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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Torsten Albig

Wind und Wellen

Viele Besucherinnen und Besucher der nordfriesischen Insel Sylt haben es schon erleben müssen: Die hölzerne Strandtreppe führt ins Nichts, der Weg endet an einer Abbruchkante – und das aufgewühlte Meer nagt unaufhörlich am blanken Roten Kliff. Weil der schützende Strand abgetragen ist, kann sich das Meer ungehindert ins Land fressen, der Geestkern erodiert, die Nordsee wandert gen Osten, wie in all den Jahrhunderten zuvor. Und unter das Tosen der Flut mischen sich die Zeilen:

Heute bin ich über Rungholt gefahren,
die Stadt ging unter vor fünfhundert Jahren.
Noch schlagen die Wellen da wild und empört
wie damals, als sie die Marschen zerstört.

Das Gedicht „Trutz blanke Hans“ ist das bekannteste des Holsteiner Dichters Detlev von Liliencron; es erzählt von dem Trauma – der „Groten Mandränke“ vom 16. Januar 1362. In jenen Sturmtagen versanken Hunderte Quadratkilometer im Wasser und Tausende Menschen ertranken. Die Erinnerungen an die verheerende Flut haben sich tief ins kulturelle Gedächtnis der Schleswig-Holsteiner eingebrannt.

„Wo ein Meer ist, da ist auch Wind.“

Torsten Albig

Seit Jahrhunderten sind die gewaltigen Elemente Wind und Wasser in Schleswig-Holstein zu Hause. Es ist unser Schicksal, zwischen zwei Meeren zu liegen. Und so schrecklich die „Große Manntränke“ auch war, es ist die ungeheure Kraft des Windes und des Wassers, die heute das Rückgrat der Wirtschaft von Schleswig-Holstein bildet.

Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein
(* 1963 in Bremen)

Vor seiner Wahl in den Schleswig-Holsteinischen Landtag und zum Ministerpräsidenten war Torsten Albig zwischen 2009 und 2012 Oberbürgermeister in Kiel. Zuvor leitete er die Kommunikation des Bundesfinanzministeriums.

Die Natur schenkte dem nördlichsten Bundesland einen Reichtum, der dieses Land zu einem zentralen Forschungslabor für die Weltmeere machte. Von der Kieler Förde laufen Forschungsschiffe bis in die Antarktis aus. Wer über die Meeresbiologie forscht, wer die Ressourcen der Weltmeere erkunden will, wer die Tierwelt unter Wasser kennen muss, wer die Nahrungsketten von Wasser und Land nutzbar machen will, kommt um das bedeutende Forschungsinstitut GEOMAR in Kiel nicht herum. Hier werden unter dem Mikroskop Zusammenhänge erforscht, die den Makrokosmos unserer Erde steuern. Im GEOMAR untersuchen rund 850 Mitarbeiter chemische, physikalische, biologische und geologische Prozesse im Ozean rund um den Globus. Diese Forschung ist einzigartig in Deutschland. Es geht um nicht weniger als um Klimadynamik, um Ozeanzirkulation, um marine Biogeochemie, um marine Ökologie und um die Dynamik des Ozeanbodens.

Wo ein Meer ist, da ist auch Wind. Als Deutschland die Energiewende ausgerufen hat, hatte Schleswig- Holstein daher bereits einen Vorsprung. Bis zum Jahr 2020 wollen wir die Windenergie-Leistung von vier auf neun Gigawatt steigern. Damit werden wir zu einem Exporteur von sauberem Strom. Wir selbst decken unseren Strombedarf allein mit der Energie des Windes. Bei uns weht immer eine frische Brise. Die Energiezufuhr ist unbegrenzt.

Die maritime Wirtschaft lebt vom Meer ebenso, wie die Energiewirtschaft vom Wind lebt, und der Tourismus sowie die prosperierende Gesundheitswirtschaft leben von beidem.