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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Prof. Dr. Juergen B. Donges

Die deutschen Stärken im Export

Ein besonderes Merkmal der deutschen Wirtschaft ist deren ausgeprägte Exportorientierung. Dahinter steht ein beispielhaftes marktwirtschaftliches Modell. Die Unternehmen haben zwecks guter Positionierung auf den Welt- märkten zielstrebig dafür gesorgt, so produktiv wie möglich zu sein. Dazu verhilft die Verfügbarkeit von kreativen Ingenieuren, Technikern, IT- und Softwarespezialisten und Betriebswirten sowie von tüchtigen Facharbeitern, die aus dem allseits hoch angesehenen deutschen System der dualen Berufsausbildung gut ausgebildet hervorgehen und im Unternehmen nach Bedarf weiterqualifiziert werden. Eine intensive betriebliche Forschungs- und Entwicklungsaktivität bewirkt, dass durch Prozessinnovationen in der Fertigung Spielräume für Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen entstehen.

„Angesichts des intensiv bleibenden globalen Wettbewerbs ist die Pflege aller Faktoren, die die nichtpreisliche internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern, eine Daueraufgabe für die deutschen Exportunternehmen.“

Prof. Dr. Juergen B. Donges

Außerdem zerlegen viele Unternehmen die Wertschöpfungsketten international, um Unterschiede bei den Arbeitskosten und den Marktregulierungen zu optimieren. Die Folge ist ein deutlich gestiegener Anteil von Importen (gewerbliche Zwischenprodukte und Komponenten) am Wert des exportierten Fertigprodukts. Empirisch belegt ist, dass von einem Anstieg der deutschen Exporte ein beachtlicher positiver Nachfrageimpuls auf andere Länder, darunter auch die südlichen Euroländer, ausgeht. Sehr wichtig ist schließlich, dass neben dem Verkaufspreis andere Wettbewerbsparameter aktiviert werden. Die Unternehmen wissen, dass sie beim Exportieren aus einem Hochlohnland wie Deutschland in der Regel und unabhängig vom Wechselkurs mit Preisnachteilen antreten, vor allem natürlich gegenüber Anbietern aus Schwellenländern. Folglich müssen sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit anders, nämlich durch nichtpreisliche Faktoren sichern: durch technisch anspruchsvolle Produktinnovationen, attraktive ökologische Eigenschaften der Güter, hohe Produktqualität und, sehr wichtig, durch einen verlässlichen Kundendienst. Für vier Fünftel der Exportpalette ist, wie empirische Studien belegen, die Preiselastizität der Exportnachfrage niedrig, die Einkommenselastizität hingegen hoch. Der Wechselkurs spielt insoweit beim Exportieren eine untergeordnete Rolle, maßgeblich ist die Dynamik der weltwirtschaftlichen Aktivität.

Emeritus der Universität Köln
(* 1940 in Sevilla)

Prof. Dr. Juergen B. Donges ist Emeritus der Universität zu Köln. Am Institut für Wirtschaftspolitik forscht er hauptsächlich in den Bereichen Konjunktur und Wachstum. Donges war außerdem Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft Kiel, Vorsitzender des Sachverständigenrates sowie Vorsitzender der Deregulierungskommission der Bundesregierung. Er engagiert sich in verschiedenen wissenschaftlichen Beiräten im In- und Aus-land und ist Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Angesichts des intensiv bleibenden globalen Wettbewerbs ist die Pflege aller Faktoren, die die nichtpreisliche internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern, eine Daueraufgabe für die deutschen Exportunternehmen. Gute gesamt- wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Inland für Sachinvestitionen, Innovationen, Ausbildung und individuelle Leistungsbereitschaft, für die der Staat schon aus allgemeinen wachstums- und beschäftigungspolitischen Gründen sorgen sollte, gehören komplementär dazu.