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10 Fakten zum deutschen Bildungssystem

Fakt 1

Deutschland verharrt beim Investitionsziel für Bildung auf halber Strecke

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  • Die Gesamtausgaben für Bildungseinrichtungen aus öffentlichen und privaten Quellen lagen in Deutschland 2011 bei nur 5,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Im OECD-Durchschnitt investierten die Länder 6,1 Prozent ihres BIPs.
  • Bund und Länder stecken rund elf Prozent der Haushaltsausgaben in Kitas, Schulen und Hochschulen. Damit liegt Deutschland im OECD-Vergleich auf Rang 23 – und hat seine Ausgaben seit 2005 nicht wesentlich erhöht. Im OECD-Schnitt wenden die Länder 12,9 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben auf.

 

Fazit: Die Bundesregierung sollte mehr dafür tun, ihr selbst gesteck­tes Investitionsziel zu erreichen: Zehn Prozent des BIP sollen bis 2015 in Bildung fließen. Bislang ist gerade einmal die Hälfte dieses Ziels erreicht.

Fakt 2

Nur jeder Vierte ist Bildungsaufsteiger

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  • Die Deutschen erreichen selten einen höheren Bildungsstand als ihre Eltern: Nur 24 Prozent der 25- bis 64-Jährigen haben das geschafft – nach Tschechien ist das der niedrigste Wert im OECD-Vergleich mit einem Schnitt von 38 Prozent.
  • 18 Prozent der Deutschen haben einen niedrigeren Bildungsstand als ihre Eltern – im internationalen Vergleich ein hoher Wert.
  • Unter den 25- bis 34-jährigen Deutschen gibt es sogar mehr Absteiger als Aufsteiger: 19 Prozent haben einen höheren, 24 Prozent einen niedrigeren Bildungsabschluss als ihre Eltern.

 

Fazit: Das Bildungssystem in Deutschland muss durchlässiger werden. Dazu muss konsequent mehr in frühkindliche Bildung investiert werden – sie schafft vergleichbare Startbedingungen für alle Kinder.

Fakt 3

Sechs Prozent der Schüler verlassen die Schule ohne Abschluss

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  • Im Abgangsjahr 2012 beendeten insgesamt 47.600 Schüler ihre Schullaufbahn ohne Abschluss. Sechs Prozent des Jahrgangs gelang es also nicht, mindestens einen Hauptschulabschluss zu erreichen.
  • Damit sinkt die Zahl der Abbrecher weiterhin nur langsam. Im Jahr 2010 hatte die Abbrecherquote innerhalb eines Jahrgangs laut Statistischem Bundesamt bei 6,5 Prozent gelegen, 2009 bei 6,9 Prozent.

 

Fazit: Die Schulabbrecher von heute sind die Langzeitarbeitslosen von morgen. Die Bundesregierung sollte angesichts der nur langsam sinkenden Abbrecherzahlen mehr Energie darauf verwenden, ihr selbst erklärtes Ziel von nur noch vier Prozent Schulabbrechern bis 2015 zu erreichen.

Fakt 4

Sinkende Schülerzahlen ermöglichen höhere Pro-Kopf-Investitionen

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  • Die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen hat sich nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes von 2003 bis 2013 um 11,7 Prozent auf 11,1 Millionen verringert.
  • Da nicht im gleichen Umfang Lehrpersonal abgebaut oder Klassenzimmer reduziert wurden, steigen die Ausgaben je Schüler seit 2000 kontinuierlich: Waren es 2000 noch 4.300 Euro an den öffentlichen Schulen, stiegen die Pro-Kopf-Ausgaben bis 2011 auf 6.000 Euro.

 

Fazit: Die Länder sollten die Ressourcen an den Schulen auch weiter­ hin nicht abbauen. Der demografische Wandel gibt ihnen die Chance, mit den gleichen oder weiter steigenden Pro­Kopf­ Investitionen wie bisher für eine bessere Bildungsqualität zu sorgen.

Fakt 5

Zahl der Ausbildungsverträge erreicht Tiefstand

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  • Die demografische Entwicklung hinterlässt auch am Ausbildungsmarkt ihre Spuren: Die Zahl der Ausbildungsverträge sank 2013 auf 530.700 – so wenig Ausbildungsverträge wie nie im wiedervereinigten Deutschland.
  • Die Ausbildungsplatznachfrage fiel gegenüber 2007 um 18,8 Prozent auf 614.300 Plätze. Zum einen lag das an der zurückgehenden Zahl junger Menschen, zum anderen daran, dass sich immer mehr für ein Studium entscheiden.
  • Trotz sinkender Nachfrage haben 13,6 Prozent der Bewerber 2013 keinen Ausbildungsplatz gefunden.

 

Fazit: Die duale Berufsausbildung ist ein Grund, weshalb Deutschland eine so geringe Jugendarbeitslosigkeit hat. Damit das so bleibt, muss der sinkenden Ausbildungsplatznachfrage mit mehr Informationen über die Berufe, aber auch mit der Erschließung neuer Zielgruppen begegnet werden.

Fakt 6

Jeder zweite Hochschultitel gehört einer Frau

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  • Immer mehr Frauen zieht es an die Universitäten: 2013 waren 49,8 Prozent der Studienanfänger weiblich. 2011 lag ihr Anteil erst bei 46,6 Prozent.
  • Und die Frauen sind erfolgreich: In den vergangenen Jahren stellten sie regelmäßig mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen.
  • Trotzdem sind Akademikerinnen seltener berufstätig als Akademiker: 2012 waren laut Statistischem Bundesamt 7,4 Prozent aller Erwerbstätigen Hochschulabsolventinnen und 9,6 Prozent Hochschulabsolventen.

 

Fazit: Die deutsche Wirtschaft kann in Zeiten des Fachkräftemangels nicht auf gut ausgebildete Frauen verzichten. Dennoch sind sie auf dem Arbeitsmarkt immer noch unterrepräsentiert. Nur mehr und bessere Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf können das ändern.

Fakt 7

Deutsche Studenten gehören zu den ältesten in Europa

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  • Waren die deutschen Studenten im Jahr 2002 noch durchschnittlich 24 Jahre alt, sind sie zehn Jahre später im Schnitt 23,4 Jahre alt. Der Grund dafür sind unter anderem Reformen wie das achtjährige Gymnasium und die Abschaffung der Wehrdienstpflicht.
  • Dennoch sind sie auch 2012 noch älter, als es die Studenten der EU-Staaten mit 22,1 Jahren durchschnittlich sind.

 

Fazit: Angesichts relativ alter Studenten ist es ein Fehler, wenn die Bundesländer vom achtjährigen (G8) wieder zum neunjährigen Gymnasium zurückkehren umso mehr, als G8 das Abschlussal­ter senkt, ohne die Bildungsqualität zu verschlechtern.

Fakt 8

Studiengebühren schaffen mehr Gerechtigkeit

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  • Akademiker und andere Hochqualifizierte haben einen immer größeren Verdienstvorsprung vor weniger gut Qualifizierten. Verdienten sie 2000 bereits 45 Prozent mehr, lag der Verdienstvorsprung 2012 bei 74 Prozent und damit weit über dem OECD-Schnitt von 51 Prozent.
  • Diesen Vorsprung gibt es für Studenten in Deutschland wieder weitgehend kostenfrei: In diesem Wintersemester schafft das letzte Bundesland die Studiengebühren ab. Die öffentlichen Ausgaben im Hochschulbereich sind dafür hoch: 2011 lagen die Ausgaben je Studierendem 20 Prozent höher als im OECD-Durchschnitt.

 

Fazit: Der Staat sollte in die frühkindliche Bildung investieren, die Finanzierung der späten Bildungsphasen dagegen stärker den Bildungsteilnehmern überlassen. Sie profitieren am meisten von ihrer Qualifikation. Die jetzige Steuerfinanzierung ist ungerecht, weil auch wenig Verdienende für das Studium anderer zahlen.

Fakt 9

Duales Studium ist beliebt

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  • Die Kombination von beruflicher und akademischer Ausbildung ist in Deutschland immer mehr gefragt: 2013 gab es laut Bundesinstitut für Berufsbildung 1.461 verschiedene duale Studiengänge. Allein von 2012 bis 2013 kamen 104 hinzu. Das entspricht einem Zuwachs von 11,4 Prozent.
  • Die Anzahl der Unternehmen, die die dualen Studienplätze ermöglichen, stieg im selben Zeitraum um drei Prozent auf 39.622.
  • Das Angebot richtet sich nach den Engpässen in den Unternehmen: So gab es 2013 mit 385 dualen Studiengängen die meisten Angebote in den Wirtschaftswissenschaften, gefolgt von Maschinenbau und Verfahrenstechnik (169 Studiengänge).

 

Fazit: Duale Studiengänge senken die Hürden zwischen akademischer und beruflicher Ausbildung, da lange Einarbeitungsphasen nach dem Studium wegfallen. Zudem orientiert sich das Angebot an der Arbeitskräftenachfrage, sodass es unter den Absolventen kaum Arbeitslose gibt.

Fakt 10

Deutschland verliert bei Hochqualifizierten den Anschluss

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  • Im Gesamtbildungsniveau liegt Deutschland im internationalen Vergleich zurück. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Akademikerquote unterdurchschnittlich ist: Mit 28 Prozent der Bevölkerung hat Deutschland weniger Hochschulabsolventen als das Mittel der OECD-Länder (33 Prozent).
  • In anderen Ländern steigen die Abschlussquoten an den Hochschulen schneller. Deutschland ist eines von nur drei OECD- Ländern, in denen es höchstens drei Prozent mehr Akademiker unter den 25- bis 34-Jährigen als unter den 55- bis 64-Jährigen gibt: Haben 26 Prozent der Älteren einen Hochschulabschluss, sind es bei den Jüngeren 29 Prozent.

 

Fazit: Ein hoch entwickeltes Industrieland wie Deutschland braucht hoch qualifizierte Fachkräfte. Ziel muss es daher sein, das beste Bildungssystem weltweit zu haben. Dazu gehört auch eine höhere Durchlässigkeit: Insbesondere der Aufstieg in hochschulqualifizierende Schulformen ist immer noch zu schwierig.

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