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Vom Ziel gedacht

Der effiziente Umgang mit Energie ist ein Schlüsselfaktor der Energiewende. Das nationale Energiekonzept strebt an, den Verbrauch an Primärenergieträgern in Deutschland bis 2020 um ein Fünftel und bis 2050 um die Hälfte zu senken. Auch der Stromverbrauch soll bis dahin um 25 Prozent gesunken sein. Insbesondere letzteres soll die Umstrukturierung der Stromversorgung flankieren und so zur Versorgungssicherheit beitragen.

Wenn der Strombedarf sinkt und dabei weder der Lebensstandard noch die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Deutschlands beeinträchtigt werden soll, kann dies nur über einen spürbaren Anstieg der Energieeffizienz gelingen. Die gesamtwirtschaftliche Energieeffizienz wird durch das Verhältnis zwischen dem Energieverbrauch und der Wirtschaftsleistung bestimmt. Energieeffizientes Wirtschaften bedeutet entweder, dass mit einer Einheit Energie eine größere Menge produziert werden kann (Energieproduktivität), oder, dass für eine Produktionseinheit weniger Energie eingesetzt werden muss (Energieintensität).

Bei der Bewertung der Energieeffizienz ist zu beachten, welche Bezugsgrößen gewählt werden. Wird die Wertschöpfung beispielsweise auf den Primärenergieverbrauch bezogen, kommen auch Effizienzfortschritte zum Tragen, die bei der Stromerzeugung erzielt werden. Zudem kommen bei der Entwicklung des Primärenergieverbrauchs statistische Effekte zum Tragen, die durch Veränderungen im Energiemix beeinflusst werden: Kernenergie geht aufgrund der verwendeten Wirkungsgradmethode in etwa mit dem Faktor drei in die Primärenergiebilanz ein (im Verhältnis zur erzeugten Strommenge). Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wird dagegen im Verhältnis 1:1 angerechnet. Primärenergieeinsparungen sind daher nicht immer auf einen effizienteren Einsatz von Energie beim Endverbraucher zurückzuführen. Fortschritte bei der Energieeffizienz lassen sich daher besser anhand der verbrauchten Endenergie im Verhältnis zum BIP erkennen.

Um die Einsparziele des Primärenergie- und des Stromverbrauchs zu erreichen, soll laut Energiekonzept der Bundesregierung die Energieproduktivität ab dem Jahr 2008 um durchschnittlich 2,1 Prozent im Jahr steigen. Das Effizienzziel bezieht sich auf den Endenergieverbrauch. 

Zielerreichung: INSM-Energiewende-Radar

Der INSM-Energiewende-Radar bildet ab, ob das Ziel, die Energieproduktivität ab 2008 jährlich um 2,1 Prozent zu steigern, heute gelungen ist. Trends bei der Energieeffizienz lassen sich besser über einen längeren Zeitraum als anhand jährlicher Veränderungen bewerten. Entsprechend dem Ansatz dieser Expertise, wird daher die Entwicklung der Energieproduktivität in den Jahren der Energiewende (2000 bis 2011) herangezogen. Ist die Energieproduktivität in dieser Zeit jährlich um durchschnittlich 2,1 Prozent gestiegen, wird ein Zielerreichungsgrad von 100 Prozent ausgewiesen. Jede prozentuale Unterschreitung wird dem Zielerreichungsgrad hingegen negativ zugeschlagen. Bei einer Steigerung von nur der Hälfte, also um 1,05 Prozent, würden 50 Punkte ausgewiesen. 

Zielerreichung der Energieeffizienz 2011
  • Zielerreichung der Energieeffizienz 2011
  • Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Seit Beginn der Energiewende ist die Energieproduktivität jährlich um durchschnittlich rund 1,8 Prozent gestiegen und liegt damit 15,4 Prozent unter dem angestrebten Ziel. Es wird folglich ein Zielerreichungsgrad von 84,6 Punkten ausgegeben.

Unterstellt man zur Erreichung der Ziele sogar eine gleichmäßige Effizienzsteigerung für alle Energieträger, müsste auch die Effizienz des Stromverbrauchs um durchschnittlich 2,1 Prozent jährlich steigen. Tatsächlich ist die Stromeffizienz noch geringer, nämlich nur um 0,7 Prozent durchschnittlich seit 2000 gestiegen. Für die Stromeffizienz ergäbe sich nach analoger Methodik nur ein Zielerreichungsgrad von 32,7 Punkten.

Erfolge und Herausforderungen

Gerade für den wichtigen Bereich der Stromversorgung, in dem die größte Umstrukturierung stattfindet und Effizienzsteigerungen besonders entlastend auf die Nachfrage wirken sollen, liegen die Effizienzsteigerungen weit hinter dem erwarteten Maß zurück. Bezogen auf den Endenergieverbrauch wird das Ziel zwar beinahe erreicht, jedoch kann hier ebenfalls keine Entwarnung gegeben werden.

Das Gelingen der Energiewende ist derzeit an eine deutliche Überschätzung der technologischen Entwicklungen und deren umfassende Durchsetzung geknüpft. Denn das Ziel der Bundesregierung wird nicht erreicht, obwohl in Sachen Energieeffizienz bereits einiges passiert ist. Während das Bruttoinlandsprodukt seit 2000 über 13 Prozent zulegte, sank der Primärenergieverbrauch bis 2010 um rund 7 Prozent. Der Stromverbrauch konnte hingegen nicht in diesem Ausmaß vom Energieverbrauch entkoppelt werden. Zur Produktion von 1.000 Euro BIP (jeweils in Preisen von 2005) werden heute rund 11 Prozent weniger Energie (bezogen auf den Endenergieverbrauch) benötigt als im Jahr 2000. In dem gleichen Zeitraum konnte die Stromintensität nur um 3,7 Prozent verringert werden. 3,5 Prozent stromeffizienter produzierte auch die Industrie, wohingegen in den privaten Haushalten 2010 sogar mehr Strom pro Quadratmeter Wohnfläche verbraucht wurde. Der Wirkungsgrad bei der Stromerzeugung selbst konnte immerhin um 4,2 Prozent zulegen.

Deutschland gehört heute zu den effizientesten Volkswirtschaften der Welt. Gegenüber den OECD-Ländern ergibt sich ein Vorsprung von über zehn Jahren. Die USA wirtschaftet sogar auf einem Effizienzniveau, das mit dem von Deutschland im Jahr 1991 vergleichbar ist. Vor diesem Hintergrund gilt es, private oder gewerbliche Verbraucher nicht mit Einsparvorgaben zu überfordern, sondern sie zu unterstützen und zielgerichtet Hemmnisse bei der Investition in energieeffiziente Technologien zu adressieren.

Die größten Stromverbraucher sind die Industrie (44 Prozent) und die privaten Haushalte (28 Prozent). Steigende Strompreise machen den rationellen Energieverbrauch insbesondere in der stromintensiven Industrie schon seit langem zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit. Gerade in großen, energieintensiven und im internationalen Wettbewerb stehenden Unternehmen wurden mit steigenden Strompreisen Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt. Diese Unternehmen vereinen den größten Teil des industriellen Stromverbrauchs auf sich. Hier gibt es jedoch zunehmend weniger wirtschaftlich lohnende und mit vertretbarem Aufwand zu hebende Potenziale. Kleinere und mittlere Unternehmen hingegen sind häufig schlechter über Einsparpotenziale informiert und bedürfen stärker der externen Unterstützung. Selbiges gilt auch für private Haushalte, wobei gerade in finanzschwächeren Haushalten häufig das Kapital fehlt, um mögliche Einsparpotenziale zu realisieren. 

Entkopplung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum seit 2000
  • Entkopplung des Energieverbrauchs vom Wirtschaftswachstum seit 2000
  • Quelle: BMWi

Ob die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und die Durchsetzung der entsprechenden Produkte in der Praxis den politischen Zielvorstellungen entsprechen ist fraglich. Hinzu kommt, dass Effizienzsteigerungen nicht zwingend mit einem Einspareffekt verbunden sein müssten. Sie können ebenso zu einem kostenneutralen Mehrverbrauch an Energie führen (Rebound-Effekt), der in den relevanten Energieszenarien nicht oder nur unzureichend berücksichtigt wird. 

Die wichtigsten politischen Entwicklungen

Politik zur Steigerung der Energieeffizienz zielt der Sache nach auf eine unüberschaubare Vielzahl an Energieverbrauchsprozessen und erfordert ein differenziertes Instrumentarium.

Der 2010 veröffentlichte zweite nationale Energieeffizienz-Aktionsplan (NEEAP) der Bundesregierung dokumentiert Maßnahmen und Fortschritte der nationalen Energieeffizienz. Er folgt damit der Vorgabe der Richtlinie 2006/32/EG über Endenergieeffizienz und Energiedienstleistungen (EDL-RL) der europäischen Union. Danach sind beispielsweise Energieversorger verpflichtet, Endkunden über Energiedienstleistungen, Energieaudits, Energieberatungen oder Energieeffizienzmaßnahmen zu informieren. Auch Institutionen des öffentlichen Sektors sollen eine Vorbildfunktion einnehmen und erfolgreiche Maßnahmen bekanntmachen. Da bisherige Regelungen auf EU-Ebene nicht als ambitioniert genug erachtet wurden, haben sich das EU-Parlament und die Mitgliedsländer im Juni auf einen „Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Energieeffizienz und zur Aufhebung der Richtlinien 2004/8/EG und 2006/32/EG“ geeinigt. Nach der nun erzielten Einigung müssen die Mitgliedsstaaten künftig Maßnahmen ergreifen, die zu einer Reduzierung der jährlichen Energieverkäufe von 1,5 Prozent führen. Bei der Wahl der Instrumente bleiben die Regierungen jedoch anders als zunächst vom EU-Parlament gefordert weitestgehend frei. Die Richtlinie soll noch bis Ende 2012 in Kraft treten. Anschließend muss sie binnen von 18 Monaten in nationales Recht umgesetzt werden.

Neben einer indirekten Preissteuerung existiert in Deutschland bereits eine umfangreiche Energieeffizienzpolitik, die durch verschiedene Informationsangebote und Finanzierungsförderungen charakterisiert ist. Schwerpunkte bilden dabei der Gebäudebereich, Geräte und Beleuchtung, Industrie und Gewerbe sowie Transport und Mobilität.

Seit August steht darüber hinaus fest, dass die Ausnahmeregelungen im Rahmen der Ökosteuer für die Industrie an Effizienzsteigerungen beim Energieverbrauch geknüpft werden. Hintergrund der Neuregelung ist, dass die Ökosteuer-Ausnahmen aufgrund europarechtlicher Vorgaben an eine Gegenleistung der Industrie gebunden werden mussten. Bisher war dies eine Selbstverpflichtung der Industrie zum Klimaschutz aus dem Jahr 2000, die jedoch dieses Jahr ausläuft. Der sogenannte Spitzenausgleich für Unternehmen mit besonders hohen Energieverbräuchen wird nur noch gewährt, wenn Unternehmen ein Energiemanagementsystem einführen und spätestens 2016 implementiert haben. Für kleine und mittlere Unternehmen sind vereinfachte Verfahren vorgesehen. Weiterhin soll das produzierende Gewerbe für die Gewährung des Spitzenausgleichs im Jahr 2015 nachweisen, dass es die Energieintensität ab 2013 um 1,3 Prozent jährlich gegenüber der durchschnittlichen Energieintensität in den Jahren 2007 bis 2012 reduziert hat. Ein Monitoring-Verfahren soll die Zielerreichung überwachen. 

Fazit und weiterer Handlungsbedarf

Mit der Einführung von Energiemanagementsystemen wird für die Unternehmen ein wichtiger Anreiz gesetzt, ihren Energieverbrauch zu überwachen und Einsparungen identifizieren zu können. Hinlängliche Flexibilisierung der Bestimmungen sichern, dass Unternehmen nicht überfordert werden und insgesamt die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt.

Maßnahmen, die Akteure unterstützen, sind hilfreicher als starre Vorgaben. Vor diesem Hintergrund ist gegen Ziele in der deutschen Energieeffizienzpolitik nichts einzuwenden, sofern sie realistisch sind und eine hinreichende Flexibilisierung und Differenzierung bei der Umsetzung gewährleisten.

Die Überwachung von einer kostspieligen Ressource, wie sie Strom zunehmend wird, ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Weiterhin sollten insbesondere Unternehmen, aber auch Haushalte dabei unterstützt werden, Effizienzpotenziale erkennen und nutzen zu können. Das kann durch Informations- und Beratungsangebote sowie finanzielle Anreize besser gelingen als durch absolute Verbrauchsvorgaben, wie lange in der EU-Energieeffizienzrichtlinie vorgesehen. Nur durch Reglementierungen wird die Suche nach effizienteren Lösungen kaum gelingen.

Es gilt den Verbrauchern verstärkt Transparenz über ihre Energieverbräuche zu ermöglichen. Die Dynamik der Energiewende kann dazu beitragen, indem sie einen wachsenden Markt für neue Energie(effizienz)dienstleister schafft.

Die Suche nach Effizienzpotenzialen ist insgesamt intensiviert worden. Wichtig ist jedoch, bei den Rahmenbedingungen zum Umbau der Energieversorgung nicht auf unvorhersehbare Markt- und Technologieentwicklungen zu setzen. Die Plandaten der Energiewende müssen in einem hohen Maße verlässlich sein. 

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