Steuern & Finanzen INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer: Gastkommentar zur Bankenkrise in DIE WELT
In einem Gastkommentar für die Tageszeitung DIE WELT vertritt INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer die These, dass "auch die Kapitalismuskritiker" versagt hätten. Lesen Sie hier den Aufsatz.
Die Rückwärts-Propheten
Von Max A. Höfer
Während sich Nobelpreisträger Paul Krugman selbst vorwirft, das Ausmaß der Finanzmarktkrise nicht vorher verstanden zu haben, melden sich hierzulande immer mehr Kapitalismus- und Globalisierungskritiker zu Wort, die es eigentlich immer schon gewusst haben wollen. Aus ihrer vermeintlichen Weitsichtigkeit leiten sie jetzt die Kompetenz ab, die Wirtschaft mit neuen Regulierungen zu überziehen. Aber waren sie tatsächlich so vorausschauend?
Schaut man sich die Wortmeldungen der Systemkritiker genauer an, wird klar: Vorhergesehen hat die Finanzkrise niemand. Auffallend ist vielmehr, wie weit daneben sie mit ihren Prognosen lagen und wie inadäquat ihre Ratschläge waren. Seien wir froh, dass weder in den USA noch in Europa je eine Tobin-Steuer auf Geldtransfers installiert wurde. Sie sollte heilsamer Sand im Getriebe des Bankenverkehrs sein. Die Finanzminister müssten sie heute sofort abschaffen. Denn der Kern der Finanzkrise ist der ausgetrocknete Interbankenmarkt, und alle Notmaßnahmen zielen darauf, ihn wieder flüssig zu machen. Die Vertrauenskrise der Banken hätte auch eine Tobin-Steuer nicht verhindert. Sie war ursprünglich gedacht als Bremse gegen kurzfristiges Daytrading und Währungsspekulationen. Beides spielt in der aktuellen Krise keine Rolle.
Die Analyse vieler Globalisierungskritiker gleicht einem Blick in den Rückspiegel. Lautstark warnten sie vor Währungsspekulationen, doch die waren in den Asien- und Russlandkrisen der 90er-Jahre relevant. Aktuell sind es faule amerikanische Hypothekenkredite, und die hatten sie nicht auf dem Radarschirm. Dagegen haben sich Euro und Europäische Zentralbank als Felsen im Sturm bewährt, deren Architekten jedoch als besonders neoliberale Finanzmarktfreunde verketzert wurden. Warum eigentlich demonstrierten unsere ach so klarsichtigen Kapitalismuskenner nie in Jackson Hole, wo sich alljährlich die Elite der Zentralbanker trifft. Dort hätten sie US-Notenbanker Greenspans Niedrigzinspolitik anprangern können, eine der Hauptursachen der Krise, wie der Ex-Guru mittlerweile eingesteht. Sie taten es nicht, weil niedrige Zinsen seit jeher zum Mantra der Globalisierungskritiker gehören. Stattdessen zogen sie lärmend vor WTO-Konferenzen oder ins telegene Davos. Falsche Orte, falsche Themen, kann man da nur sagen. Den Internationalen Währungsfonds wollten sie abschaffen, nun wird sein Aufgabenfeld erweitert.
Die Finanzmarktkrise ist nicht nur eine Niederlage des amerikanischen Finanzkapitalismus, sondern ebenso eine seiner schärfsten Kritiker.
Der Autor ist Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
INSM
Das Reformportal




5 Kommentare