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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Pablo García-Berdoy

Rigorose Debatten und verlässliche Verfahrensweisen sind das Geheimnis des deutschen Erfolgs

Nimmt man Deutschland von außen unter die Lupe und versucht, hinter die Gründe seines wirtschaftlichen Erfolges zu kommen, werden meist die üblichen strukturellen Elemente genannt: die Stärke seiner kleinen und mittleren Unternehmen, das System der dualen Berufsausbildung, die Fähigkeiten im Bereich anwendungsorientierter Forschung etc.

Dabei ist es aus meiner Perspektive gar nicht das, was den Erfolg Deutschlands erklärt. Oder, anders gesagt, die genannten Faktoren haben meiner Meinung nach eine eigene Ursache, die organischer Natur ist und tief in die Struktur der deutschen Gesellschaft hineinreicht. Denn für mich gründet sich der deutsche Erfolg vor allem in einer bestimmten Verfahrensart, die zu eben diesen Ergebnissen führt. Unter der Vorherrschaft des rechtlich Geregelten hat diese Vorgehensweise ein Wirtschaftsmodell geschaffen, das einmal mit der Idee des „Ordoliberalismus“ beschrieben wurde. Sie ist die Essenz der staatlichen sowie privaten Gestaltung der Wirtschaft.

Die öffentliche Debatte ist durchdrungen von dem Gedanken der Verlässlichkeit dieser Verfahrensweise, was den Akteuren wiederum einen konsistenteren Diskurs abverlangt als in anderen Breitengraden. Denn nur so können sie im System wirken. Das heißt, eine Initiative ist immer nur dann wirksam, wenn sie in einem geregelten Verfahren eingeführt wird. Die Akteure – also Unternehmensverbände, politische Parteien, Sozialpartner, aber auch private Stiftungen – müssen zunächst die mitunter etwas langwierige Prüfung einer rigorosen Debatte durchlaufen, an deren Schluss für gewöhnlich eine Umgestaltung der Regeln oder Vorschriften steht.

Botschafter von Spanien in der Bundesrepublik Deutschland
(*1961 in Madrid)

Seit März 2012 ist Herr García-Berdoy Botschafter von Spanien in der Bundesrepublik Deutschland. Davor nahm er im diplomatischen Dienst Spaniens Aufgaben in verschiedenen Stationen weltweit – zuletzt als Botschafter in Rumänien – wahr und wirkte als Generalsekretär des Aspen Instituts in Spanien.

Damit also dieser Prozess der Herausbildung des öffentlichen Willens Wirkung zeigt, müssen die Beteiligten sehr genau und konsistent vorgehen. Dies erfordert solide und wettbewerbsfähige Organisationen, die die Aufmerksamkeit und Achtung der Gesellschaft genießen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang der enorme Einfluss, den die Unternehmens- verbände auf den Prozess der politischen Entscheidungsfindung ausüben. Denn diese besitzen nicht nur große Macht, aufgrund ihres wirtschaftlichen Gewichts, sondern auch die auctoritas, die sie ihrer tiefen Kenntnis der Realwirtschaft und ihrer durch eine fortschrittliche Sozialpolitik in den Unternehmen erworbenen Legitimität verdanken. Denn diese liefern nicht nur ein wissenschaftliches Fundament für politische Positionen, sondern sie schaffen auch einen unschätzbar wertvollen sozialen Konsens, wenn es beispielsweise um die Umsetzung notwendiger Reformen geht.

Das ständige sinnvolle Hinterfragen, das für eine Gesellschaft, die Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft finden will, unerlässlich ist, folgt so in Deutschland einem organisierten Ablauf. In diesem Rahmen kann sich eine qualitativ gehaltvolle öffentliche Debatte entwickeln, die für gewöhnlich in eine normative Regelung mündet. Und genau darin liegt für mich das Geheimnis des wirtschaftlichen Erfolgs Deutschlands.