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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Franz Fehrenbach

Leistungsbereitschaft und Zielkonflikte

Die robuste Entwicklung unserer Wirtschafts- und Innovationskraft hat zwei wesentliche Quellen: eine grundsätzliche, tief verwurzelte Leistungsbereitschaft im Rahmen unserer demokratischen Rechts- und Wirtschaftsordnung, die diese Leistungsbereitschaft fordert und fördert, und unser Umgang mit Zielkonflikten, deren Ausbalancierung und Überführung in einen gesellschaftlichen Konsens und Handlungsrahmen.

„Im Umgang mit Zielkonflikten sind wir inzwischen Meister des ‚Sowohl-als-auch‘ und grenzen uns damit sowohl von der angelsächsischen Kultur des ‚either or‘ als auch von der harmonieorientierten asiatischen Gesellschaft ab.“

Franz Fehrenbach

Die individuelle Leistungsbereitschaft ist auf eigenverantwortliche Existenzsicherung und persönliche Weiterentwicklung, aber auch auf das Wohlergehen der Gesellschaft über regionale und nationale Grenzen hinaus gerichtet – wissend, dass nur die Solidarität mit anderen stabile, friedliche und freiheitliche Lebensbedingungen ermöglicht. Die Wurzel für diese Mentalität der „Eigenverantwortung“ liegt in der deutschen Kultur, die u. a. geprägt ist durch Individualismus, der wiederum seinen Ursprung im Zeitalter der Aufklärung hat und der für Eigenverantwortung und Selbstverwirklichung bei gleichzeitiger Bewahrung von Traditionen, freiheitlichem Denken und Akzeptanz von Wettbewerb steht. Im Umgang mit Zielkonflikten sind wir inzwischen Meister des „Sowohl-als-auch“ und grenzen uns damit sowohl von der angelsächsischen Kultur des „either or“ als auch von der harmonieorientierten asiatischen Gesellschaft ab

Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH
(* 1949 in Kenzingen bei Freiburg)

Nach seinem Studium im Fachbereich Wirtschaftsingenieurwesen begann Franz Fehrenbach seine Laufbahn 1975 bei Bosch. Es folgten diverse Stationen und Leitungsfunktionen im Inund Ausland, bevor er 1999 in die Geschäftsführung berufen wurde, deren Vorsitz er 2003 übernahm. 2012 wechselte er als Vorsitzender in den Aussichtsrat der Robert Bosch GmbH. Außerdem ist er Mitglied des Aufsichtsrats der BASF SE und der Linde AG sowie Mitglied des Beirats der Stihl Holding AG & Co. KG.

Beispiele für Zielkonflikte und deren Ausbalancierung:

Soziale Gerechtigkeit und Leistungsgesellschaft
Der deutsche Sozialstaat vermeidet durch Transferleistung soziale Härte; Gerechtigkeit wird dabei nicht einfach mit Umverteilung, sondern mit Chancengerechtigkeit assoziiert. Die Soziale Marktwirtschaft wurde zwar in Deutschland entwickelt, aber aktuell braucht sie hier wieder mehr Fürsprecher, damit wir die Balance von Freiheit und Sozialpartnerschaft erhalten.

Berufliche Bildung
Der Konflikt zwischen individuell maßgeschneiderter und einer möglichst standardisierten Ausbildung führte zur Einführung der dualen Ausbildung. Aktuell gilt es, in einem stärker akademisch geprägten Umfeld die Attraktivität der dualen Ausbildung zu erhalten.

Global Player und Familienunternehmen, Wettbewerb und Zusammenarbeit
Deutschland hat Unternehmen und Marken von Weltrang hervorgebracht hat. Diese Weltkonzerne dominieren den Standort Deutschland aber nicht, anders als in Frankreich. Wir haben sowohl Global Player als auch Mittelstand als prägende Elemente unserer Wirtschaftsstruktur; das führt zu einem dynamischen Wettbewerbsumfeld bei gleichzeitiger Zusammenarbeit in einzigartigen Clusterstrukturen.

Wirtschaft und Umweltschutz
Umweltschutz ist heute parteiübergreifender Konsens. Energiewende und Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft werden nicht grundsätzlich infrage gestellt, strittig ist allein die Gewichtung der Themen in unserer sozialen, ökologischen Marktwirtschaft. Das deutsche Erfolgsmodell beruht also auf Leistung und Balance. Die aktuelle Stabilität im „Sowohl-als-auch“ ist dabei ein dynamisches Gleichgewicht, das weder Anlass für ein „Ausruhen“ noch für sozial- und umweltpolitischen Aktionismus ist. Deutschland muss sein Modell stabil balanciert halten und seine Stärken weiterentwickeln und ergänzen.