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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Prof. Dr. Dr. Otmar Issing

Bedingungen für wirtschaftlichen Erfolg

Es ist schon erstaunlich, wie weit der Blick auf Deutschland von innen und von außen auseinanderklafft. Wer in diesem Land lebt und alt genug ist, sieht ungewohnte Schlaglöcher auf den Straßen, marode Brücken und heruntergekommene Schulgebäude und ärgert sich oft über bürokratische Hindernisse. Wer vom Ausland auf Deutschland blickt oder zurückkommt, und zwar mit wachsender Entfernung, nimmt eine beeindruckende Infrastruktur wahr, weiß Rechtssicherheit und funktionierende Verwaltung zu schätzen, kurzum: gute Rahmenbedingungen für ein geordnetes Leben in Wirtschaft und Gesellschaft. Dazu kommt ein in der regionalen Vielfalt in der Welt einmaliges Angebot an kulturellen Ereignissen. 

Ohne eine prosperierende Wirtschaft hätte dieser „Überbau“ nicht entstehen können, ohne angemessenes Wirtschaftswachstum lässt sich der Status quo nicht erhalten und schon gar nicht verbessern. Wo liegen die Wurzeln für den Erfolg in der Vergangenheit und für gute Chancen in der Zukunft? Große Unternehmen mit ihren weltbekannten Marken ragen als Leuchttürme heraus. Das Herz der deutschen Wirtschaft schlägt jedoch an anderer Stelle. Es sind die „hidden champions“ (Hermann Simon), die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommenen und daher weniger bekannten Weltmarkführer, die das Tempo von Wachstum und Beschäftigung wesentlich bestimmen. Kleine und mittelständische Unternehmen behaupten sich dank Innovation und Qualität der Produkte nicht nur im internationalen Wettbewerb. Sie besetzen weltweit Marktnischen, die sie verteidigen und immer wieder neu schaffen. Ergänzt wird dieser international ausgerichtete Sektor auf der lokalen und regionalen Ebene durch die Vielzahl mehr oder weniger kleiner Handwerksbetriebe.

ehem. Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank

(*1936 in Würzburg)

Als Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank war Otmar Issing von 1998 bis 2006 für die Generaldirektionen Volkswirtschaft und Volkswirtschaftliche Forschung zuständig. Zuvor gehörte er acht Jahre lang dem Direktorium sowie dem Zentralbankrat der Deutschen Bundesbank an. Zwischen 1988 und 1990 war er Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der die Politik in wirtschaftspolitischen Fragen berät.

Hinter Wirtschaftlichkeit, Liefertreue und Kundennähe stehen Unternehmer, die meist auch als Eigentümer mit ihrem Vermögen haften. Es liegt auf der Hand, dass wirtschaftlicher Erfolg ohne kompetente Führung und exzellente technische Fähigkeiten nicht vorstellbar ist. Ohne eine engagierte Belegschaft, ohne gut ausgebildete Fachkräfte, die ihr Know-how stetig entwickeln, wäre die besondere Stellung vieler Unternehmen ebenfalls nicht denkbar. Ein Land wie Deutschland verdankt seinen wirtschaftlichen Erfolg in der Vergangenheit nun einmal in erster Linie dem wichtigsten Element: dem menschlichen Faktor. Das gilt erst recht für die Zukunft mit den stetig steigenden Anforderungen, wenn Deutschland seine führende Stellung behaupten will. Der Ruf nach mehr Investitionen in Bildung wird daher zu Recht immer lauter. Mit mehr Geld allein ist es allerdings nicht getan, es muss auch auf diesem Gebiet sinnvoll investiert werden.

Rückwärtsgerichtete Prioritäten wie „Mütterrente“ und „Rente mit 63“ kosten viel Geld. Vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales werden allein für diese beiden Maßnahmen zusammen künftige Mehrausgaben von jährlich rund neun Milliarden Euro prognostiziert, was einem Anteil am Bundeshaushalt von drei Prozent entspricht. Das ist Geld, das dann bei den Zukunftsinvestitionen fehlt. Das gesamte Budget des Bundesministeriums für Bildung und Forschung beträgt lediglich 15 Milliarden Euro bzw. rund fünf Prozent des Bundeshaushaltes.

Schließlich bedarf dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg des Spielraums zur freien Entfaltung der Individuen für innovative Aktivitäten aller Art. Die Politik verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, die Bedingungen in diesem Sinne zu gestalten. Vom Steuersystem über das Gesundheits- und Sozialversicherungssystem bis zum rechtlichen Rahmen, Stichwort Bürokratie, liegt die Verantwortung bei der Politik, die Voraussetzungen für eine dynamische Entwicklung der Wirtschaft zu schaffen. Damit untrennbar verbunden bleibt auch der Erhalt des gesellschaftlichen Friedens.