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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Barbara Hendricks

Grenzen überwinden

Über 100 Jahre galt in der Optik das Gesetz, dass nur Objekte dargestellt werden können, die mehr als 200 Nanometer voneinander entfernt liegen. Bis der Forscher Stefan Hell kam, dem es gelungen ist, dieses Gesetz außer Kraft zu setzen. Dafür hat er den Nobelpreis erhalten.

Diese faszinierende Geschichte zeigt, dass wir immer wieder an Grenzen stoßen. Dann stellen wir die Frage: Ist das der Endpunkt einer Entwicklung oder nur die Schwelle, hinter der neue Möglichkeiten liegen? Vor fast 50 Jahren hat der Club of Rome die „Grenzen des Wachstums“ beschrieben. Wissenschaftler sprechen heute davon, dass die „planetaren Grenzen“, oder was unsere Erde an Belastungen aushalten kann, erreicht und in manchen Bereichen bereits überschritten sind. Die Prognosen über die Folgen des Klimawandels lauten: Anstieg des Meeresspiegels, Untergang von Inseln und Küstengebieten, Extremwetterereignisse, Ernteausfälle, Flüchtlingsströme.

„Früher hieß es oft, Umweltschutz und Wirtschaftswachstum würden sich widersprechen. Das Gegenteil hat sich als richtig erwiesen.“

Dr. Barbara Hendricks

Finden wir uns damit ab oder finden wir Wege und Lösungen, die globalen Probleme unserer Zeit zu lösen? Sieben, bald acht Milliarden Menschen brauchen Nahrung, Trinkwasser, Energie, Gesundheitssysteme, Bildung, Arbeit und soziale Sicherheit und sind damit auf gute Ideen angewiesen.

In Deutschland ist eine aktive Umwelt- und Klimaschutzpolitik gesellschaftlicher Konsens. Wir diskutieren vielleicht über das Tempo, aber nicht über die Richtung. In der jüngsten Umweltbewusstseinsstudie stimmen 69 Prozent der Befragten der These zu, dass sich konsequenter Umwelt- schutz positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft auswirkt. 72 Prozent halten die bisherige Wirtschaftsweise für bedenklich.

Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit
(* 1952 in Kleve)

Seit 1994 ist die promovierte Historikerin Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie war u. a. Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Finanzen und Bundesschatzmeisterin der SPD. Seit 2013 ist Barbara Hendricks Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Früher hieß es oft, Umweltschutz und Wirtschaftswachstum würden sich widersprechen. Das Gegenteil hat sich als richtig erwiesen.

Eine der wirklich erfolgreichen Ideen war die Solarförderung im EEG. Sie hat nicht nur für einen Boom der erneuerbaren Energien in Deutschland gesorgt. Sie hat vor allem dazu beigetragen, dass Solarstrom auch in den Entwicklungsländern marktfähig ist und dort nachhaltiges Wachstum ermöglicht. Das ist das vielleicht größte Geschenk, das Deutschland der Welt im Sinne einer echten Hilfe zur Selbsthilfe machen konnte.

Mit dem EEG, mit der Energiewende und dem Ausbau der erneuerbaren Energien haben wir bewiesen, dass wir Grenzen überwinden können. Wir haben die „fossile Logik“ außer Kraft gesetzt. Das ist gut für das Ansehen Deutschlands. Es ist auch gut für unsere Wirtschaft. Viele Unternehmen arbeiten an den Technologien, mit denen wir die Energieeffizienz- und Klimaschutzziele erreichen können. Das Marktvolumen für Umwelttechnik und Ressourceneffizienz lag in Deutschland 2013 bei rund 344 Milliarden Euro und wird sich bis 2025 auf rund 750 Milliarden Euro erhöhen.

Wir haben große Chancen, unseren Weltmarktanteil auszubauen und dem Klimawandel doch noch erfolgreich die Stirn zu bieten. Deutschland wird heute als Vorreiter im Klimaschutz angesehen. Grenzen überwinden bedeutet Anerkennung, vor allem aber auch: Verantwortung.