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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Prof. Dr. h. c. Roland Berger

Digitalisierung schafft Wohlstand

Kein deutsches – auch kein europäisches! – Unternehmen ist unter den Top 20 der internationalen Internetunternehmen zu finden. SAP ist in den weltweiten Top 20 der IT-Unternehmen das einzige deutsche. Kein deutsches Google, kein deutsches Facebook, kein deutsches Alibaba!
 
Auf den ersten Blick keine guten Voraussetzungen für die digitale Transformation der deutschen Industrie, genannt Industrie 4.0.

„Deutsche Unternehmen besitzen beim Digitalisierungs-Erfolgsfaktor Daten die weltweit beste Ausgangsposition.“

Prof. Dr. h. c. Roland Berger

Jedoch übersieht diese Analyse die Bedeutung der weltweit installierten Basis an deutschen Industrieprodukten, also an Maschinen, Anlagen, Autos, und ihren Eigentümern bzw. Nutzern, denn: Verfügbarkeit über die und Management der Daten, die diese installierte Basis ständig abgibt, sind mit die wichtigste Grundlage für die Digitalisierung der Industrie. Sie ermöglichen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette, und vor allem an ihren Schnittstellen, Produktivitätsgewinne von 45 bis 50 Prozent, die Echtzeitsteuerung von Produktionsprozessen und Lieferketten in vernetzten Fabriken, vorbeugende Instandhaltung, effektives Kundenmanagement und vieles mehr.
Gründer und Honorary Chairman von
Roland Berger Strategy Consultants (* 1937 in Berlin)
 
Roland Berger ist außerdem Mitglied verschiedener Aufsichts- und Beiräte von nationalen und internationalen Unternehmen, Stiftungen und Organisationen. Darüber hinaus wurde er in zahlreiche Sachverständigenkommissionen verschiedener Bundes- und Landesregierungen berufen. Berger ist Vorsitzender des Kuratoriums der nach ihm benannten Stiftung, die deutschlandweit begabte und engagementbereite Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien fördert und den Roland Berger Preis für Menschenwürde vergibt, und Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.
Zur installierten Basis als Schlüssel zu diesen Daten zeigt die Statistik des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau): Seit den 1960er Jahren war Deutschland fast ständig „Exportweltmeister“ beim Maschinenbau. Mehr deutsche Maschinen als die irgendeines anderen Landes produzieren weltweit und generieren dabei ständig Daten. Ebenso in der Automobilindustrie: Mehr deutsche Autos als aus irgendeinem anderen Land sind fahrende Datenquellen. Damit besitzen deutsche Unternehmen beim Digitalisierungs-Erfolgsfaktor Daten die weltweit beste Ausgangsposition, mit der kein Start-up – auch kein Google! – mithalten kann.
 
Dabei wäre aus Wettbewerbsgründen die für viele Hersteller naheliegendste Option, die installierte Basis an eigenen Maschinen auf einer proprietären Plattform zu vernetzen. Wegen des aus Netzwerkeffekten resultierenden größten Gesamtnutzens für alle Teilnehmer an der Wertschöpfungskette ist eine offene, globale Plattform allerdings einem proprietären Standard weit überlegen. Aufgabe von Politik bzw. Staaten ist es, Datensicherheit und Schutz des geistigen Eigentums auf dieser offenen Plattform zu gewährleisten.
 
Dank der führenden installierten Basis der europäischen Industrie wäre es Chance der EU, einen solchen globalen, offenen Standard zu schaffen und durchzusetzen, möglichst – im Rahmen des TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) – gemeinsam mit den USA und im Rahmen von deren Trans-Pacific Partnership mit Japan und ASEAN. Vorbild ist GSM (Global System for Mobile Communications), mit dem Europa einen weltweiten Standard für Mobilfunk geschaffen und von diesem profitiert hat.
 
Diese Aufgabe wird zwar schwierig, aber die Chancen sind gewaltig: Eine Studie von Roland Berger im Auftrag des BDI vom März 2015 errechnete für die EU ein zusätzliches industrielles Wertschöpfungspotenzial durch Digitalisierung von 1,25 Billionen Euro bis zum Jahr 2025 (für Deutschland 425 Milliarden Euro). Verpasst Europa diese Chance, droht bis 2025 ein Wertschöpfungsverlust in Höhe von um die 600 Milliarden Euro (für Deutschland 220 Milliarden Euro). Die Nutzung unserer überlegenen installierten industriellen Basis ist dabei eine entscheidende Voraussetzung für das Erreichen des Positivszenarios.