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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Kai Diekmann

Deutschlands Stärken sind auch seine Schwächen

Wir sind nie zufrieden. Solange noch eine Schraube am Auto klappert, läuft es nicht vom Band, und wenn wir Spar-Politik als Weg aus der Krise erkannt haben, dann sparen wir auch und wollen, dass alle sparen. ABER wir sind auch im negativen Sinne nie zufrieden, sind mäkelig, finden für jedes Haar eine Suppe.

Wir sind so frei. Wir haben uns die Einheit unseres Landes wieder erkämpft, die Freiheit in Einigkeit. Wir haben einen Rechtsstaat, vor dem wir unsere individuellen Freiheiten sogar einklagen können, und wir haben uns einen Wohlstand erarbeitet, der uns Freiheiten erlaubt, von denen Menschen in anderen Teilen der Welt nur träumen können. ABER wissen wir unsere Freiheit auch wirklich noch zu schätzen? Sehen wir Veränderungen noch als Chance oder nur noch als Bedrohung? Schleicht sich 25 Jahre nach dem Ende des Sozialismus nicht bei vielen immer wieder die sozialistische Verlockung ein: ein vollfürsorgender Staat, der trügerische Traum von sozialer, sexueller und sogar sprachlicher Gleichheit?

Chefredakteur BILD
(* 1964 in Ravensburg)

Kai Diekmann absolvierte ein Volontariat beim Axel Springer Verlag, das ihn nach Hamburg, Bonn und New York führte. Ab 1987 arbeitete er als Parlamentskorrespondent für BILD und BILD am SONNTAG in Bonn. 1989 wurde er Chefreporter des Magazins BUNTE, 1991 stellvertretender Chefredakteur der Berliner B.Z. und 1992 stellvertretender Chefredakteur und Politikchef von BILD. 1998 wurde Diekmann Chefredakteur der WELT am SONNTAG. Im Januar 2001 trat er seine heutige Position an und wurde Chefredakteur von BILD sowie Herausgeber von BILD und BILD am SONNTAG. Seit 2008 ist Diekmann Gesamtherausgeber der BILD- Gruppe und seit November 2013 Herausgeber der B.Z.

Wir lieben den Frieden. Von Deutschland soll nie wieder ein Krieg ausgehen. Das haben wir tief verinnerlicht. ABER wir wollen oft nicht wahr haben, dass Freiheit, Demokratie und viel zu oft leider auch einfache Menschlichkeit noch immer verteidigt werden müssen. Viele Deutsche denken, Frieden ist, wenn wir nichts damit zu tun haben. Doch wer nur den Frieden mit sich selbst macht, wird den Frieden auf der Welt nicht retten.

Wir wissen gar nicht, wo uns der Kopf steht. Deutschland ist Überstunden-Weltmeister, mischt ganz vorn in der Weltliga der Patente mit. Unsere Forschung kann sich sehen lassen. ABER die Deutschen wollen keine Atomtechnik, keine Gentechnik, keine Biotechnik, kein Fracking, Landwirtschaft am liebsten nur auf sonnigen Bergwiesen und Ökostrom für jeden Hochofen. Stimmt unser Kompass noch? Begreifen wir noch die Grundlagen unseres Wohlstands und dass vor dem Verteilen das Erarbeiten kommt?

Vater, Mutter, Kind. Wir haben mehr als 150 Leistungen für Familien, Elternzeit, Recht auf einen Krippenplatz und Ganztagsschulen. Nirgends geht es Kindern und Familien besser als hier. ABER wir bekommen immer weniger Kinder. Ist „kinderfreundlich“, wenn für jedes Kind eine Einrichtung da ist? Ist Deutschland wirklich ein kinderfreundliches Land? Setzen wir bei Beruf und Familie die richtigen Prioritäten?

Was Deutschland stark macht, ist die Balance!

Bis jetzt haben wir es geschafft, die Bälle unserer Stärken und Schwächen gekonnt auszujonglieren, sie in der Luft und im Gleichgewicht zu halten. Dass wir es auch in Zukunkft schaffen, ist längst nicht ausgemacht. Und gewiss keine Selbstverständlichkeit.