Soziale Marktwirtschaft Was der "Vater" der Sozialen Marktwirtschaft sagte
Ausgewählte Zitate von Ludwig Erhard, 1949-1963 Bundeswirtschaftsminister, 1963-1966 Bundeskanzler. "Bemühen wir uns darum auch, jedwede Forderung an den Staat nicht vorschnell mit dem Wort 'sozial' oder 'gerecht' zu versehen, wenn es in Wahrheit nur zu oft um partikuläre Wünsche geht." (1963)
"Das mit der modernen Technik zusammen hängende Anlehnungsbedürfnis der Menschen an Gruppengebilde, die Lebensangst und das Verlangen nach sozialer Sicherheit sind der Ausprägung des persönlichen Muts und persönlicher Verantwortungsfreudigkeit wenig hold. Aber gerade diese Gesinnung gilt es zu wecken und zu bezeugen, wenn wir von unserer Freiheit den rechten Gebrauch machen wollen." (1957 a)
"Ich bin erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit im sozialen Bereich erschallte. Falls diese Sucht weiter um sich greift, schlittern wir in eine gesellschaftliche Ordnung, in der jeder die Hand in der Tasche des anderen hat. Das Prinzip heißt dann: Ich sorge für die anderen und die anderen sorgen für mich. Das mir vorschwebende Ideal beruht auf der Stärke, dass der Einzelne sagen kann: Ich will mich aus eigener Kraft bewähren, ich will das Risiko des Lebens selbst tragen, will für mein Schicksal selbst verantwortlich sein." (1958)
"Ich begann meinen beruflichen Werdegang als kaufmännischer Lehrling ohne Pensionsberechtigung und hatte auch nicht das Gefühl, daß eine Sechs-Tage-Woche mit 60stündiger Arbeitszeit meine Gesundheit erschüttern könnte oder ein unerträgliches soziales Los bedeutete." (1948)
"Die Organisationswut ist ein Zeichen unserer Zeit. Das Funktionärsunwesen gibt dem gesellschaftlichen Leben sein Gepräge." (1948)
"Solche 'Wohltat' muß das Volk immer teuer bezahlen, weil kein Staat seinen Bürgern mehr geben kann, als er ihnen vorher abgenommen hat - und das auch noch abzüglich der Kosten einer zwangsläufig immer mehr zum Selbstzweck ausartenden Sozialbürokratie:" (1958)
"Eine auf Gedeih und Verderb in die Weltwirtschaft eingegliederte Volkswirtschaft bietet für politische Abenteurer und Abenteuer keinen Spielraum mehr." (1946)
"Jeder Versuch, im Zeichen vermeintlicher Wohlfahrt aus wohltätiger Gesinnung mehr Geld auszugeben, als dem Fiskus aus Einnahmen zufließt, verstößt gegen gute und bewährte Grundsätze." (1976)
"Der sozialen Fürsorge ist auch nicht damit gedient, durch immer höhere Steuerbelastungen die Produktivität zu schmälern oder auch durch fragwürdiges Finanzgebahren die Volkswirtschaft immer stärker zu verschulden. Auch diese Schulden müssen einmal zurückgezahlt werden." (1976)
"Lassen Sie mich ein offenes Wort sprechen: Wir müssen uns entweder bescheiden oder mehr arbeiten. Die Arbeit ist und bleibt die Grundlage des Wohlstandes:" (1963)
"Die Wirtschaft braucht ein gesundes Klima, braucht Einsatzfreude, Risikobereitschaft, Solidarität. Das Klima, in dem die Wirtschaft heute dahinsiecht, ist demgegenüber gekennzeichnet durch Phantasielosigkeit, durch kleinkrämerisches Wirken an Details und insbesondere durch Unsicherheit." (1977)
"Wir kommen dann zu der grotesken Erscheinung, daß der übersteuerte Staatsbürger als Bittsteller bei dem gleichen Staat erscheint und versucht, auf dem Kreditwege das zurückzuerhalten, was nach Recht und Moral eigentlich sein Eigentum aus dem Ertrag seiner Arbeit sein müßte." (1953)
"Der staatliche Zwangsschutz hat dort haltzumachen, wo der einzelne und seine Familie noch in der Lage sind, selbstverantwortlich und individuell Vorsorge zu treffen." (1956)
"Ziel der deutschen Sozialpolitik muß es sein, alle sozialen Gruppen vor einer Entwicklung zu bewahren, in der sie zunehmend bloß Objekte staatlicher Fürsorge sind." (1965)
"Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist. Wenn dagegen die Bemühungen der Sozialpolitik darauf abzielen, dem Menschen schon von der Geburt an volle Sicherheit gegen alle Widrigkeiten des Lebens zu gewährleisten, d. h. ihn in einer absoluten Weise gegen die Wechselfälle des Lebens abschirmen zu wollen, dann kann man von solchen Menschen einfach nicht mehr verlangen, dass sie das Maß an Kraft, Leistung, Initiative und anderen besten Werten entfalten, das für das Leben und die Zukunft der Nation schicksalhaft ist und darüber hinaus die Voraussetzung einer auf die Initiative der Persönlichkeit begründeten Sozialen Marktwirtschaft bietet." (1957b)
"Ebenso wie beim Fußballspiel der Schiedsrichter nicht mitspielen darf, hat auch der Staat nicht mitzuspielen. Die Zuschauer würden es den Spielpartnern auch außerordentlich übel nehmen, wenn diese vorher ein Abkommen geschlossen und dabei ausgehandelt haben würden, wieviel Tore sie dem einen oder anderen zubilligten. Die Grundlage aller Marktwirtschaft bleibt die Freiheit des Wettbewerbs." (1963)
Quellen:
1946: "Freie Wirtschaft und Planwirtschaft", Die Neue Zeitung, 14.10.1946
1948: "Der neue Kurs", Rundfunkansprache, 21.6.1948
1953: "An die eigene Kraft glauben", Rede bei der Eröffnung der Technischen Messe Hannover, 26.4.1953
1956: "Selbstverantwortliche Vorsorge für die sozialen Lebensrisiken", Versicherungswirtschaft, Januar 1956
1957a: "Die Wirtschaftsordnung für freie Menschen", FAZ 1.6.1957
1957b: "Wohlstand für alle", 1957
1958: "Nicht alles zur gleichen Zeit", Rundfunkansprache, 13.1.1958
1963: Regierungserklärung 18.10.1963
1965: Regierungserklärung 10.11.1965
1976: Rede als Alterspräsident des Deutschen Bundestages, 14.12.1976
1977: Rede zum 80. Geburtstag, 4.2.1977
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