Bitte aktualisieren sie ihren Browser, dass diese Webseite korrekt angezeigt wird.

Aktuelle Fotos
der INSM
Alle Fotos

Feed konnte nicht
geladen werden

Erfinder Hans von Ohain

Wenn Lärm Flügel verleiht: Hans von Ohain und die Erfindung des Düsentriebwerks

Der Physikstudent Hans von Ohain ist ein leidenschaftlicher Segelflieger. Als er Anfang der 30er Jahre zum ersten Mal mit der Propellermaschine Junkers Ju 52, der legendären „Tante Ju“, mitfliegt, ist er bestürzt über den Lärm und den Gestank nach Abgasen. Ohain beginnt, über alternative Antriebsmethoden für Flugzeuge nachzudenken und entwickelt den Düsenantrieb, der die militärische und zivile Luftfahrt grundlegend verändert und das Jet-Zeitalter einläutet.

(* 1911 in Dessau, † 1998 in Melbourne, Florida)

Hans Joachim Pabst von Ohain war ein deutsch-amerikanischer Physiker und Erfinder. In den Ernst-Heinkel-Flugzeugwerken entwickelte er ab 1936 ein Flüssigtreibstoff-Strahltriebwerk, während parallel dazu ein genau darauf zugeschnittenes Flugzeug entworfen und gebaut wurde – die Heinkel He-178. In Rostock kam es damit im August 1939 schließlich zum ersten Flug eines strahl- bzw. düsengetriebenen Flugzeugs.

Der Vogel hat enormes Gewicht, ist Kerosin-effizient und fliegt flott: Der Airbus A380, das größte Passagierflugzeug der Welt, wiegt rund 590 Tonnen und die Düsentriebwerke saugen pro Sekunde anderthalb Tonnen Luft an und erzeugen 225.000 Pferdestärken, die zur Höchstgeschwindigkeit von 1.020 km/h führen. Der Star der Airbusflotte und Gütesiegel aller großen international führenden Fluggesellschaften wie Lufthansa, Emirates oder British Airways ist 73 Meter lang und hat eine Reichweite von 15.700 Kilometern. Ob Businessflüge oder Urlaubs- und Städtereisen: Dank der Düsentriebwerks-Erfindung des Physikers Hans Joachim Pabst von Ohain (1911–1998) aus Dessau im Sommer 1939 jetten heute düsengetrieben über fünf Milliarden Menschen pro Jahr um den Erdball. Die Entwicklung des Düsenantriebs ist zugleich die Erfindung moderner Mobilität. Düsenflugzeuge vernetzen Kontinente und verdichten Zeit.

Was sich 1935 in der Patentanmeldung „Verfahren und Verrichtung von Schwingungen in Lichtschwankungen“ noch wolkig anhört, klingt 1936 bei von Ohains Triebwerks-Grundbestandteilen mit Verdichter, Brennkammer, Turbine und Schubdüse für die Patentanmeldung „Verfahren und Apparat zur Herstellung von Luftströmungen zum Antrieb von Flugzeugen“ schon wie eine Jet-Gebrauchsanweisung. Als der Physiker dann mit Unterstützung des Rostocker Propeller-Flugzeugbauers Heinkel alle finanziellen Möglichkeiten zu seiner Düsenantriebsentwicklung bekommt, hebt im August 1939 über der Ostsee die Heinkel He-178 ab und erreichte schon damals 700 km/h. Wie so oft, führen kleine Dinge des Alltags zu großen Ideen und Umwälzungen. Hans Joachim Pabst von Ohain hatte sich bei einem Flug mit der legendären Ju-52 über den Lärm im Flieger und den Abgasgeruch im Cockpit geärgert. Kleiner Anlass, große Erfindung. Empathie ist immer wieder ein Schlüssel zur Lust, unbedingt Neues, Besseres entwickeln zu wollen. Es muss ja nicht immer jede Neuentwicklung die Business- und Sportmaxime von höher, schneller, weiter erfüllen, aber die segenreiche Lust von tatkräftigen Unternehmern und Erfindern, neue Produkte besser und dem Menschen das Leben leichter zu machen, ist das Existenzrecht von Technik und Fortschritt und beflügelt die Wirtschaft.