Berlin – Brandenburg verbessert sich beim INSM-Bildungsmonitor 2026 auf den 13. Platz. Die Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.
Ausgewählte Ergebnisse INSM-Bildungsmonitor 2026
Brandenburg hat Stärken in den Handlungsfeldern Integration, Inputeffizienz und Internationalisierung:
Verbesserungspotenzial besteht bei den Bereichen Hochschule/MINT, Digitalisierung, Zeiteffizienz, Forschungsorientierung, Betreuungsbedingungen und berufliche Bildung:
Mangelnde Bildungschancen bleiben zentrale Herausforderung in Deutschland
Rund ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland verfügt über keinen berufsqualifizierenden Abschluss – mit gravierenden Folgen für Einkommenschancen und gesellschaftliche Teilhabe. Personen ohne Abschluss der Sekundarstufe II erreichen deutlich seltener die Einkommensmittelschicht und sind fast sechsmal häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen als Personen mit beruflicher Ausbildung. Der demografische Wandel verstärkt zusätzlich die positiven Berufsaussichten von Fachkräften. Gleichzeitig hängen Bildungserfolg und sozioökonomische Herkunft in Deutschland nach wie vor eng und im Vergleich zu anderen Ländern stark zusammen. Kinder aus bildungsfernen Haushalten erreichen geringere Kompetenzen und schlechtere Bildungsabschlüsse, dabei entstehen die ungleichen Bildungschancen bereits in der Kindheit und in der Schulzeit. Die Berufsausbildung ist hingegen eine Stärke des deutschen Bildungssystems und beim Zugang zu den Hochschulen gibt es deutliche Fortschritte.
Gezielte Investitionen in Bildung können Chancen verbessern
Wirksame Maßnahmen setzen früh an: Flächendeckende, verpflichtende Sprachstandserhebungen vor dem Grundschuleintritt, Sprachförderung, zusätzliche nach Sozialindex differenzierte Ressourcen, eine Ausweitung des Startchancenprogramms auf Kitas und weitere Schulen in benachteiligten Lagen, der Ausbau von Ganztagsangeboten, Mentoringprogramme, die Sicherung hochwertiger Lehrkräfteversorgung und die Stärkung datengestützter Unterrichtsentwicklung können Herkunftseffekte gezielt abmildern. Eine Digitalstrategie an Schulen zum Erwerb digitaler Kompetenzen und Konzepte zum Schutz der Kinder vor Risiken der Nutzung digitaler Medien in der Freizeit sind weitere wichtige Maßnahmen für bessere Bildungschancen. Mehr Berufsorientierung und eine gezielte Unterstützung leistungsschwacher Auszubildender können helfen, die Stärken der beruflichen Bildung zu erhalten. Eine Ausbildungsplatzabgabe hingegen wäre kontraproduktiv, würde Unternehmen belasten und die hohe Passung von Ausbildung und Bedarfen gefährden, ohne die Ursachen von Bildungsarmut zu bekämpfen.
Demografie besondere Herausforderung in ostdeutschen Flächenländern
Zur Aufgabe, alle Bildungspotenziale zu heben, kommt in Ostdeutschland eine gewaltige Herausforderung hinzu: der demografische Wandel. So nimmt die Zahl der Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen von 2025 bis 2035 in den ostdeutschen Flächenländern um 14,9 Prozent ab (Brandenburg: -12,7 Prozent; zum Vergleich: westdeutsche Flächenländer: +4,7 Prozent). Die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter wird in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren in Ostdeutschland deutlich einbrechen und den Wohlstand massiv gefährden. Zuwanderung ist daher besonders wichtig. Das Bildungssystem kann an vielen Stellen positiv wirken, von der Vermittlung von Weltoffenheit in Schulen bis hin zur Nutzung des Potenzials internationaler Studierender durch die Sicherung von Studienkapazitäten und den Ausbau von Begleitprogrammen an Hochschulen.
Integration (BM 2026: 2. Platz): Bei den Tests zu den Bildungsstandards des IQB für die Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus dem Jahr 2024 fiel in Brandenburg, verglichen mit den anderen Bundesländern, der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Mathematik relativ gering aus. Darüber lag die Schulabbrecherquote unter den ausländischen Jugendlichen im Jahr 2024 mit 18,2 Prozent unterhalb des bundesdeutschen Durchschnitts von 20,0 Prozent. Auch bei der Studienberechtigtenquote von ausländischen Jugendlichen an allgemeinbildenden Schulen schnitt Brandenburg mit 11,6 Prozent besser ab als der Durchschnitt der Bundesländer (8,0 Prozent).
Inputeffizienz (BM 2026: 5. Platz): In Brandenburg fällt vor allem der Anteil des wissenschaftlichen Personals am Gesamtpersonal an den Hochschulen mit 65,3 Prozent höher aus als im bundesweiten Durchschnitt (52,9 Prozent). Brandenburg erreicht hier den zweitbesten Wert aller Bundesländer. Positiv fallen in Brandenburg zudem die Investitionsquoten an den allgemeinbildenden sowie an den beruflichen Schulen aus. Ebenfalls überdurchschnittlich ist in Brandenburg der Deckungsbeitrag der Drittmittel für die Hochschulausgaben (Brandenburg: 22,6 Prozent; Bundesdurchschnitt: 20,9 Prozent). Verbesserungsbedarf gibt es jedoch bei der Altersstruktur der Lehrkräfte an den allgemeinbildenden und den beruflichen Schulen.
Internationalisierung (BM 2026: 5. Platz): Der Anteil der Bildungsausländerinnen und -ausländer an allen Studierenden fiel im Jahr 2024 mit 24,7 Prozent sehr hoch aus (Bestwert; Bundesdurchschnitt: 14,4 Prozent). Darüber hinaus wurden im Jahr 2024 fast alle Berufsschülerinnen und Berufsschüler in Brandenburg (96,4 Prozent) in Fremdsprachen unterrichtet. Damit erreicht Brandenburg den zweitbesten Wert aller Bundesländer (Bundesdurchschnitt: 49,9 Prozent). Dagegen wies Brandenburg bei den Grundschulen mit 50,5 Prozent einen leicht unterdurchschnittlichen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Fremdsprachenunterricht auf (Bundesdurchschnitt: 51,7 Prozent).
Hochschule und MINT (BM 2026: 16. Platz): Im Jahr 2023 erreichte Brandenburg eine Akademikerersatzquote von 2,9 Prozent. Brandenburg erreicht hiermit den schlechtesten Wert aller Bundesländer. Weiterhin schneidet Brandenburg beim Anteil der Absolventinnen und Absolventen in Ingenieurwissenschaften an allen Hochschulabsolventinnen und -absolventen sowie beim Anteil der Absolventinnen und Absolventen in Mathematik und Naturwissenschaften unterdurchschnittlich ab. Schließlich fiel die Relation der Absolventinnen und Absolventen in Ingenieurwissenschaften zu den sozialversicherungspflichtigen Ingenieurinnen und Ingenieuren in Brandenburg mit 3,4 Prozent wiederum geringer aus als im bundesweiten Durchschnitt (4,6 Prozent). Brandenburg belegt hier wiederum den letzten Platz von allen Bundesländern. Die Position Brandenburgs in diesem Handlungsfeld ist vor dem Hintergrund der guten Bewertung Berlins einzuordnen.
Digitalisierung (BM 2026: 16. Platz): Verbesserungsbedarf gibt es in Brandenburg bei der Ausbildungsleistung im Bereich Digitalisierung. Die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsverträge im IT-Bereich pro 100.000 Erwerbstätige fällt mit 17,1 deutlich niedriger aus als im bundesdeutschen Durchschnitt (39,7). Unterdurchschnittlich fällt ebenso die Anzahl der IT-Hochschulabsolventinnen und -absolventen pro 100.000 Erwerbstätige aus. Verbesserungswürdig ist in Brandenburg auch das Informatikangebot in den Schulen und auch die Forschungsleistung im Bereich Digitalisierung fällt in Brandenburg unterdurchschnittlich aus.
Zeiteffizienz (BM 2026: 16. Platz): In Brandenburg werden 20,8 Prozent der Kinder verspätet eingeschult (Bundesdurchschnitt: 6,3 Prozent). Ebenfalls unterdurchschnittlich schnitt Brandenburg beim Durchschnittsalter der Erstabsolventinnen und Erstabsolventen ab (Brandenburg: 27,1 Jahre; Bundesdurchschnitt: 26 Jahre). Bei den Wiederholerquoten in der Grundschule und in der Sekundarstufe I erreichte Brandenburg einen etwas besseren Wert als im Bundesdurchschnitt.
Forschungsorientierung (BM 2026: 15. Platz): Der Nachholbedarf Brandenburgs zeigt sich unter anderem bei der Habilitations- und Promotionsquote. Die Zahl der abgeschlossenen Habilitationsverfahren pro 100 Professorinnen und Professoren betrug im Jahr 2024 in Brandenburg 2,1 und im Bundesdurchschnitt 3,1. Bei der Promotionsquote schneidet Brandenburg ebenfalls unterdurchschnittlich ab. 3,8 Prozent aller Abschlüsse an Hochschulen waren im Jahr 2024 Promotionen (Bundesdurchschnitt: 5,5 Prozent). Ebenfalls geringer als der Durchschnitt (36,8) sind mit 29,9 die Anzahl der Forscherinnen und Forscher an Hochschulen in Relation zum BIP in Milliarden Euro. Die eingeworbenen Drittmittel je Professorin und Professor liegen in Brandenburg mit 219.600 Euro jedoch oberhalb des Bundesdurchschnitts (187.100 Euro).
Betreuungsbedingungen (BM 2026: 14. Platz): Hier weist Brandenburg vor allem Verbesserungsbedarf bei der Zahl der Unterrichtsstunden pro Schülerin und Schüler in beruflichen Vollzeitschulen auf. Brandenburg weist hier im Jahr 2024 den schlechtesten Wert aller Bundesländer auf. Weiterhin kamen im Jahr 2025 in Brandenburg 8 Kinder auf eine Betreuerin oder einen Betreuer in den Kindertageseinrichtungen (Bundesdurchschnitt: 5,2). Relativ ungünstige Betreuungsrelationen liegen in Brandenburg zudem in den Grundschulen, in der Sekundarstufe I der Gymnasien, der Sekundarstufe II und an den beruflichen Vollzeitschulen vor.
Berufliche Bildung (BM 2026: 14. Platz): Gemessen an der Bevölkerung im entsprechenden Alter wurden im Jahr 2025 relativ wenige betriebliche Ausbildungsplätze angeboten. Mit 52,7 Prozent liegt Brandenburg unter dem Bundesdurchschnitt von 63,8 Prozent. Die Quote der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber fällt in Brandenburg mit 11,3 Prozent ebenfalls schlechter aus als im Bundesdurchschnitt (10,4 Prozent). Brandenburg konnte aber die Anzahl der neuen betrieblichen Ausbildungsstellen von 2020 bis 2025 stark um 10,1 Prozent von 9.339 auf 10.284 erhöhen – der bundesweite Zuwachs betrug im selben Zeitraum 1,8 Prozent.
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