Zahlen zur Grundsicherung im Alter. Demnach beziehen 2,6 Prozent der Rentner zusätzlich Grundsicherung im Alter. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der Grundsicherungsempfänger bei 8,9 Prozent, also dreimal höher.

Private und betriebliche Altersvorsorge gewinnen an Bedeutung.

Grafik Fakt 10 Rente

Immer mehr Menschen sorgen zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung für das Alter vor – betrieblich und/oder privat. So stieg die Zahl der staatlich geförderten Riesterverträge pro 1.000 Einwohner von fünf im Jahr 2001 auf 129 im Jahr 2016. Auch bei Direktversicherungen wie Lebensversicherungen gab es einen Anstieg – auf 215 Verträge je 1.000 sozialversicherungspflichtige Erwerbstätige im Jahr 2015. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es nur 178 Verträge.

Seit Anfang 2018 gelten für die freiwillige Altersvorsorge erstmalig Freibeträge. Dadurch ist es für Menschen mit niedrigem Einkommen attraktiver, selbst vorzusorgen. Schon Kleinstbeträge können so zu einer spürbaren Einkommensverbesserung im Alter führen.

Ausgewählte Quellen

Rentenversicherungsbericht 2017,
Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Rentenversicherung in Zahlen 2017,
Deutsche Rentenversicherung

Demographischer Wandel auf dem Prüfstand,
Bertelsmann Stiftung

Bevölkerungsumfrage zum Reformbedarf des Rentensystems,
IfD Allensbach

Die deutsche Lebensversicherung in Zahlen,
Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft