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23. Feb 2011

Apotheken können 450 Millionen Euro einsparen
Mehr Wettbewerb zwischen Apotheken - mehr Leistungen für Patienten

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Der Apothekenmarkt in Deutschland ist streng reguliert. Dadurch soll eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung sichergestellt werden. Doch bestehende Überregulierungen verhindern Wettbewerb und verursachen Kosten. Prof. Dr. Justus Haucap hat im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft eine Reformoption entwickelt, die Wettbewerb zwischen Apotheken intensivieren würde und das System um 450 Millionen Euro entlasten würde.

Seit Jahrzehnten durchläuft das Gesundheitssystem einen fortwährenden Reformprozess. Und dennoch ist es bis heute nicht gelungen, den Kostendruck zu reduzieren. Daher ist es umso wichtiger, alle möglichen Effizienzreserven zu erschließen und so Kosten zu reduzieren.

Fest steht: Bei Arzneimittel handelt es sich um besondere Güter. Zum einen können bei einer falschen Medikation erhebliche Schädigungen auftreten, die im dramatischsten Fall sogar bis zum Tod führen. Zum anderen muss gewährleistet sein, dass jeder, unabhängig von Alter oder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, Zugang zu einer Medikamentenversorgung auf höchstem Niveau erhält.

Aus diesem Grund ist ein bestimmtes Maß an Regulierung auch vernünftig. Eine völlige Freigabe des Arzneimittelhandels ist weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch wünschenswert.

Doch die Besonderheit des Marktes rechtfertigt nicht automatisch jede Regulierung und heißt nicht, dass Wettbewerbsprozesse auf diesen Märkten automatisch schädlich wären und unterbunden werden müssten. Ein geeigneter Ordnungsrahmen kann sogar dafür sorgen, dass Wettbewerb zum Wohle der Patienten genutzt werden kann.

Schon heute herrscht Wettbewerb zwischen Apotheken. Aber anders als auf den meisten Märkten kann er bei verschreibungspflichtigen Medikamenten nicht über den Preis ausgetragen werden. Das verhindert der Gesetzgeber. Ausschlaggebend für den Umsatz sind vielmehr der Standort, die Beratungsqualität und Zugaben wie Hautcremes. Fragwürdige Regulierungen wie Fremd- und Mehrbesitzverbot unterbinden Größenvorteile systematisch.

So wird intensiverer Wettbewerb verhindert, mit der Folge, dass ineffizient arbeitende Apotheken dennoch am Markt verbleiben können. Die Zeche dafür zahlen die Patienten und Versicherten.

Im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat Prof. Dr. Justus Haucap vom Institut für Wettbewerbsökonomie Düsseldorf (DICE) mit seinem Autorenteam eine Reformoption entwickelt, mit dem ein sanfter Preiswettbewerb zwischen den Apotheken auch bei verschreibungspflichtigen Medikamenten unter Berücksichtigung der sozialpolitischen Ansprüchen möglich wäre.

Das Gutachten plädiert dafür, sämtliche Zuzahlungen der Patienten zu streichen. Stattdessen sollte eine Apothekentaxe zwischen 0 und 10 Euro eingeführt werden. Die genaue Höhe der Taxe kann jeder Apotheker selbst bestimmen kann. Die Krankenkassen erstatten den Apothekern nach dem Modell nur den anfallenden Einkaufspreis für die verschreibungspflichtigen Medikamente. Konkret sieht das Modell Folgendes vor:

  • die maximale Apothekentaxe beträgt 10 EUR (inkl. MwSt.)
  • die Apotheke kann die Höhe der Apothekentaxe individuell selbst festlegen
  • die heutigen Zuzahlungen von 5-10 EUR , der Kassenrabatt von 2,05 EUR sowie die Logistikpauschale von 3% und der Fixbeitrag von 8,10 EUR der GKV an den Apotheker entfallen
  • die Höhe der Apothekentaxe muss in der Apotheke veröffentlicht werden (Preisauszeichnungspflicht)
  • sie darf nicht nach Kunden differenziert werden (gleiche Taxe für zuzahlungsbefreite Versicherte)
  • sie darf regelmäßig geändert werden („Nacht- und Wochenendzuschläge“ sind zulässig)
  • sie darf nach Medikamenten differenziert werden (z.B. mit und ohne Festbetrag)

Durch die Beteiligung der Patienten am Preis der Apothekenleistung kann wirksamer Preiswettbewerb zwischen den Apotheken entstehen. Vor allem in Gegenden mit einer hohen Apothekendichte ist mit intensivem Wettbewerb zu rechnen. In ländlichen Gegenden können Apotheken hingegen höhere Taxen durchsetzten und so ihre Kosten decken. Das Gutachten schätzt, dass sich durch die Reformoption Effizienzreserven von fast 450 Millionen Euro pro Jahr realisieren ließen, die am Ende den Patienten und Beitragszahlern zu Gute kämen.