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11. Aug 2018

Standpunkt zu Digitalpakt
Computer statt Pädagogik?

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Deutschland verpasst beim Thema digitale Bildung den Anschluss in Europa. Der Digitalpakt von Bund und Ländern ist daher eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für bessere Schulbildung. Eine stärkere digitale Ausstattung der Schulen garantiert alleine noch keinen Lernerfolg! Ein Standpunkt von INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr.

Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.
  • Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Die Welt digitalisiert sich, Deutschland sucht den Anschluss. Das trifft zumindest auf die Bildung zu. Dort, wo der Grundstein für Aufstieg und Teilhabe gelegt wird, in der Schule, ist Deutschland alles andere als spitze. Nur 6,5 Prozent der Achtklässler besuchen Schulen, in denen Tablets für den Unterricht zur Verfügung stehen. Im EU-Durchschnitt sind es 15,9 Prozent. Und nur für 12,1 Prozent der Schulleitungen in Deutschland besitzt die Fortbildung ihrer Lehrer zu digitalen Themen eine hohe Priorität (EU-Durchschnitt: 43,4 Prozent). Die Folge: In der letzten PISA-Erhebung über die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien in der Schule liegt Deutschland im Vergleich der 47 teilnehmenden Länder auf Platz 44!

Die digitale Schulbildung in Deutschland hat also reichlich Luft nach oben. Insofern begrüßt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) den Digitalpakt der Bundesregierung, der ein Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro haben soll, davon 3,5 Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode. Bei Ausgaben des Staates von 60 Milliarden Euro pro Jahr für Schulen ist dies eine sehr relevante Größe.

Ob das Geld zu besseren Bildungsergebnissen führen wird, ist aber offen. Die Wissenschaft ist sich nämlich einig, dass eine bessere digitale Ausstattung allein nicht automatisch positive Effekte auf den Lernerfolg hat. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Das IW hat für die INSM den Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit und Nutzung von Computern in der Schule und den Kompetenzen der Schüler in den Bereichen Mathematik und Naturwissenschaften untersucht. Erschreckendes Ergebnis: Die Korrelation ist negativ. „Die Ausstattung der Schule mit Informations- und Kommunikationstechnologien weist einen signifikant negativen Zusammenhang zu den Kompetenzen in Mathematik und in den Naturwissenschaften auf“, heißt es in der Studie, welche die INSM als Auszug des nächste Woche erscheinenden INSM-Bildungsmonitors 2018 bereits heute veröffentlicht hat. „Insgesamt kann gefolgert werden, dass Informations- und Kommunikationstechnologien in deutschen Schulen gegenwärtig anscheinend noch nicht so eingesetzt werden, dass sie zu höheren Kompetenzen der Schüler führen. Es kommt also nicht nur auf die Infrastruktur, sondern auch auf pädagogische Konzepte und Kompetenzen an”, so Studienleiter Prof. Dr. Axel Plünnecke. 

Die empirische Wissenschaft belegt, was die Ordnungspolitik weiß: Gute Bildung braucht die Zuordnung von Verantwortlichkeiten. Das funktioniert in der föderalen Bildungspolitik häufig nicht. Die Gemeinden sind für Schulgebäude, die Länder für die Lehrer zuständig, und der Bund will in Zukunft ebenfalls mitmischen, indem er Geld für digitale Bildung gibt. Daraus wird nur eine Erfolgsgeschichte werden, wenn die Räder ineinandergreifen, wenn Kompetenzen geregelt und Ergebnisse kontrolliert werden können. Das Konzept zum Digitalpakt Schule von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek weist hier in die richtige Richtung: Mit der zunehmenden Vernetzung der Schulen soll Vergleichbarkeit geschaffen werden, und am Ende könnten einheitliche Bildungsziele stehen. 

Bundesweit einheitliche Abschlussprüfungen wären ein Meilenstein im deutschen Bildungsföderalismus. Das fordern auch 90 Prozent der Deutschen. Die Politik sollte sich dieser Mehrheit in den Weg stellen, schon um endlich für einen fairen Hochschulzugang zu sorgen! Beispielsweise könnte ein Staatsvertrag zwischen Bund und Ländern hierfür die Voraussetzung schaffen.

Vergleichbare Schulergebnisse sind ein erster Schritt. Ein zweiter muss folgen. Die Schulen brauchen mehr Freiheiten, um sich verändern und dadurch besser werden zu können. Mehr Autonomie für die Schulleitungen ist deshalb zwingend für bessere Bildungsangebote. Dann würden auch nicht nur Schüler, sondern auch Lehrer stetig weiter gebildet werden – nicht zuletzt im pädagogischen Einsatz digitaler Medien. 

Vereinheitlichung und Wettbewerb sind also kein Widerspruch, sondern zwei Seiten einer Medaille: Durch Vergleichbarkeit von Schulabschlüssen werden Unterschiede in den Bildungsergebnissen transparent, und durch mehr Eigenverantwortung der Schulen bekäme jede Bildungseinrichtung die Möglichkeit, sich gegenüber Mitbewerbern zu verbessern. Hier liegt der Schlüssel für weltbeste Bildungsangebote. Freilich gilt auch: Der Wettbewerb darf nicht über den Geldbeutel der Eltern ausgetragen werden. Schulbildung muss weiter von der Gesellschaft finanziert werden. Mehr noch: Wir müssen verstärkt darüber nachdenken, dass Schulen mit höheren Anteilen von Kindern aus schwierigen Verhältnissen mehr Geld erhalten.

Denn die Schulbildung ist der wesentliche Hebel für Wohlstand. Für jeden Einzelnen wie für die Gesellschaft. Wenn es uns heute nicht gelingt, die Möglichkeiten der Digitalisierung optimal in die Schulbildung zu integrieren, fehlen uns morgen die Fähigkeiten für ein gutes Leben in einer sich zunehmend schnell verändernden Welt.