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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Annegret Kramp-Karrenbauer

Innovationsfähigkeit und Weltoffenheit

Es gibt sicher zahlreiche Faktoren, die zum derzeitigen Erfolg Deutschlands beitragen: Fleißige und gut ausgebildete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, ein starker Mittelstand, Kompromissbereitschaft bei Arbeitgebern und Gewerkschaften, geringe Korruptionsneigung, gut funktionierende Öffentliche Dienste, exzellente Wissenschaft und Forschung, ein leistungsfähiges Bildungssystem, verlässliche Rechtssicherheit und vieles andere mehr fällt einem ein, wenn man nach Gründen für den Erfolg unseres Landes sucht.

Dennoch scheinen mir zwei Schlüsselfaktoren maßgeblich zu sein, die in Zeiten der fortschreitenden Globalisierung unverzichtbar geworden sind. Das ist zum einen die grundsätzliche Reform- und Innovationsfähigkeit in unserer Gesellschaft und zum andern jene Weltoffenheit, die sich in den vergangenen Jahrzehnten bei uns herausgebildet hat. Beides sind zwei Seiten einer Medaille.

„Grundvoraussetzung für all das ist ein hohes Maß an Weltoffenheit, das die Deutschen heute kennzeichnet.“

Annegret Kramp-Karrenbauer

Deutschland hat in den letzten Jahren in zahlreichen Bereichen seine Bereitschaft zu Veränderungen bewiesen. Hierbei denke ich nicht nur an die Arbeitsmarktreformen, ich denke auch an die Energiewende, das Staatsangehörigkeitsrecht, die Studienreform im Zuge des Bologna-Prozesses, die zahlreichen Maßnahmen im Bereich von Bildung und Betreuung, an die Föderalismusreformen, die Schuldenbremse und vieles andere mehr. Auch wenn man verschiedentlich anderes hört, in Deutschland herrscht alles andere als Stillstand.

Gleiches gilt auch für unsere Unternehmen, die sich vom Mittelstand bis zur Großindustrie durch ein hohes Maß an Innovationsfähigkeit auszeichnen und sich damit tagtäglich ihre globale Wettbewerbsfähigkeit erarbeiten. Vor allem ihre Bereitschaft, auch in anderen Kontinenten Neuland zu betreten und dort unter oftmals unsicheren Rahmenbedingungen Produktionsstätten zu errichten, erweist sich heute als Segen. Auf diese Art haben sie in den letzten Jahren ihre globale Präsenz gestärkt, haben sich neue Absatzmärkte gesichert und sich von der krisenhaften Entwicklung in Europa ein Stück weit unabhängig gemacht.

Ministerpräsidentin des Saarlandes
(* 1962 in Völklingen)

Annegret Kramp-Karrenbauer studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Trier und Saarbrücken. Ihre hauptamtliche politische Karriere begann 1998 mit dem Einzug in den Deut- schen Bundestag. Ein Jahr später wurde sie in den Landtag des Saarlandes gewählt und übernahm dort zunächst das Amt der parlamentarischen Geschäftsführerin der CDU-Fraktion, bevor sie 2000 als erste deutsche Innenministerin Mitglied der Landesregierung wurde. Nach Übernahme des Bildungsressorts von 2007 bis 2009 sowie des Sozialministeriums ab 2009 wurde sie 2011 vom saarländischen Landtag zur Ministerpräsidentin gewählt und 2012, nach Neuwahlen, im Amt bestätigt.

Grundvoraussetzung für all das ist ein hohes Maß an Weltoffenheit, das die Deutschen heute kennzeichnet. Weltoffenheit reduziert sich jedoch nicht darauf, andere Länder als Destinationen für unseren Export zu betrachten. Vielmehr bedeutet Weltoffenheit, sich mit anderen Kulturen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen auf vielen Ebenen zu kooperieren. Dabei spielt unser europäischer Einigungsprozess eine maßgebliche Rolle. Denn wenn heute Jugendliche über die europäischen Austauschprogramme bereits in frühen Jahren Auslandserfahrung sammeln oder wenn sie in Grenzregionen – wie etwa in der Großregion SaarLor- Lux – ganz selbstverständlich nationenübergreifende Kontakte und Verbindungen pflegen, dann erweitert dies ihren Horizont und stärkt ihre Fähigkeit, sich dem Neuen und Anderen vorurteilsfrei und vorbehaltlos zu öffnen.

Innovationsfähigkeit und Weltoffenheit: Mehr denn je werden diese beiden Tugenden darüber entscheiden, wer in Zeiten der Globalisierung an der Spitze steht und wer zurück fällt.