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17. Nov 2015

Interview mit Hans-Ulrich Koch
"Man reguliert, ohne die Bedürfnisse der Branchen zu kennen"

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Mit Werkverträgen können sich deutsche Mittelständler auf ihre Kernkompentenzen konzentrieren und erfolgreich gegen die Konkurrenz aus dem Ausland behaupten. Das ist auch bei der Dillinger Fabrik so. Ein Gespräch mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Hans-Ulrich Koch.

Was ist das Geschäftsmodell ihres Unternehmens?

Wir machen Metallverarbeitung und sind ein mittelständisches Familienunternehmen mit einer 120 Jahre langen Historie und haben 380 Mitarbeitern in Europa, davon 240 in Deutschland.

 

Wer sind ihre Wettbewerber?

Das Marktumfeld ist geprägt von kleineren und mittleren, teilweise preislich sehr aggressiven, Unternehmen, vermehrt auch aus Italien, Spanien und Osteuropa, weil deren Heimatmarkt teilweise weggebrochen ist.

 

Wie hat sich der Standort Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt?

Die Kosten in Deutschland zum Beispiel für Personal und Energie haben sich seit 2009, im Zuge der Energiewende und steigender Tariflöhne, massiv erhöht. Hinzu kommt der durch die aggressive Exportstrategie Chinas bedingte Verfall des Stahlpreises. Verkaufspreise lassen sich auf Grund dieser Faktoren kaum erhöhen, wenn man nicht riskieren will, an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

 

Sie nutzen in diesem schwierigen Umfeld auch Werkverträge. In welcher Form?

Die Kernkompetenz der Dillinger Fabrik gelochte Bleche liegt in der Metallverarbeitung. Dabei haben wir jedoch eine relativ hohe Wertschöpfungskette. Damit wir uns auf unsere Stärken konzentrieren können, nutzen wir Werkverträge, um Leistungen, die extern effizienter und damit günstiger erbracht werden können, hinzuzukaufen. Diese Leistungen umfassen unter anderem die Reparatur und Wartung von Maschinen, bestimmte Formen der Weiterverarbeitung, wie der Pulverbeschichtung, sowie Entsorgung und Teile der Logistik.

 

Was sind konkret die Kriterien für die Entscheidung zu Gunsten eines Werkvertrags?

Die Entscheidung für Werkverträge erfolgt dann, wenn Arbeiten qualitativ besser oder günstiger fremd vergeben werden können. Dabei steht jedoch im Mittelpunkt, dass unsere Produktqualität erhalten bleiben muss. Um dem Kunden das bestmögliche Ergebnis garantieren zu können, greifen wir deshalb auch auf die Expertise von außen zurück. Nur so können wir unserem eigenen Anspruch gerecht werden.

 

Und wie arbeiten Werkarbeitnehmer und Stammbelegschaft zusammen?

Räumlichkeiten und sanitäre Anlagen werden separat bereitgestellt. Die Tätigkeiten der Werkarbeitnehmer sind gegenüber denen der Stammbelegschaft klar getrennt und werden nicht gleichermaßen ausgeführt. Dabei sind Schnittstellen klar definiert. Reinigung erfolgt teilweise bei Abwesenheit, Reparaturen werden entsprechend der Stillstandzeiten erledigt. Auch die fremdvergebene operative Logistik, zu der vor allem der Wareneingang, Verpackung und Versand gehören, hat eine klare räumliche und fachliche Zuordnung.

 

Haben Sie die Stammbeschäftigtenzahl reduziert, seitdem Sie Werkverträge nutzen?

Unsere Mitarbeiter haben eine lange Betriebszugehörigkeit und die Stammbelegschaft wurde nicht reduziert. Allerdings gab es weniger Neueinstellungen. Ausschlaggebend hierfür sind aber die besseren Bedingungen hinsichtlich Energie- und Lohnkosten, die wir in den Tochtergesellschaften im Ausland vorfinden. Wie gesagt: Der steigende Konkurrenzdruck auf dem europäischen Markt zwingt uns, unsere Kostenstruktur zu optimieren um wettbewerbsfähig zu bleiben.

 

Wie würde es sich auswirken, wenn es neue Kriterienkataloge und mehr Mitbestimmung geben würde?

Die Arbeitnehmerzahl in Deutschland, insbesondere in den tarifgebundenen, mitbestimmungsgeprägten Unternehmen, würde deutlich sinken. Ich gehe davon aus, dass sich die Anzahl der Arbeitnehmer in Deutschland, insbesondere jener, die in tarifgebundenen Unternehmen beschäftigt sind, deutlich sinken würde. Eine weitere Bürokratisierung würde uns die Einstellung neuer Mitarbeiter und auch die Beschäftigung von Arbeitern aus anderen Firmen deutlich erschweren. Eine ausgeweitete betriebliche Mitbestimmung würde sich weiter negativ auf unseren Entscheidungsspielraum auswirken. Die aktuelle Regelung hat dem Betriebsrat bei der Dillinger Fabrik bereits die Macht gegeben, zu verhindern, dass wir an diesem Standort Zeitarbeitnehmer einsetzen. Das ist für sich gesehen bereits ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Die Entscheidung, wie ein Unternehmen geführt werden muss, um erfolgreich zu sein, sollte beim Unternehmer liegen. Schließlich trägt er auch die Verantwortung.

  

Was erwarten Sie von der Politik?

Man reguliert, ohne die Bedürfnisse der Branchen zu kennen. Man treibt damit die Unternehmen bestenfalls ins Ausland oder in die Insolvenz. In den letzten Jahren wurde den mittelständischen Unternehmen immer nur eine Belastung nach der anderen auferlegt, Stichwort: Erneuerbare Energien, Zeitarbeit, Mindestlohn, Sozialabgaben, Erbschaftsteuer. Machen wir so weiter, wird sich das Erfolgsmodell Mittelstand in Deutschland selbst erledigen.

 

 

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