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19. Dez 2014

Familie und Beruf
Was raten Sie jungen Eltern, Frau Schröder?

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Familie und Beruf besser zu vereinbaren, das haben sich alle Parteien auf die Fahnen geschrieben. Und: In den letzten Jahren haben Politik und Wirtschaft auch einiges erreicht. Wie hat sich das Leben berufstätiger Mütter verändert? Und was bleibt zu tun? Wir haben Menschen gefragt, die aus eigener Erfahrung Antworten auf diese Fragen haben, nämlich die ehemalige Bundesfamilienministerin und heutige Bundestagsabgeordnete Kristina Schröder, Professorin Jutta Allmendinger, die Unternehmerin Sophia von Rundstedt und der Vorstandsvorsitzenden des Verbands berufstätiger Mütter Cornelia Spachtholz.

Kristina Schröder

"Jetzt steht die Qualität der Kitas auf der Agenda"

 

 

 
Jutta Allmendinger

"Ich glaube, viele sahen mich als Rabenmutter"

 

In welchem Alter haben Sie Ihre Kinder in den Kindergarten gebracht?

Wir haben unseren Sohn vom sechsten Monat an einer Kindertagesstätte anvertraut, bis zu diesem Zeitpunkt habe ich gestillt. Ein späterer Zeitpunkt erschien uns nicht geboten. Philipp war gesund, die Einrichtung hervorragend und die Zeit am Nachmittag und am Abend konnte man dann mit ihm so richtig genießen.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Kindergartens, beziehungsweise einer Kindertagesstätte?

Transparenz und Vertrauen sind unabdingbar. Die entscheidenden Fragen sind: Welche Fachkräfte arbeiten hier? Wie ticken sie? Welche pädagogischen Konzepte leiten ihr Handeln? Sicher ist auch die Lage der Kita wichtig. Wir wollten uns nicht streiten, wer am Morgen lange Wege auf sich nehmen soll.

Was raten Sie heute jungen Eltern: möglichst früh zurück in den Job oder möglichst lange die Kinder selber betreuen?

Es gibt kein Patentrezept. Für die meisten Eltern sind aber Unterbrechungen von mehr als einem Jahr eher schwierig. Im Beruf verliert man den Faden und persönlich fühlt man sich am Arbeitsplatz schnell fremd. Studien zeigen, dass es Kindern nicht schadet, wenn sie auch außer Haus betreut werden.

Was raten Sie Unternehmen, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbar zu machen?

Frühzeitig die gegenseitigen Erwartungen klären. Arbeit in Teams strukturieren, Führungspositionen auch in Teilzeit anzubieten. Und alles dafür tun, die jungen Frauen und Männer zu ermächtigen, diesen wichtigen Lebensabschnitt ohne allzu großen Stress mit Freude genießen zu können.

Welche Hürden mussten Sie als Mutter in der Berufswelt überwinden?

Mein Sohn ist heute erwachsen, ich spreche von den 1990er Jahren. Ich glaube, man sah mich damals oft als Rabenmutter. Der Rechtfertigungsdruck störte mich. Obwohl ich damals schon eine Professur hatte, meinte man, manches für mich entscheiden zu müssen. Man schützte mich etwa vor internationalen Konferenzen, an denen ich gerne teilgenommen hätte und problemlos hätte teilnehmen können.

Wenn Sie einen Wunsch an die Familienpolitik der Bundesregierung frei hätten: was sollte ab morgen geändert werden?

Für unsere Kleinen brauchen wir hervorragende Erzieher und Erzieherinnen. Ich würde deren Arbeitsbedingungen verbessern und deren Lohn erhöhen.

Sophia von Rundstedt

"Ich rate, möglichst früh zurück in den Job zu kommen"

 

 

 

"Die Entscheidung, wie lange Mütter und Väter beruflich pausieren, will gut überlegt sein"

 

In welchem Alter haben Sie Ihre Kinder in den Kindergarten gebracht?

Innerhalb unseres Vorstandes sind wir je nach persönlicher Lebens- und Arbeitssituation sowie persönlichem Umfeld unterschiedliche Betreuungswege gegangen: Angehörige, Tagesmutter oder Au-Pair, direkt nach dem Mutterschutz bis Kitaplatz im Kindsalter zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Oftmals bestimmen das Geburtsdatum des Kindes, die Angebote sowie Aufnahmekriterien vor Ort, wann ein Kind in die Kita geht. Mit anderen Angeboten seitens der qualitativen und quantitativen Betreuungsinfrastruktur und flexibleren Angeboten seitens unserer Unternehmen, hätten viele von uns ihre Kinder noch früher fremd betreuen lassen. Zum einen aus Kindersicht, da weitere Bezugspersonen gut für die Kinder sind und zum anderen, weil auch bekannt ist, dass längere Auszeiten nicht nur Einfluss auf die Karriere haben, sondern auch auf spätere Rentenzahlungen. Unser Fazit: Je kürzer und aktiver die familienbedingte Auszeit gestaltet ist, desto besser.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Kindergartens, beziehungsweise einer Kindertagesstätte?

Die Kita direkt um die Ecke mit Waldspielplatz, großzügigen hellen Räumen aber winzig-kleinen Gruppen, super-flexiblen rund-um-die-Uhr Öffnungszeiten und eigener Köchin mit Bio-Kost sind wohl eher die Ausnahme. Daher empfehlen wir Eltern Prioritäten zu setzen: Wichtige Faktoren bei der Auswahl einer Betreuungseinrichtung sind das pädagogische Konzept, der Betreuungsschlüssel, die Menschen in der Einrichtung, kurze Wegezeiten, Öffnungszeiten außerhalb des Standards zwischen 8 und 16.30 Uhr und die Höhe der Elternbeiträge. Zu den wichtigsten Kriterien gehört aber der persönliche Eindruck der Eltern: Nur wenn diese ein gutes Gefühl haben, werden sie ihr Kind vertrauensvoll in die Betreuungseinrichtung geben.

Was raten Sie heute jungen Eltern: möglichst früh zurück in den Job oder möglichst lange die Kinder selber betreuen?

Die Entscheidung, wie lange Mütter und Väter beruflich pausieren, will gut überlegt sein: Längere Auszeiten und die Gestaltung des Wiedereinstieges haben Einfluss auf die Karriere, die gesamte Erwerbsbiographie und somit auch auf die Altersversorgung. Die Elternzeit sollte so lange wie nötig und so kurz wie möglich sein. Die Elternzeit kann nicht nur zum Bindungsaufbau mit dem Kind und dem Zurechtfinden der neuen Familien-und Lebenssituation genutzt werden, sondern kann auch die Grundlage einer beruflichen Neuorientierung sein und zum Beispiel mit einer Weiterbildung aktiv gestaltet werden. Denn bei langen Auszeiten gilt: Fachwissen veraltet sehr schnell, berufliche Kontakte gehen verloren, der Anschluss gelingt nicht auf der gleichen Hierarchiestufe und die Einkommenseinbußen summieren sich. Wenn sich beide Elternteile die Verantwortung für Familien-, Haus- und Erwerbsarbeit von Anfang an teilen, sind beide in der Lage, ihre beruflichen Laufbahnen erfolgreich zu gestalten und zugleich genügend Zeit mit den Kindern zu verbringen.

4. Was raten Sie Unternehmen, um Beruf und Familie besser miteinander vereinbar zu machen?

Es existieren ca. 250 Einzelmaßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern, die ein Unternehmen erfolgreich für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzen kann. Das können beispielsweise Betriebskindergärten, Belegplätze in Kitas, Eltern-Kind-Zimmer oder ein Mix an flexiblen Arbeitszeitmodellen sein – das Spektrum ist groß. Welche Maßnahmen die passenden sind, hängt vom Unternehmenskontext sowie den Wünschen und Notwendigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Familienverantwortung ab. Grundsätzlich brauchen Familien mehr Zeitsouveränität, Frauen mehr Karriereoptionen und Männer mehr Zeit mit Familie ohne Karriereeinbußen. Entscheidend ist, dass dies in allen Bereichen und auf allen Hierarchieebenen gelebte Unternehmenskultur ist und die Führungskräfte auch hier eine Vorbildfunktion einnehmen.

Welche Hürden mussten, beziehungsweise müssen Sie als Mutter in der Berufswelt überwinden?

Es hat sich viel getan, aber es gibt einiges zu verbessern: Flexibilisierung von Arbeitszeit, –organisation und –ort müssen sowohl unternehmensgerecht als auch bedarfsgerecht für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein. Die durch familiäre Verantwortung gewonnenen Kompetenzen werden nicht ausreichend als Karrierebaustein anerkannt. Eine aktive Väteransprache seitens des Unternehmens in Kombination, dass Väter keine Karriereeinbußen durch Familienzeiten befürchten müssen, unterstützt Väter in der partnerschaftlichen Aufteilung von Familien-, Haus- und Erwerbsarbeit, so dass auch Mütter ihren Karriereweg trotz familiärer Verantwortung beschreiten können. Auch sind Karriereoptionen oftmals an eine Präsenzkultur anstelle einer Ergebnisorientierung gekoppelt. So ist es zum Beispiel immer noch nicht selbstverständlich, dass Führung auch in Teilzeit möglich ist. Erst wenn Männer mit Familie als gleiches „unternehmerisches Risiko“ wie Frauen mit Familie, bzw. Frauen analog zu Männern als „Wert“ für das Unternehmen wahrgenommen werden und gleiche Chancen eröffnet bekommen, haben Frauen und Mütter die Hürden in der Berufswelt überwunden. Das Zauberwort ist Diversity Management auf allen Ebenen – auch unter dem Gender-Aspekt.

Wenn Sie einen Wunsch an die Familienpolitik der Bundesregierung frei hätten: Was sollte ab sofort geändert werden?

Eine in sich abgestimmte Familienpolitik. Bei jährlichen Ausgaben von rund 200 Milliarden Euro für Ehe und Familie gibt es zu viele Maßnahmen, die gegensätzliche Anreize setzen. Die konsequente Umsetzung der Handlungsempfehlungen des 1. Gleichstellungsberichtes der Bundesregierung sowie die Berücksichtigung der Ergebnisse der Evaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen sind ein erster Schritt. Auch wichtig ist die Berücksichtigung der Ergebnisse weiterer Studien, welche die Forderungen des Verbandes berufstätiger Mütter (VBM e.V.) nach einer bedarfsgerechteren Familienpolitik wissenschaftlich unterstützen. Besonders zu nennen sind hier unter anderem:

  • bedarfsgerechter Ausbau der Betreuungsinfrastruktur
  • flächendeckender Ausbau der gebundenen rhythmisierten Ganztagsschule
  • Einführung eines Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Alterstufen von 0 bis 14+
  • enge Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium zur Schaffung bundeseinheitlicher Bildungsstandards und Durchlässigkeit des Systems
  • Abschaffung der Fehlanreize in Steuer- und Rechtspolitik
  • Familienförderung durch gesetzliche Gleichstellung aller Familienformen mit Betreuungs- oder Pflegeverantwortung