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Angela Merkel

Das gelebte Prinzip

Am 8. Juni 2011 wird Angela Merkel mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Auszeichnung Amerikas ausgezeichnet. Eine Frau, aufgewachsen im kommunistischen Ost-Berlin, die nur von der Freiheit träumen konnte, nutzt die sich ihr nach der Wende bietenden Chancen und Freiräume und zieht nach einem rasanten Aufstieg als erste Ostdeutsche und erste Frau ins Kanzleramt ein. Für die Amerikaner ist es der außergewöhnliche Lebensweg der deutschen Bundeskanzlerin, der sie zu einem „Symbol des Triumphes der Freiheit“ macht, wie es der amerikanische Präsident Barak Obama in seiner Laudatio formulierte.

Nicht weniger bemerkenswert erscheint dieser Werdegang für die Preisträgerin selbst. „Dass ich einmal im Rosengarten des Weißen Hauses stehen und von einem amerikanischen Präsidenten die Freiheitsmedaille empfangen würde, das lag jenseits aller meiner Vorstellungskraft", so Angela Merkel anlässlich der Ehrung. Und damit dürfte sie nicht übertrieben haben. Es war ein weiter und eigentlich unmöglicher Weg, den die als Angela Dorothea Kasner in Hamburg geboren, aber in der DDR aufgewachsene Politikerin gegangen ist.

Aufgrund der eigenen Biografie zählt die Freiheit zu einem der zentralen Werte im politischen Koordinatensystem von Angela Merkel. Auf ihrer Website schreibt sie: „Ich habe bis 1990 in einem Staat gelebt, in dem wir unsere Meinung nicht frei äußern konnten. In dem die, die trotzdem den Mut dazu hatten, sehr viel riskiert haben. [...] Deshalb ist Freiheit für mich so wichtig.“ Freiheit, das lässt sich wohl ohne zu übertreiben sagen, ist für die Politikerin ein persönliches Anliegen.

"Unsere Gesellschaft muss Zuwanderung als Chance begreifen."

Angela Merkel

Freiheit stellt für Angela Merkel trotz allem kein Selbstzweck dar. Freiheit, das ist eine weitere ihr Handeln prägende Grundüberzeugung, braucht Sicherheit. Konkret heißt das: Der Staat muss den Menschen Sicherheit bei den großen Lebensrisiken bieten, bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, Pflegebedürftigkeit und im Alter. Erst dann werden sie den Mut aufbringen, Neues zu wagen, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen – für sich und andere. Ganz im Sinne der geistigen Urheber der Sozialen Marktwirtschaft begreift Angela Merkel Freiheit damit als Voraussetzung für Solidarität und Gerechtigkeit.

(*1954 in Hamburg)

Nach dem Studium der Physik arbeite Angela Merkel zunächst als Wissenschaftlerin. In der Wendezeit schloss sie sich dem „Demokratischen Aufbruch“ und dann der CDU an. Von da an begann eine steile Karriere in der Politik: Sie wurde erst stellvertretende Regierungssprecherin der DDR-Regierung de Maizière und bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen nach dem Krieg 1990 Mitglied des Bundestages. 1991 war Angela Merkel bereits Bundesministerin – erst für Frauen und Jugend, dann für Naturschutz. 1998 wurde sie Generalsekretärin der CDU und 2000 Vorsitzende. 2005 wählte der Bundestag Angela Merkel zur Bundeskanzlerin.

Die Wendezeit prägt darüber hinaus noch ein weiteres Feld ihrer politischen Arbeit: die Integrationspolitik. Aufgrund der während der Wiedervereinigung gemachten Erfahrungen besitze Deutschland „das Potenzial und die Möglichkeiten, ein tolles Integrationsland zu sein“. Und auch hierbei spielt der Freiheitsbegriff für sie eine zentrale Rolle. Denn Freiheit ist für sie auch immer die Freiheit des anderen, funktioniert also nicht ohne Toleranz. Dass das Land hier noch einiges lernen kann und muss, hat sie am eigenen Leib erfahren – als Ostdeutsche im wiedervereinigten Deutschland. Es sind anscheinend auch diese Erfahrungen, die die Kanzlerin dazu bewogen, den Islam – in Anlehnung an das berühmte Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff – als einen Teil Deutschlands zu anzuerkennen. Die ihr damals entgegen gebrachten Vorbehalte konnten Angela Merkel nicht entmutigen, haben sie nicht von ihren Zielen abgebracht. Die persönliche Geschichte der amtierenden Kanzlerin wird damit in vielerlei Hinsicht zu einem lebendigen Beispiel, was Deutschland stark macht.

Großflächenmotiv Angela Merkel
Zitat: Angela Merkel, in "Zugewandert - Angekommen", 22.10.2014
Foto: Konrad R. Müller