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Die Ideen
Physiker Hans von Ohain

Explosives Tempo

Einfach mal ohne Propeller. Physiker Hans Joachim Pabst von Ohain entwickelt 1939 den Düsenantrieb, der die militärische und zivile Luftfahrt neu erfindet und das Jet-Zeitalter einläutet.

Der Vogel hat enormes Gewicht, ist Kerosin-effizient und fliegt flott: Der Airbus A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, wiegt rund 590 Tonnen und die Düsentriebwerke saugen pro Sekunde anderthalb Tonnen Luft an und erzeugen 225.000 Pferdestärken, die zur Höchstgeschwindigkeit von 1.020 km/h führen. Der Star der Airbusflotte und Gütesiegel aller großen international führenden Fluggesellschaften wie Lufthansa, Emirates oder British Airways ist 73 Meter lang und hat eine Reichweite von 15.700 Kilometern. Ob Businessflüge oder Urlaubs- und Städtereisen: Dank der Düsentriebwerks-Erfindung des Physikers Hans Joachim Pabst von Ohain (1911–1998) aus Dessau im Sommer 1939 jetten heute düsengetrieben über fünf Milliarden Menschen pro Jahr um den Erdball. Die Entwicklung des Düsenantriebs ist zugleich die Erfindung moderner Mobilität. Düsenflugzeuge vernetzen Kontinente und verdichten Zeit.

Was sich 1935 in der Patentanmeldung „Verfahren und Verrichtung von Schwingungen in Lichtschwankungen“ noch wolkig anhört, klingt 1936 bei von Ohains Triebwerks-Grundbestandteilen mit Verdichter, Brennkammer, Turbine und Schubdüse für die Patentanmeldung „Verfahren und Apparat zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“ schon wie eine Jet-Gebrauchsanweisung. Als der Physiker dann mit Unterstützung des Rostocker Propeller-Flugzeugbauers Heinkel alle finanziellen Möglichkeiten zu seiner Düsenantriebsentwicklung bekommt, hebt im August 1939 über der Ostsee die Heinkel He-178 ab und erreichte schon damals 700 km/h. Wie so oft, führen kleine Dinge des Alltags zu großen Ideen und Umwälzungen. Hans Joachim Pabst von Ohain hatte sich bei einem Flug mit der legendären Ju-52 über den Lärm im Flieger und den Abgasgeruch im Cockpit geärgert. Kleiner Anlass, große Erfindung. Empathie ist immer wieder ein Schlüssel zur Lust, unbedingt Neues, Besseres entwickeln zu wollen. Es muss ja nicht immer jede Neuentwicklung die Business- und Sportmaxime von höher, schneller, weiter erfüllen, aber die segenreiche Lust von tatkräftigen Unternehmern und Erfindern, neue Produkte besser und dem Menschen das Leben leichter zu machen, ist das Existenzrecht von Technik und Fortschritt und beflügelt die Wirtschaft.