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Vom Ziel gedacht

Die Wirtschaftlichkeit der Energieerzeugung ist für ein modernes Industrieland von kaum zu unterschätzender Bedeutung. Energie und insbesondere Strom werden für praktisch alle Funktionen eines Haushalts benötigt. Licht, Heizungssteuerung, Elektrogeräte, Kommunikation – alles ist von der Verfügbarkeit von elektrischer Energie abhängig. Dies gilt ebenso für Industrieanlagen, die auf Elektrizität angewiesen sind – selbst wenn die größeren Anteile der Energieversorgung nicht durch Strom gedeckt werden.

Die Strompreise haben damit eine soziale und eine wirtschaftliche Dimension. Da der Stromverbrauch der privaten Haushalte mit zunehmendem Einkommen nur wenig steigt, sind einkommensärmere Haushalte sehr viel stärker von höheren Strompreisen betroffen als wohlhabendere Haushalte. Die Kosten der Energiewende, soweit sie von Privathaushalten zu tragen sind, sind daher unter Verteilungsgesichtspunkten kritisch zu sehen. So zahlen die Haushalte mit dem geringsten Einkommen einen fast zehnmal so hohen Anteil des Einkommens für die erneuerbaren Energien wie die einkommensstärksten Haushalte.

Für die industriellen Stromverbraucher ist der Strompreis von hoher Bedeutung zur Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Produktion am Standort Deutschland. Auch wenn bestimmte besonders energieintensive Unternehmen von zusätzlichen Belastungen ausgenommen werden, bringen die Mehrkosten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation mit sich.

Die Kostendimension der Energiewende ist also sowohl aus sozialen wie aus wirtschaftlichen Gründen von hoher Bedeutung. Die Energiewende kann nur gelingen, wenn eine wirtschaftliche Energieversorgung auch weiterhin gewährleistet ist. Der größte Kostenblock liegt derzeit in der Förderung der erneuerbaren Energien nach dem EEG. Die Mehrkosten von Strom aus diesen Quellen werden auf die Stromkunden umgelegt. Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, diese Mehrkosten nicht auf einen Wert von mehr als 3,5 Cent je Kilowattstunde ansteigen zu lassen (Regierungserklärung vom 9. Juni 2011). 

Zielerreichung: INSM-Energiewende-Radar

Zielerreichung der Wirtschaftlichkeit der Energiewende 2012
  • Zielerreichung der Wirtschaftlichkeit der Energiewende 2012
  • Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Zur Messung der Wirtschaftlichkeit der Energiewende wird das Ziel der Bundesregierung herangezogen, die EEG-Umlage bei 3,5 Cent zu begrenzen. Wird dieses Ziel erreicht, bleibt die Umlage also bei maximal 3,5 Cent, wird der maximale Zielerreichungsgrad von 100 Punkten ausgewiesen. Jedes Überschreiten des Grenzwertes geht negativ in den Zielerreichungsgrad. Für jeden Prozentpunkt der Überschreitung der angestrebten maximalen EEG-Umlage wird ein Punkt in der Zielerreichung abgezogen. Wird das Ziel der Regierung um 100 Prozent verfehlt, steigt die Umlage also auf 7 Cent und mehr, wird die Zielerreichung mit 0 gewertet.

Zielerreichung der Wirtschaftlichkeit der Energiewende 2013
  • Zielerreichung der Wirtschaftlichkeit der Energiewende 2013, Annahme: EEG-Umlage von 5 Cent
  • Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Im Jahr 2012 liegt die EEG-Umlage bei 3,592 Cent je Kilowattstunde. Damit wird die Zielerreichung mit einem Wert von 98,3 von 100 Punkten gemessen. Auch wenn das Ziel von 3,5 Cent leicht überschritten wird, ist doch von einem weitgehenden Einhalten der Grenze zu sprechen. 

Für das Jahr 2013 wird mit einer deutlichen Steigerung der EEG-Umlage gerechnet. Entsprechend aktuellen Abschätzungen wird konservativ von einem Wert von 5 Cent je Kilowattstunde ausgegangen. Damit wird der Zielwert von maximal 3,5 Cent deutlich übertroffen, der Zielerreichungsgrad fällt auf nur noch 58,4 Punkte.

Erfolge und Herausforderungen

Die Kosten der Energiewende in Deutschland setzen sich aus verschiedenen Positionen zusammen. Zu nennen sind neben der Förderung der erneuerbaren Energien insbesondere die Kosten des Netzausbaus sowie die Produktion von zusätzlichem Strom als Ersatz für die auslaufende Kernenergie. Entlastend für die Stromverbraucher ist ein preisdämpfender Effekt der erneuerbaren Energien, da durch ihren Einsatz besonders teure fossile Kraftwerke vom Netz genommen werden können.

Entwicklung der EEG-Umlage
  • Entwicklung der EEG-Umlage - Cent je Kilowattstunde
  • Quellen: BDEW; 2013: IW-Annahme

Der wohl bedeutendste Kostenblock ist das erneuerbare Energien-Gesetz. In den letzten Jahren sind nicht nur der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung und damit die nach dem EEG vergütete Strommenge rasant angestiegen. Auch die durchschnittliche Vergütung ist unter anderem wegen des Trends zu einem höheren Anteil der Photovoltaik deutlich höher geworden. Die Entwicklung geht nicht hin zu einem verringerten, sondern zu einem erhöhten durchschnittlichen Preis für Strom aus erneuerbaren Quellen. Zuletzt sind die als Subvention einzuordnenden Differenzkosten zwischen dem Marktpreis und der EEG-Einspeisevergütung erheblich angestiegen. 2011 lagen sie bei insgesamt 12,4 Milliarden Euro, nach 9,4 Milliarden Euro im Vorjahr und 5,3 Milliarden Euro in 2009. Entsprechend ist auch die EEG-Umlage zu Lasten der Stromverbraucher angestiegen. Von 2000 bis 2009 stieg sie kontinuierlich von 0,2 Cent je Kilowattstunde auf 1,3 Cent je Kilowattstunde. Danach erhöhte sie sich drastisch auf 2,05 Cent in 2010, 3,53 Cent in 2011 und 3,592 Cent im Jahr 2012. Für das Jahr 2013 wird mit einem weiteren Sprung auf etwa 5 Cent gerechnet

Für einen typischen Haushalt mit einer Abnahmemenge von 3.500 Kilowattstunden Strom bedeutete dies einen Anstieg der ausgewiesenen EEG-Kosten von 7,0 Euro in 2000 über 71,8 Euro 2010 auf 125,7 Euro im laufenden Jahr. Für 2013 muss solch ein Haushalt mit einer Belastung von insgesamt 175 Euro rechnen – inklusive Mehrwertsteuer sind dies 208 Euro. 

Die wichtigsten politischen Entwicklungen

Die Bundesregierung versucht, den Anstieg der EEG-Umlage zu bremsen und damit die Kosten der Energiewende für die Energieverbraucher in akzeptablen Größenordnungen zu halten. Auf Dauer kann die Energiewende nur als erfolgreich angesehen werden, wenn deren Kosten sich langfristig auf einem tragfähigen Niveau stabilisieren. Die Energiewende muss möglichst effizient gestaltet sein, auch um die Akzeptanz der gegenwärtigen Energiepolitik in der Bevölkerung nicht zu gefährden.

Die Bundesregierung hat verschiedene Ansätze, um die Energiewende effizienter und damit wirtschaftlicher zu gestalten. Einer liegt in der Optimierung der Netzausbauplanungen, wodurch die Investitionskosten für neue Leitungsnetze so gering wie nötig gehalten werden können. Dies steht allerdings im Widerspruch zum Wunsch vieler Anwohner, Leitungen als Erdkabel zu verlegen, was mit nicht unerheblichen Zusatzkosten verbunden ist.

Entscheidender ist aber die Begrenzung der Kosten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die Bundesregierung hat in ihrer jüngsten Novelle des Gesetzes im Wesentlichen zwei Änderungen durchgeführt:

  • Die Fördersätze für Solarstrom werden stärker als bisher geplant abgesenkt.
  • Es wird eine absolute Obergrenze von 52.000 MW für die Kapazität von Solaranlagen eingeführt, die nach dem EEG gefördert werden können.

Die Kombination dieser beiden Maßnahmen bietet die Chancen zur Begrenzung des Zuwachses an EEG-Fördervolumen im Bereich der Photovoltaik. Allerding ist der noch zugelassene Zubau so groß, dass noch weiter in großem Stil Anlagen installiert und gefördert werden können. Zudem ist zweifelhaft, ob die Obergrenze tatsächlich eingehalten wird oder ob der politische Druck zur Fortsetzung der Subventionierung in einigen Jahren den weiteren Aufbau geförderter Anlagen ermöglicht.

Diese Kostenbremse führt, selbst wenn sie greift, allerdings nicht zu einer kurzfristigen Entlastung für die Stromkunden. Die derzeitige EEG-Umlage wird wesentlich bestimmt durch frühere Zusagen für Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien. Ein deutlicher Rückgang der Umlage ist nur dann zu erwarten, wenn teurere ältere Anlagen durch preiswerte moderne ersetzt werden und dieser Effekt nicht durch den weiteren Ausbau überkompensiert wird. Zudem kann ein deutlicher Anstieg des Marktpreises für Strom aufgrund höherer Brennstoff- oder Kohlendioxidkosten die notwendigen Subventionen nach dem EEG reduzieren und damit die Umlage verringern. Dies wäre jedoch im Hinblick auf das Ziel bezahlbarer Strompreise kontraproduktiv.  

Fazit und weiterer Handlungsbedarf

Für die nächsten Jahre ist damit weiterhin mit einem hohen und eher steigenden Niveau der EEG-Umlage zu rechnen. Das Ziel einer Begrenzung auf 3,5 Cent wird weiterhin verfehlt werden.

Nach wie vor fehlt eine klare Perspektive zur Beendigung der Subventionen und damit zur Begrenzung der umgelegten Kosten. Die Integration der erneuerbaren Energien in die Märkte ist noch nicht gelungen. Verschiedene Möglichkeiten sind denkbar, wie die Erneuerbaren marktfähig gemacht werden können. Ein Systemwechsel hin zu einer Vorgabe fester Einspeisequoten kann Effizienzvorteile bringen, weil Wettbewerb zwischen den Erneuerbaren erzeugt wird. Dies kann zu einer wirtschaftlicheren Versorgung mit Strom aus regenerativen Quellen beitragen.

Von grundlegender Bedeutung ist eine stärkere Europäisierung der Energie- und Strompolitik. Gerade die Förderung erneuerbarer Energien als Kernelement der Energiewende kann nur gelingen, wenn hier möglichst effiziente Potenziale genutzt werden. Sonne und Wind müssen da genutzt werden, wo sie am effizientesten sind – und nicht nur innerhalb der deutschen Grenzen. Dazu könnte die Einführung eines europaweiten Quotensystems beitragen. Dabei werden Netzbetreiber verpflichtet, einen definierten Anteil ihres Stromangebots aus erneuerbaren Energien zu speisen. Die Zusammensetzung des entstehenden Energiemix wird – im Falle technologieunspezifischer Quoten – durch den Wettbewerb auf dem Anbietermarkt bestimmt und der Abnahmepreis nicht durch gesetzlich festgelegte Einspeisetarife, sondern durch den Marktmechanismus.

Die Vollendung des Strombinnenmarktes in Europa führt nicht nur zu günstigerem klimafreundlichen Strom und einer höheren Versorgungssicherheit, sondern schafft durch den vergrößerten Markt auch den Raum für europäischen Wettbewerb in der Stromerzeugung. Dies ist notwendig, um nicht nur eine sichere und klimafreundliche, sondern auch eine wirtschaftliche Stromerzeugung sicherstellen zu können.

Für die Zukunft ist es entscheidend, die Marktintegration der erneuerbaren Energien voranzutreiben. Die Reduktion von Fördersätzen ist hierfür ein erster wichtiger Schritt, Versteigerungsmodelle innerhalb des EEG oder Quotenmodelle sind hier grundlegendere Alternativen. Die große Gefahr der aktuellen Fördersystematik ist es, dass der Anteil außermarktlich erzeugten Stroms bei einem entsprechend der Energiewende geplanten Anwachsen der erneuerbaren Energien immer weiter steigt. Die Kräfte des Wettbewerbs, die im EEG nur sehr eingeschränkt wirken können, sind jedoch notwendig, um die Energiewende ohne überhöhte Kosten gestalten und auch erneuerbaren Strom möglichst effizient zur Verfügung stellen zu können. 

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