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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Klaus Engel

Wirtschaft ist 50 Prozent Psychologie

Ludwig Erhard ist mal wieder der Mann der Stunde. Politiker aller Parteien nehmen ihn für ihre politischen Forderungen in Anspruch. Inzwischen beruft sich sogar Sarah Wagenknecht von der Linken auf den Gründungsvater des Wirtschaftswunders. Und doch, sie sollte wissen, seine Losung „Wohlstand für alle“ war im Kern immer auch mit einem unerschütterlichen Glauben an den Freiheitsbegriff verknüpft. Für Erhard war es die Selbstbestimmung des Menschen und dessen freier Wille, die den Menschen zum Akteur der Gesellschaft hat werden lassen.

Auch deshalb eignet sich Ludwig Erhard nicht zum Kronzeugen mancher Liberaler, die seinen Freiheitsbegriff gerne in Anspruch nehmen, um eine entfesselte Marktwirtschaft zu fordern. Die „unsichtbare Hand des Marktes“, die laut Adam Smith die Wirtschaft ganz alleine lenkt, ist nur deshalb unsichtbar, weil es sie gar nicht gibt. Das wissen wir spätestens seit der Finanzkrise.

Die These von Adam Smith lautete: Das Gemeinwesen profitiert ganz automatisch, wenn Menschen ihre eigennützigen ökonomischen Ziele verfolgen und dabei rational handeln. Das aber tun sie leider nicht immer: Sie lassen sich gerne von nichtökonomischen Motiven leiten und entscheiden auch irrational. Kern ihres Handelns ist oft die liebgewordene Angewohnheit, die Realität durch die Brille der eigenen Lebensgeschichte zu sehen.

„Wer das Vertrauen der Menschen
in die Soziale Marktwirtschaft stärken will,
der braucht vorbildliche
Unternehmer und Unternehmen.“

Dr. Klaus Engel

Ludwig Erhard wusste das, denn das Allzumenschliche war ihm so gar nicht fremd. Eine seiner Erkenntnisse lautete denn auch: „Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie.“ Er wusste ganz genau, dass seine Soziale Marktwirtschaft nur mit einem verlässlichen Rahmen überleben kann, einem Rahmen, in dem sich die Marktteilnehmer frei bewegen und erfolgreich sein können.

In diesem Sinne hat sich unsere Soziale Marktwirtschaft trotz manch überbordender staatlicher Regulierung auch als äußerst wandlungsfähig erwiesen: Unter ihrem Dach konnte sich die Produktion stark internationalisieren, Tarifverträge wurden flexibilisiert und Bilanzen nach internationalen Regeln aufgestellt. Selbst die Gehälter der Manager sind heute stärker am Erfolg orientiert; ebenso wie die Renditeziele an den Erfordernissen des Kapitalmarktes.

Vorsitzender des Vorstandes Evonik Industries
(* 1956 in Duisburg)

Nach einem Studium der Chemie mit anschließender Promotion in Bochum arbeitete Klaus Engel bei verschiedenen Unternehmen, u. a. VEBA, Hüls, Stinnes, RAG und Degussa. 2007 trat er in den Vorstand von Evonik ein und übernahm 2009 die Führung desselben.

Die Soziale Marktwirtschaft funktioniert so gut, weil sie weit mehr ist als ein gesetzlicher Rahmen. Sie geht einher mit einer ausgeprägten Unternehmenskultur und dem offenen Visier aller Beteiligten. Dies sorgt für Vertrauen, Berechenbarkeit, Akzeptanz und damit für die soziale Einbettung des ökonomischen Handelns.

Wer das Vertrauen der Menschen in die Soziale Marktwirtschaft stärken will, der braucht vorbildliche Unternehmer und Unternehmen. Denn die müssen sich im Alltag der Sozialen Marktwirtschaft täglich ihrer Verantwortung stellen, ihr Handeln selbstkritisch überdenken, um so ihren Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt zu leisten. Dazu gehören auch die globale Verantwortung, die Förderung von sozialen und ökologischen Standards, aber auch die Menschenrechte.

Ich jedenfalls bin stolz darauf, ein Unternehmen zu leiten, dass schon lange diese Prinzipien als Maxime verinnerlicht hat und die Soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards täglich mit der Lebens- und Unternehmenswirklichkeit in Einklang bringt.