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06. Aug 2008

Leitartikel
Was Deutschland von den Schweden lernen kann

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In einem Aufsatz fordert INSM-Berater Professor Dieter Lenzen die Politik auf, mehr für die Bildung zu tun. Statt Streitereien müsse man in die Zukunft investieren und sich ein Beispiel an Schweden nehmen, so der Präsident der Freien Universität Berlin.

Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin
  • Dieter Lenzen, Präsident der Freien Universität Berlin

Bildung, so Lenzen, ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für mehr Wachstum. Am Beispiel Schweden zeigt Lenzen, wie wichtig Bildung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung tatsächlich ist.

Offensichtlich befinden sich viele Bildungspolitiker noch in den Sommerferien. Anders ist es kaum zu erklären, daß im Bundestagswahlkampf Bildung und Forschung stiefmütterlich behandelt werden. Die Parteien hoffen wohl, auf anderem Terrain zu punkten: Arbeit, Steuern, Rente. Doch Bildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für mehr Wachstum. Und ohne Wachstum ist keins der zentralen Probleme zu lösen.

Es gibt Länder, die diese Lektion gelernt haben. Ein Beispiel ist Schweden. Das Land findet sich seit Jahren in den Spitzengruppen der internationalen Schulleistungsvergleiche wieder. Die hohen Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung gehen einher mit einem überdurchschnittlichen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Zwischen 1996 und 2004 wuchs die schwedische Wirtschaft durchschnittlich mit 2,7 Prozent - fast doppelt so stark wie in Deutschland. Der Lebensstandard liegt in Schweden inzwischen um sechs Prozent höher als bei uns.

Erfolgsrezept der Schweden war ein Reformkurs seit Anfang der 90er Jahre, der neben Lohnzurückhaltung, Haushaltssanierung und Steuersenkungen vor allem ein klares Bekenntnis zur Bildung von Humankapital vorsah.

Schwedens Bildungsausgaben liegen seit Jahren weit über dem Durchschnitt der OECD-Staaten - dies gilt sowohl für den schulischen als auch für den universitären Bereich. Konsequent setzen die Schweden auf lebenslanges Lernen. In der Vorschule werden Zweijährige schon an Lesen und Rechnen herangeführt. Die enge Betreuung setzt sich in den weiterführenden Schulen fort. Die Grundschulen haben viele Freiräume für selbstorganisiertes Lernen, in denen Lehrer und Schüler gemeinsam über die Entwicklung von Lehrplänen und Unterricht beraten. Leistungsbezogene Entlohnung für Lehrer ist üblich, genauso wie eine regelmäßige Überprüfung der Leistungen. Dazu gehören Schulinspektionen und nationale Tests in allen Altersstufen. Die Folge: Weit über 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler erlangen die Hochschulreife, in Deutschland ist es gerade einmal die Hälfte. Entsprechend höher fallen die Studierendenquoten aus. Auch dies ist eine Voraussetzung für den Erfolg der forschungsintensiven Branchen in Schweden. Der Staat fördert zudem Ausbildungskonten, mit denen Arbeitnehmer gezielt auf Weiterbildungen sparen können.

Viele dieser Reformen wurden nicht in Zeiten wirtschaftlicher Stärke, sondern eher in der Krise eingeleitet. Der Mut wurde mit Wirtschaftswachstum und einem florierenden Arbeitsmarkt belohnt. Viele gute Ideen aus dem Ausland können wir schnell auch hier in Deutschland umsetzen, für andere braucht es hingegen mehr Geld, eine bessere Grundausstattung der Schulen und der Universitäten. Wer sich traut, veraltete Subventionen zu streichen, den Haushalt zu sanieren und die freigewordenen Mittel in die Bildung zu investieren - der stellt die Weichen für die Zukunft. Vielleicht kommt der eine oder andere Bildungspolitiker nach seinem Sommerurlaub in Schweden ja mit ähnlichen Ideen zurück.

In der Studie "Vision D" untersucht die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, wie Schwedens Erfahrungen auf Deutschland zu übertragen wären.