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Dieser Beitrag erscheint im Original im Buch „Das Deutschland-Prinzip“. Im Buch erörtern 175 prominente Gastautoren Ihre Standpunkte darüber, was  Deutschland stark macht.
Lesen Sie hier eine Auswahl der Beiträge.

 

Dr. Andreas Gutsch

InnovatorInnen sind Helden!

Wir müssen so viel besser sein, wie wir teurer sind. Dieser schlichte Satz beschreibt in ungeahnter Umfänglichkeit die von uns zu schaffenden Voraussetzungen für Wohlstand in Deutschland. In der Vergangenheit waren wir häufig viel besser, als wir teurer waren. Vor wenigen Jahren noch war in einigen Industriesegmenten die Verfügbarkeit von bestimmten Waren und Dienstleistungen ein hinreichender Wettbewerbsvorteil. Die globale Waren- und Informationstransparenz schafft heute neue Rahmenbedingungen. Es bedarf jetzt weitaus größerer Anstrengungen, um nachhaltigen Wohlstand auf einer Basis gut vergüteter und sozial ausgewogener Beschäftigungsverhältnisse sicherzustellen.

Neben nahezu unzähligen Erfolgsfaktoren für nachhaltigen Wohlstand ist es die Innovation, mit der wir uns gegen den wachsenden Wettbewerbsdruck stemmen müssen. Innovation muss unser Konzept sein, um wieder so viel besser zu werden, wie wir teurer sind. Diese Erkenntnis ist nicht neu und fehlt daher in keiner gesellschaftspolitischen Debatte. Das alleine reicht aber nicht aus.

Innovation ist mit weitem Abstand der schwierigste Geschäftsprozess – sie ist die Königsklasse der Geschäfte. Ungewissheit und permanentes Risiko begleiten die Innovation, Risiko und Innovation sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder Versuch der Trennung führt in die Katastrophe. InnovatorInnen können Ungewissheit und Risiken organisieren, sie finden einen Ausweg, sie verändern ihre Strategie und sind besessen von ihrem Erfolgswillen. Wenn wir das verstehen, dann wird uns klar, InnovatorInnen sind Helden, ihre Kunst ist nicht beiläufig, sie selbst sind es auch nicht. InnovatorInnen brauchen unsere volle Konzentration und Wertschätzung.

(*1964) Seit 2011 leitet Dr. Andreas Gutsch das Projekt Competence E am Karlsruher Institut für Technologie. Dabei betrachtet er Elektromobilität auf Systemebene, von neuen Materialien für Batterien über Energiespeicherung bis hin zum fahrbereiten Prototypen. Zuvor führte er die Geschäfte der Li-Tec Battery, die er selbst mitbegründete.

Dies vorausgeschickt werden die notwendigen Maßnahmen zur Förderung von Innovation sehr schnell deutlich. Es ist wie im Sport: Wir müssen Talente suchen, finden und fördern, wir müssen ihnen Mut zusprechen und sie mit den notwendigen Finanzmitteln ausstatten, wir müssen sie wertschätzen und permanent fordern.

Fraglich ist nur, wer sucht diese Talente aus? Wer trainiert und fördert die Helden von morgen? Überlastete Hochschulprofessoren? Wer stattet sie am Beginn ihrer Karriere mit Geld aus? Und wer ist bereit, das enorm hohe finanzielle Risiko der weiteren Finanzierung zu tragen? Etablierte staatliche Förderinstrumente sind dazu weder strukturell noch methodisch geeignet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein wesentlicher Grund ist, dass Innovationsförderung am besten von Menschen geleistet werden kann, die schon einmal neue Geschäfte, Waren oder Dienstleistungen erfolgreich am Markt platziert haben. Fußball-Bundestrainer waren vormals Fußballprofis und nicht Basketballamateure. Genauso gilt es für die staatlichen Institutionen der Innovationsförderung die besten Innovationstrainer an den Start zu bringen und ihnen einen adäquaten Risikospielraum einzuräumen.

Den notwendigen Maßnahmen steht leider ein urdeutsches Phänomen im Wege: die Angst vor Risiko. Sie zeigt sich in nahezu allen Bevölkerungsschichten und wird z.B. durch den geringen Anteil von privaten deutschen Aktienbesitzern dokumentiert. Risikoaversion in Deutschland ist allgegenwärtig, sie lässt Helden verzweifeln, auswandern oder untergehen.

Die vor uns liegenden Aufgaben sind nicht trivial, weil sie einen tiefgreifenden kulturellen Wandel erfordern. Dieser kann eingeleitet werden, wenn wir den ersten, wirklichen Schritt gehen und akzeptieren: InnovatorInnen sind Helden!