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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Karl-Erivan W. Haub

Familienunternehmen: Denken in Generationen

Hätten Sie gewusst, dass 90 Prozent aller deutschen Unternehmen Familienunternehmen sind? Und dass diese Familienunternehmen rund 42 Prozent aller Unternehmensumsätze erwirtschaften? Mehr noch: dass die deutschen Familienunternehmen fast 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und darüber hinaus rund 80 Prozent der Ausbildungsplätze in Deutschland stellen?

„Es sind die Familienunternehmen, die die Stärke der deutschen Wirtschaft ausmachen!“

Karl-Erivan W. Haub

Es sind die Familienunternehmen, die die Stärke der deutschen Wirtschaft ausmachen!
Und trotzdem führten Familienunternehmen über viele Jahrzehnte hinweg eine Art Schattendasein im Bewusstsein der Bevölkerung.
 
Oder sie wurden mit börsennotierten Aktiengesellschaften „in einen Topf geworfen“, inklusive aller negativen Vorurteile. Völlig zu Unrecht, wie ich finde! Denn es gibt vieles, was inhabergeführte Firmen von anderen Unternehmensformen grundlegend unterscheidet. Dazu gehören Innovationskraft und Flexibilität, Risikobereitschaft und nachhaltige Ziele – im Gegensatz zur Orientierung am Shareholder-Value – und es gibt eine Nachwuchsgeneration. Ein Familienunternehmer denkt in Generationen, nicht in Quartalen! Aber nicht nur die langfristige Orientierung zeichnet Familienunternehmen aus. Sie führen überdies sehr gut vor, wie Firmenund Mitarbeiterinteresse mittels eines klar definierten Werteverständnisses zu vereinbaren sind. Begriffe wie „Tradition“, „Verlässlichkeit“ oder „Engagement“ bilden gewissermaßen die Leitplanken für das unternehmerische Handeln. Im Idealfall werden die Werte auf allen Ebenen gelebt und von der Belegschaft mitgetragen. Auf diese Weise identifizieren sich die Mitarbeitenden stärker mit ihrem Unternehmen und tragen durch ihr Engagement zum Unternehmenserfolg bei. Sie schätzen das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit, die kurzen Entscheidungswege und sehr gute berufliche Entwicklungsperspektiven. Dass sich Familienunternehmen auch in Krisenzeiten weniger schnell von ihren Mitarbeitenden trennen, hat sicher auch dazu beigetragen, dass wir in den vergangenen Jahren als Arbeitgeber gerade für Fach- und Führungskräfte zunehmend an Attraktivität gewonnen haben und der Begriff „German Mittelstand“ heute weltweit ebenso bekannt ist wie „Made in Germany“.
Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der
Unternehmensgruppe Tengelmann (* 1960 in Tacoma/USA)
 
Nach einer Kaufmannslehre im Lebensmitteleinzelhandel und einem Studium an der Hochschule St. Gallen sammelte Karl-Erivan W. Haub in den 1980er Jahren erste Erfahrungen bei Nestlé und als Unternehmensberater bei McKinsey. 1991 stieg er als Projektleiter für den Aufbau Ost in das Familienunternehmen Tengelmann ein. Seit 2000 ist er selbst Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter in der fünften Generation. Haub ist außerdem Chairman des Family Business Network International.
Die besondere Herausforderung der Familienunternehmen besteht darin, unterschiedliche Interessen einzelner Familienmitglieder miteinander in Einklang zu bringen sowie anstehende Generationswechsel zu bewältigen. Um dies zu erreichen, vernetzen sich Familienunternehmen gerne untereinander, beispielsweise im weltweiten Family Business Network (FBN), um sich zu Themen wie Generationsübergang oder Governance-Themen auszutauschen.