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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Prof. Axel Börsch-Supan

Das Rentenpaket 2014 hat vieles verspielt

Deutschland altert. Und dies nicht nur wie viele andere Industrieländer, sondern zusammen mit Japan und Italien besonders stark. Droht uns Stagnation, Deflation, Depression?

Nein, denn der demografische Wandel ist kein Tsunami, der uns überrollen wird, sondern eine stetige, aber langsame Entwicklung, deren potenziell gefährlichen Wirkungen man durch geschickte Anpassung nicht nur entgehen, sondern diese sogar in Chancen für unsere Gesellschaft umwandeln kann. Der säkulare Anstieg der Lebenserwartung kann schon einmal gar keine Bedrohung sein, denn wer will schon darauf verzichten, länger zu leben und länger gesund zu bleiben? Über die seit etwa 40 Jahren ungebrochen niedrige Geburtenrate mag man schon eher traurig sein, aber der Rückgang in der Kinderzahl lässt sich, wenn man denn kräftig in die Erziehung und Bildung unserer Kinder investiert, zumindest in ökonomischer Hinsicht ausgleichen.

„Das Rentenpaket 2014 hat teilweise wieder verspielt, was erreicht worden war. Schlimmer noch ist, dass die Konzentration vieler politischer Maßnahmen derzeit auf der älteren Generation liegt anstatt auf der jüngeren, obwohl diese die ältere doch in Zukunft finanzieren soll.“

Prof. Axel Börsch-Supan

Deutschland hat in den letzten 15 Jahren viel geleistet, um sich der demografischen Herausforderung zu stellen; wir stehen besser da als die meisten unserer Nachbarn. Die Reformen zwischen 2000 und 2007 haben sich als voller Erfolg erwiesen und konnten die explodierende Beitragsentwicklung stoppen. Zunächst konnten die im Kern der Agenda 2010 stehenden Arbeitsmarktmaßnahmen die Beschäftigung insgesamt erhöhen. Der seitdem anhaltende Arbeitsmarktboom hat es ermöglicht, aus dem Gefängnis zwischen Beitragserhöhungen und Leistungssenkungen in der Rente entfliehen zu können. Die zentrale Idee des Nachhaltigkeitsfaktors war es, die demografische Belastung prozentual gleich auf die jüngere und die ältere Generation zu verteilen. Dank des selbst von Optimisten so nicht erwarteten Beschäftigungsanstiegs konnte der Nachhaltigkeitsfaktor jedoch zunächst leistungserhöhend anstatt verringernd wirken. Diesen Weg können und müssen wir weitergehen.

Ph. D., Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik
(* 1954 in Darmstadt)

Axel Börsch-Supan studierte Mathematik und Volkswirtschaftslehre in München und Bonn und promovierte 1984 am MIT in Cambridge (USA) in Volkswirtschaftslehre. Von 1984 bis 1989 war er Assistant Professor an der J.F. Kennedy School of Government der Harvard University und von 1989 bis 2011 Professor für Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim. Seitdem ist Börsch-Supan Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik, welches um das Munich Center for the Economics of Aging (MEA) erweitert wurde.

Auch in puncto Altersarmut stehen wir in Deutschland relativ gut da. Die Altersarmut ist derzeit sehr niedrig, auch im internationalen Vergleich, unabhängig davon, wie sie gemessen wird. Wenn Deutschland ein Armutsproblem hat, dann betrifft es nicht das Alter, sondern die Jugend und hier vor allem Kinder mit Migrationshintergrund. Sie brauchen Bildung und Jobs.

Fast drei Viertel aller Haushalte hat seit 2000 entweder eine private oder eine betriebliche Altersvorsorge aufgebaut. Schließlich wurde 2007 ein Prozess in Gang gesetzt, der das Rentenalter schrittweise bis zum Jahr 2029 von 65 auf 67 Jahre heraufsetzen wird, sodass die Proportionen zwischen Lebenslänge und Lebensarbeitszeit auch in Zukunft in etwa gewahrt bleiben. Dies darf man nicht gefährden.

Dank dieser Reformen hat Deutschland eine hervorragende Ausgangssituation erreicht, um den demografischen Wandel zu meistern. Seitdem ist nicht der demografische Wandel unsere Bedrohung, sondern Politikfehler. Das Rentenpaket 2014 hat teilweise wieder verspielt, was erreicht worden war. Schlimmer noch ist, dass die Konzentration vieler politischer Maßnahmen derzeit auf der älteren Generation liegt anstatt auf der jüngeren, obwohl diese die ältere doch in Zukunft finanzieren soll.

Die Jüngeren müssen daher noch besser ausgebildet werden; um deren Gesundheitsvorsorge muss man sich noch mehr kümmern. Deutschland wird auch weiterhin gut dastehen, wenn wir uns keine teuren rentenpolitischen Rückschritte leisten, sondern vermehrt in unsere Jugend investieren.