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04. Nov 2014

Faktensammlung
10 Fakten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Deutschland ist Entwicklungsland was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeht. So liegen beispielsweise die Kita- und Ganztagsangebote deutlich unter der Nachfrage und auch was die Familienfreundlichkeit der Betriebe angeht, gibt es Nachholbedarf. Was Deutschland tun muss, um Familien zu stärken, erfahren Sie in unserer Faktensammlung.

10 Fakten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Fakt 1
 

In Deutschland fehlen Kita-Plätze

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  • 2013 gab es für knapp 600.000 unter Dreijährige einen Betreuungsplatz. Das entspricht 29 Prozent der Altersgruppe und ist mehr als im Jahr 2007: Damals gab es nur für 16 Prozent einen Kita-Platz.
  • Doch das Angebot reicht noch immer nicht aus. Laut einer repräsentativen Befragung des Deutschen Jugendinstituts benötigen die Eltern von 780.000 unter Dreijährigen einen Betreuungsplatz für ihr Kind.

 

Fazit: Hunderttausende Eltern unter Dreijähriger in Deutschland müssen noch immer auf Betreuungsalternativen ausweichen. Eine Betreuungsqualität, die für alle Kinder gleich gut ist, kann so nicht gesichert werden.

Fakt 2
 

In Deutschland fehlen 2,8 Millionen Ganztagsplätze

Grafik 2
  • Für Schüler gibt es zu wenige Betreuungsangebote am Nachmittag: 70 Prozent der Eltern wünschen sich eine Ganztagsbetreuung. Nur knapp die Hälfte von ihnen findet einen Platz für ihr Kind. Damit fehlen zurzeit rund 2,8 Millionen Ganztagsplätze.
  • Der Ausbau der Ganztagsplätze verlangsamt sich. Zwischen 2003 und 2009 wurden mit Hilfe eines Bundesprogramms jährlich rund 175.000 Ganztagsplätze geschaffen. Seit Ende des Programms kommen jährlich im Schnitt nur noch 104.000 Ganztagsplätze hinzu.

 

Fazit: Erreichen die Kinder das Schulalter, beginnt für viele Eltern erneut die Suche nach einer Betreuung. Damit Eltern frei entscheiden können, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder nicht, muss das Ganztagsangebot stark ausgebaut werden.

Fakt 3
 

Familie ist der Hauptgrund für Frauen, nicht zu arbeiten

Grafik 3
  • Familiäre Verpflichtungen sind für Frauen im Alter von 20 bis 39 Jahren, die prinzipiell gerne arbeiten würden, der Hauptgrund, vorübergehend zu Hause zu bleiben. Mehr als 40 Prozent dieser Personengruppe geben an, dass sie stattdessen beispielsweise Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Bei nicht erwerbstätigen Männern spielt Familie fast nie eine Rolle.
  • Der Anteil der Frauen, die wegen ihrer Familie in Teilzeit arbeiten, ist in Deutschland mit 55 Prozent höher als in den meisten anderen EU-Ländern: Im Schnitt liegt er bei 46 Prozent.

 

Fazit: Erreichen die Kinder das Schulalter, beginnt für viele Eltern erneut die Suche nach einer Betreuung. Damit Eltern frei entscheiden können, ob sie ihre Arbeitszeit reduzieren oder nicht, muss das Ganztagsangebot stark ausgebaut werden.

Fakt 4
 

Nur jede dritte Mutter von unter Dreijährigen arbeitet

Grafik 4
  • Die Betreuung von Kleinkindern ist in der Regel Frauensache: Zwei Drittel der Mütter mit Kindern unter drei Jahren bleiben zu Hause. Bei den Vätern sind es nur knapp über zehn Prozent. Auch wenn das Kind bereits ein Teenager ist, arbeiten Mütter seltener als Väter.
  • 25- bis 49-jährige Mütter sind zu 73 Prozent erwerbstätig. Von den kinderlosen Frauen in diesem Alter arbeiten 85 Prozent.
  • Von den arbeitenden Müttern in Deutschland sind zwei Drittel teilzeitbeschäftigt, von den Vätern nur sechs Prozent. Eine höhere Teilzeitquote von Müttern gibt es in Europa nur in den Niederlanden (86 Prozent).

 

Fazit: Fehlende Betreuungsangebote zwingen viele Eltern zu der Entscheidung, wer die Kinder betreut und wer arbeiten geht. Lücken in der Karriere und geringere Verdienstmöglichkeiten sind die Konsequenz, die hauptsächlich Frauen tragen.

Fakt 5
 

Hohe Betreuungskosten halten von Vollzeitarbeit ab

Grafik 5
  • Der Anteil der teilzeitbeschäftigten Frauen liegt umso höher, je teurer die Kinderbetreuung ist. Das zeigt ein internationaler Vergleich der OECD.
  • In Deutschland sind die Kosten für die Kinderbetreuung mit 14 Prozent des Durchschnittseinkommens vergleichsweise hoch. In der Folge liegt auch die Teilzeitquote der Frauen über dem OECD-Durchschnitt.
  • Gemessen in Vollzeitäquivalenten liegt die Erwerbstätigkeit von Frauen in Deutschland nur knapp über dem EU-Durchschnitt.

 

Fazit: Die Kosten für eine Ganztagsbetreuung sind für Eltern in Deutschland oft zu hoch, sodass sich viele Familien trotz des Verdienstausfalls eher für eine Teilzeitbeschäftigung eines Elternteils entscheiden.

Fakt 6
 

Familienfreundlichkeit ist für 90 Prozent mindestens so wichtig wie das Gehalt

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  • Beruf und Familie gut vereinbaren zu können, ist Arbeitnehmern ein großes Anliegen: Für neun von zehn Beschäftigten zwischen 25 und 39 Jahren ist die Familienfreundlichkeit mindestens so wichtig wie das Gehalt.
  • Drei von vier Beschäftigten aus dieser Altersgruppe können sich vorstellen, den Job zu wechseln, wenn sie bei einem neuen Arbeitgeber Beruf und Familie besser vereinbaren können.

 

Fazit: Beruflich weiterkommen und Familie – das wünschen sich immer mehr junge Menschen. Unternehmen auf Fachkräftesuche tun deshalb gut daran, ihre Mitarbeiter bei beidem zu unterstützen.

Fakt 7
 

Jede dritte Firma hilft bei der Kinderbetreuung

Grafik 7
  • Über 80 Prozent der Unternehmen sehen Familienfreundlichkeit als wichtig an. Vor zehn Jahren waren es weniger als 50 Prozent.
  • Jedes dritte Unternehmen unterstützt seine Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung, ergab eine Studie des Deutschen Industrieund Handelskammertags.
  • Die Firmen helfen unter anderem mit betrieblichen Kitas. Die Zahl solcher Einrichtungen hat sich seit 2007 auf über 600 nahezu verdoppelt. 2013 wurden fast 28.000 Kinder in betrieblichen Kitas betreut.

 

Fazit: Die Arbeitgeber haben erkannt, dass sich familienfreundliche Mitarbeiterpolitik bezahlt macht. Sie gewinnen nicht nur leichter neues Personal, sondern binden die erfahrenen Mitarbeiter langfristig.

Fakt 8
 

Fast alle Firmen ermöglichen flexible Arbeitszeiten

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  • Arbeitgeber stellen sich bei der Gestaltung der Arbeitszeit auf die Bedürfnisse der Beschäftigten ein: Mehr als 80 Prozent bieten Teilzeitstellen an. In 73 Prozent der Firmen ist es möglich, individuelle Arbeitszeiten zu vereinbaren. 2003 ermöglichten das erst 56 Prozent der Betriebe.
  • 96 Prozent aller Unternehmen bieten mindestens ein Modell an, mit dem Beschäftigte ihre Arbeitszeit flexibler gestalten können.

 

Fazit: Die Zeiten der Stechuhr sind vorbei. Arbeitgeber messen die Leistung ihrer Mitarbeiter zunehmend an Ergebnissen. Dass die umso besser sind, je besser die Mitarbeiter sich um ihre Familien kümmern können, ist inzwischen ein anerkannter Fakt.

Fakt 9
 

Mehr als ein Viertel der Väter bezieht Elterngeld

Grafik 9
  • Die Zeit, die Väter der Kinderbetreuung widmen, stieg in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland kontinuierlich.
  • Immer mehr Männer nehmen Elterngeld in Anspruch. 29 Prozent der Väter von 2012 geborenen Kindern bezogen diese Leistung. Von den Vätern 2009 geborener Kinder waren es lediglich 23 Prozent.
  • Frauen nutzen die Elternzeit ihres Partners häufig, um wieder in den Beruf einzusteigen: Die Erwerbsquote der Mütter mit Partner in Elternzeit ist mit 36 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die von Müttern, deren Partner nicht in Elternzeit ist.

 

Fazit: Die Zeiten der Stechuhr sind vorbei. Arbeitgeber messen die Leistung ihrer Mitarbeiter zunehmend an Ergebnissen. Dass die umso besser sind, je besser die Mitarbeiter sich um ihre Familien kümmern können, ist inzwischen ein anerkannter Fakt.

Fakt 10
 

Immer mehr Väter arbeiten Teilzeit

Grafik 10
  • Die Teilzeitquote bei Vätern steigt langsam an. 2012 arbeiteten sechs Prozent der Väter in Teilzeit. 1996 waren es erst zwei Prozent.
  • Unternehmen reagieren darauf: 18 Prozent der Arbeitgeber bieten eine spezielle Förderung für Männer an, die in Teil- oder Elternzeit gehen wollen. Noch vor zehn Jahren lag der Anteil bei nur vier Prozent.

 

Fazit: Brüche im beruflichen Lebenslauf und schlechtere Aufstiegschancen: Teilzeit arbeitende Väter nehmen diese Konsequenzen in Kauf. Erst ein ausreichendes Betreuungsangebot aber würde beiden Elternteilen die freie Entscheidung erlauben.

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