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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Kristina Schröder

Es gibt in unserem Land eine tiefe Sehnsucht nach Gleichheit

Was macht Deutschland stark? Ich möchte eine Antwort ex negativo geben:

„Wenn man einen Ostdeutschen frage: ‚Wollt ihr, dass alle Menschen nur trockenes Brot bekommen, oder wollt ihr, dass alle Brot mit Margarine bekommen und einige sich zusätzlich Kaviar draufschmieren können?‘, sei die Antwort klar: Die Ostdeutschen seien dann für Trockenbrot für alle.“

So soll der ehemalige Ministerpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, Harald Ringsdorff, laut SPIEGEL im Sommer 2004 die Seelenlage der Ostdeutschen beschrieben haben. Ich glaube, dass Ringsdorffs Einschätzung nicht nur für den Osten, sondern für ganz Deutschland weitgehend zutrifft. Und ich bin der festen Überzeugung, dass genau diese Haltung Deutschland nicht stark macht.

 

„Wir beobachten dieses Streben nach Gleichheit –
im Politiker-Sprech: ,soziale Gerechtigkeit‘ –
etwa in der Debatte um Vermögens- und Erbschaftssteuer.“

Dr. Kristina Schröder

Wir beobachten dieses Streben nach Gleichheit – im Politiker- Sprech: „soziale Gerechtigkeit“ – etwa in der Debatte um Vermögensund Erbschaftssteuer. Oder in der regelmäßig stattfindenden Armutsdebatte, in der auch Vertreter meiner Partei kritiklos einen Armutsbegriff benutzen, der Armut als weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens definiert und damit nicht Armut, sondern Ungleichheit misst. Da sicherlich jeder unterschreiben würde, dass eine Gesellschaft ohne Armut einer Gesellschaft mit Armut vorzuziehen wäre, ist das implizite sozioökonomische Ziel dieses Armutsbegriffs klar: eine Gesellschaft, in der die Einkommen so gleich verteilt sind, dass auch der am schlechtesten Gestellte mindestens 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient. Eine derart egalitäre Gesellschaft wäre mit einer Sozialen Marktwirtschaft kaum vereinbar.

(*1977 in Wiesbaden)
 
Die Diplom-Soziologin war schon zu Schulzeiten in die Junge Union eingetreten und nahm während des Studiums verschiedene Ämter auf lokaler, regionaler und Landesebene wahr. Seit 2002 ist Kristina Schröder Mitglied des Bundestages. Bis 2009 stellte sie berufsbegleitend eine Promotion fertig. Von 2009 bis 2013 war sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Heute ist sie Mitglied des Ausschusses für Writschaft und Energie.
 

Das Streben nach Gleichheit greift interessanterweise auch in gesellschaftspolitischen Fragen immer mehr um sich. Der gleichzeitige Ausbau von Betreuungsplätzen für Ein- und Zweijährige und die Einführung eines Betreuungsgeldes für Eltern, die die Betreuung anders organisieren wollen? „Widersprüchlich“, war da das einhellige Urteil der Medien und der Parteien links der Mitte, so als solle der Staat ein bestimmtes, alle seligmachendes Leitbild vorgeben, wie Familien ihr Leben zu organisieren haben. Und die Betroffenheit darüber, dass sich das Berufswahlverhalten von Frauen und Männern beharrlich stark unterscheidet und dass Frauen seltener als Männer bereit sind, die Familie der Karriere unterzuordnen, offenbart, dass es in dieser Debatte nicht um möglichst große Freiheit auf dem Weg geht (wo ich sofort dabei bin), sondern um möglichst große Gleichheit am Ziel. Und da stören freie Menschen mit ihren – gar noch geschlechtsspezifi sch verteilten! – individuellen Präferenzen nur. Für mich ist daher klar: Wenn wir stark bleiben wollen, müssen wir uns wieder mehr auf die Kraft der Freiheit besinnen.