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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Jean-Claude Juncker

Deutschland als Teil der europäischen Erfolgsgeschichte

Einen Beitrag über die Stärken Deutschlands zu schreiben zu einer Zeit, in der die Stärke Deutschlands als Schwäche porträtiert wird, ist keine einfache Angelegenheit.

„Europa ist und bleibt ein Friedensprojekt.“

Jean-Claude Juncker

Die Stärke und der Erfolg der deutschen Wirtschaftslokomotive ist im Wesentlichen harter Arbeit auf drei Ebenen zu verdanken:

  • Die Soziale Marktwirtschaft ist heute der vielleicht wichtigste deutsche Exportschlager in Europa. Ganz Europa bekennt sich zur Sozialen Marktwirtschaft. Sie ist als Leitmotiv in den EU-Verträgen verankert und genauso in meinen politischen Leitlinien für die neue Kommission: Ich möchte, dass in Europa „sozial“ wieder großgeschrieben wird.
  • Der Wille zur europäischen Integration zieht sich wie ein roter Faden durch die deutsche Politik. Ein breiter Konsens hat dazu geführt, dass deutsche Politik auch zunehmend europäische Politik ist. Europa eröffnet der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten und schafft Jobs, Wachstum, Wohlstand und Sicherheit in Deutschland.
  • Deutschlands Stärke machen letzten Endes natürlich auch die Menschen aus, ihr Wille zu Innovation, Kreativität sowie ihre Tüchtigkeit. Es ist kein Zufall, dass Deutschland seit Jahren an der Spitze der europäischen Innovationsskala liegt, die meisten Patente hervorbringt und äußerst wettbewerbsfähig ist.

Präsident der Europäischen Kommission
(* 1954 in Redingen/ Luxemburg)

Herr Juncker studierte Rechtswissenschaften in Straßburg. Nach seinem Studium widmete er sich der Politik und trat 1974 der Christlich Sozialen Volkspartei (CSV ) bei. Von 1982 bis 1984 war er Staatssekretär für Arbeit und soziale Sicherheit und anschließend Finanz- und Arbeitsminister. Er amtierte als Premierminister von Luxemburg von 1995 bis 2013. Jean-Claude Juncker war ebenfalls von 2005 bis 2013 Vorsitzender der Euro- Gruppe. Seit November 2014 ist er Präsident der Europäischen Kommission.

Die Krise war jedoch jüngst wieder Anlass dafür, dass in Ländern, die wirtschaftlich besonders angeschlagen sind, gefährliche Vorurteile und alte Schuldzuweisungen durch Politik und Medien hochbeschworen wurden. Es wurde unterschwellig unterstellt, dass Deutschland (wahlweise auch „Brüssel“) schuld an der eigenen Misere sei. Teilweise oberlehrerhaftes Auftreten mancher Akteure in Deutschland hat nicht gerade dazu beigetragen, die Lage zu verbessern. Das Vertrauen im gemeinsamen europäischen Haus hat gelitten. Mit Ablenkung von eigenen Fehlern, Ignoranz und gegenseitigen Schuldzuweisungen werden wir jedoch die Probleme nicht lösen können.

Europa ist und bleibt ein Friedensprojekt. Ich plädiere deshalb dafür, rhetorisch auf allen Seiten abzurüsten und die europäische Zukunft wieder gemeinsam im gegenseitigen Respekt und unter Berücksichtigung der Gemeinschaftsmethode zu gestalten.

Dies wird besser funktionieren als nationale Alleingänge in der heutigen von Konflikten und globalen Herausforderungen geprägten Welt, in der Europa demografisch und wirtschaftlich einen Schrumpfungsprozess durchläuft. Wenn wir uns zurückbesinnen können auf das, was wirklich nötig ist, wird die deutsche Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weitergeschrieben – als Teil der europäischen Erfolgsgeschichte.