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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Thomas Straubhaar

Was Deutschland wirklich stark macht!

Mensch, Mensch, Mensch! Keine Sekunde bestehen Zweifel daran, was Deutschland wirklich stark macht. Denn was ist „Deutschland“? Sicher nichts Abstraktes, Gottgegebenes oder in Stein Gemeißeltes. Vielmehr etwas Lebendiges, das tagtäglich weiterentwickelt wird von all den Menschen, die sich Deutschland zugehörig fühlen! Sei es, weil sie ohne oder mit Migrationshintergrund hier leben und mit oder ohne deutschem Pass arbeiten. Sei es, dass sie im Ausland als Deutsche unterwegs sind. Es sind Menschen, die Deutschland, seine Kultur und Geschichte, seine Gesellschaft und seine Politik und somit auch seine Wirtschaftskraft prägen und verändern.

Damit ist auch klar, worauf die Stärke Deutschlands beruht. Es sind das Wissen und das Können, die Leistungsfähigkeit und der Leistungswille der Menschen in diesem Land. Und es ist eine Gesellschaft, die auf die Mündigkeit setzt und den Menschen die Freiheit und den Freiraum für eigenständiges Tun und Lassen offenhält, damit sie in ihrem persönlichen Streben nach Glück ihre Möglichkeiten auch wirklich ausschöpfen können.

Wenn es die Menschen sind, die den Erfolg Deutschlands bestimmen, muss das Bildungswesen im Fokus stehen. Dabei geht es auch, aber eben nicht nur um die High Potentials, die Nobelpreisträger und die Hochschulen.

  • Zu keiner Zeit ist die Bildungsrendite höher als in jungen Jahren, im Kindergarten, in den Grund- und Realschulen.
  • Ebenso ist es klüger, durch präventive Unterstützung schwächerer Jugendlicher Bildungsrückstände gar nicht erst entstehen zu lassen, anstatt Defizite in späteren Jahren korrigieren zu wollen.
  • Und schließlich ist das duale System der Berufsbildung mit seiner hybriden Mischung aus Theorie und Praxis eine unschlagbare deutsche Erfolgsgeschichte. Es führt hierzulande zu einer im Durchschnitt sehr guten beruflichen Qualifikation weiter Teile der Beschäftigten und einer im internationalen Vergleich geringen Jugendarbeitslosigkeit (gerade auch junger Menschen mit Migrationshintergrund).

Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg

(*1957 in Unterseen, Schweiz)

Seit 1999 ist Thomas Straubhaar Professor für Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg, gleichzeitig ist er Direktor des Europa-Kollegs in Hamburg. In seiner Forschungsarbeit beschäftigt er sich vorrangig mit internationalen Wirtschaftsbeziehungen, mit Migration, Bildungs- und Bevölkerungsökonomie. Von 1999 bis 2014 war er zunächst Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs, anschließend Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts.

Das gute Bildungsniveau führt dazu, dass das alltägliche Miteinander in Deutschland durch ein Ur-Vertrauen in die Mündigkeit der Menschen bestimmt wird. Hier liegt der vielleicht wesentlichste Unterschied zu anderen Ländern – auch zu den USA. Deutsche Unternehmensführungen gehen richtigerweise davon aus, dass Betriebsangehörige in der Lage sind, selbstständig vernünftige Entscheidungen im Sinne des gemeinsamen Ganzen zu fällen. Deshalb können sie über Aufträge statt nach Befehl führen. Vorgegeben wird das Ziel, nicht der Weg. Den können die Beschäftigten selbst wählen. So haben Angestellte größere Freiräume, um unvorhergesehene Probleme ohne Rückfrage, eigenständig und pragmatisch zu lösen.

Vorgaben von oben mögen zwar Verhaltenssicherheit bieten. Sie verhindern aber ein Abweichen von alten Trampelpfaden und ein Vorgehen jenseits bestehender Normen. Vor allem aber sind sie statisch. Oft jedoch verlangt eine dynamische Entwicklung, schnell und situativ neue Wege zu gehen.

Genauso selbstverständlich ist es in deutschen Firmen, dass Mitarbeitende ihre Vorgesetzten kritisieren, ohne einen Gesichtsverlust und damit Kopf und Kragen zu riskieren. Selbstinitiative und Offenheit für Kritik schaffen den Humus für kreative Verbesserungsvorschläge aus der Belegschaft und innovative Ideen von Mitarbeitenden.

Mündigkeit und Bildung sind das Herz des Deutschland-Prinzips, das den Wirtschaftsmotor antreibt. Wer auf die Mündigkeit gut gebildeter Bürger(innen), Mitarbeiter(innen) und Kolleg(inn)en setzt, muss nicht selbst alles von oben planen, umsetzen und kontrollieren. Er kann auf Kreativität, Findigkeit und Innovationskraft von Millionen intelligenter Menschen zählen, die mitdenken, mitsuchen und mitmachen.

Mündigkeit und Bildung haben Deutschland stark gemacht. Sie werden und müssen auch in Zukunft die deutsche Erfolgsgeschichte schreiben.