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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Margarete Haase

Disziplinierte, staatsgläubige Romantiker – angekommen im Westen?

Deutschland arbeitet disziplinierter als andere wichtige europäische Länder. Deutsche sind staatsgläubiger als andere Europäer. Sie sind unverbesserliche Romantiker. Und wir sind endlich im Westen angekommen – aber nur fast.

Es gibt keine allgemein akzeptierte Erklärung, warum wir disziplinierter arbeiten als andere. Vielleicht hängt es mit der größeren Bedeutung des Mittelstands zusammen, dessen Arbeitsmoral auch auf Großkonzerne ausstrahlt.

„Unser Wohlstand ist eine Folge der Arbeitsteilung.“

Dr. Margarete Haase

Diszipliniertes Arbeiten hat aber auch Schattenseiten. Die USA sind berühmt für disruptive Innovationen, wie die vier großen Internetstars Amazon, Apple, Facebook und Google zeigen, die heute in China ebenbürtige Wettbewerber haben. Dagegen ist die deutsche Industrie der Premiumautos ein Musterbeispiel für inkrementelle Innovationen: Die letzte weltverändernde disruptive deutsche Innovation war der elektrische Generator von Werner von Siemens im Jahr 1866! Staatsgläubigkeit trägt auch zur hohen deutschen Arbeitsmoral bei – zusammen mit einem seit langem hoch entwickelten Rechtsstaat: Heute ist Deutschlands Corporate Governance weltweit führend. Umgekehrt zeigen Afrika und die PIGS-Staaten, wie Arbeitsmoral und Rechtsstaat auch im negativen Bereich eng korrelieren.

Der größte Nachteil unserer Staatsgläubigkeit ist die fehlende deutsche Eigenkapitalkultur. Der deutsche Staat sorgt bekanntlich seit Bismarck dafür, dass unsere Renten sicher sind. Deswegen gibt es bei uns prozentual sehr viel weniger Aktienbesitzer als etwa in der Schweiz, den Niederlanden oder im UK. Aktienkultur ist aber eine unverzichtbare Voraussetzung für den Erfolg von Alibaba in China oder Amazon, Apple, Facebook und Google in den USA.

Mitglied des Vorstandes Deutz AG, Köln (* 1953 in Neunkirchen)

Die promovierte Diplom- Kauffrau arbeitete zunächst in ihrem Heimatland Österreich, bevor sie nach Deutschland wechselte. Sie durchlief verschiedene Karrierestationen bei der Daimler AG, bevor sie zu Deutz wechselte. 2011 wurde sie von der Financial Times Deutschland als Managerin des Jahres ausgezeichnet

Romantik ist in Deutschland erfunden worden und unsere Weltmarktführerschaft haben wir seit damals erfolgreich verteidigt. Deswegen ist der erste Satz des Buches „Wealth of Nations“ von Adam Smith aus dem Jahr 1776 in Deutschland kaum bekannt: Unser Wohlstand ist eine Folge der Arbeitsteilung.

Nein, das wollen wir nicht! Manager in den USA trifft man am Samstagvormittag am Golfplatz, deutsche Führungskräfte am Wertstoffhof. Arbeitsteilung ist für uns Entfremdung, wir fühlen uns mit „ganzheitlichen“ Ansätzen wohler.

Sowohl die Soziale Marktwirtschaft als auch die Mitbestimmung sind deutsche Erfindungen. Dennoch weiß kaum jemand in Deutschland, dass deren theoretischer Unterbau im zweiten weltberühmten Satz von Adam Smith steht: „It is not from the benevolence of the butcher, the brewer, or the baker that we expect our dinner, but from their regard to their own interest.“ Ja, wir sind endlich im Westen angekommen. Nichts hat den latenten Antiamerikanismus der Deutschen so stark reduziert wie die große Zahl der deutschen USA Touristen in den letzten Jahrzehnten. Aber leider auch hier ein abschließender Wermutstropfen: TTIP wird in Europa mehrheitlich unterstützt. Nur in drei Ländern sind die Gegner von TTIP in der Mehrheit: in Luxemburg, Österreich und Deutschland.