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09. Mai 2005

Bildung
Setzen, nicht ausreichend - OECD-Studie zum deutschen Bildungssystem

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Eine Studie der OECD verteilt nur mäßige Noten an die deutschen Lehrer und Bildungseinrichtungen.

Irgendwie hatte man immer schon vermutet, was jetzt von einer Expertenkommission bestätigt wurde: Die Lehrer in Deutschland sind im internationalen Vergleich vielfach älter als ihre Kollegen im Ausland, sehr gut bezahlt und müssten mehr für ihre Fortbildung tun. In einem Bericht über das deutsche Schulsystem kommt die OECD zu einem vernichtenden Urteil: Es gehört, so die internationalen Experten in "ein längst vergangenes ökonomisches und gesellschaftliches System".

In diesem System arbeiten, so die Studie, Lehrer, denen es häufig an sozialer Kompetenz fehlt und die sich als Einzelkämpfer in der Wissensvermittlung bemühen. Als Gründe haben die OECD-Gutachter die Tatsache ausgemacht, dass in Deutschland weder Lehrer noch Schulen Rechenschaft darüber ablegen müssen, was sie leisten oder ob sie ihre Ziele überhaupt erreichen. Ebenfalls im Visier der Gutachter: der Beamtenstatus der Lehrer, den man sonst nirgendwo findet. Nach Meinung der Experten steht er einer Professionalisierung des gesamten Berufsstandes entgegen. Eine leistungsgerechte, flexiblere Bezahlung, so ihre Vermutung, könnte an deutschen Schulen durchaus mehr Engagement erzeugen.

Vor allem die in ihrer Form weltweit einmalige Einteilung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium ist in das Visier der Expertengruppe geraten. Der schwedische Erziehungswissenschaftler Mats Ekholm, Mitglied der Expertengruppe, sieht Deutschland mit der Dreigliederung "auf dem Weg in eine alte Zeit". Durch die Barrieren zwischen den verschiedenen Schulformen sieht Ekholm zudem eine Spaltung der Lehrer in verschiedene Interessengruppen, was schließlich zu einem "versteinerten Schulalltag" führe.

Wobei dieser Alltag auch durch viel zu große Schulklassen und weniger Unterrichtsstunden als in vielen anderen Industriestaaten gekennzeichnet wird. Und am Ende erzeugt das deutsche Bildungssystem viel zu wenige Abiturienten und Akademiker. Im Durchschnitt der OECD-Staaten erreichen heute 32 Prozent eines Jahrgangs einen Hochschulabschluss. In Deutschland sind es gerade 19 Prozent.

Der Unterricht wird zudem von Lehrern erteilt, von denen die meisten das 50. Lebensjahr hinter sich gelassen haben. Älter sind Lehrer nur noch in Italien. Diese Überalterung hat Folgen. Inzwischen leidet jeder dritte Lehrer wegen ständiger Überlastung am Burn-out-Syndrom. Im Jahr 2001 erreichten gerade sechs Prozent der Lehrer die Pensionsgrenze von 65 Jahren.

Gegenüber Reformen bescheinigt die Studie den deutschen Schulen eine "grundsätzliche Offenheit". Auf der anderen Seite wird aber kritisiert, dass diese Reformen den Ländern "im Alleingang überlassen" bleiben. Und als besonders schlecht beurteilen die Gutachter die fehlende Abstimmung zwischen Erstausbildung und Weiterbildung der Lehrer. "Geballte Ladung in der ersten und zweiten Phase der Lehrerausbildung und dann nichts mehr bis zur Pensionierung", heißt es in dem Protokoll.

Für den OECD-Bildungsgexperten Andreas Schleicher ist der während der achtziger und neunziger Jahre in der deutschen Bildungspolitik eingetretene "Stillstand" für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Positiv ist zwar die inzwischen eingetretene Trendwende, doch haben andere Staaten eine wesentlich höhere Geschwindigkeit eingeschlagen, was sich auch bei den Investitionen zeigt: Im Jahr 2002 investierten die OECD-Staaten im Durchschnitt 21 Prozent mehr in ihre Schulen als im Vorjahr. Bei den Universitäten lag die Steigerung bei 30 Prozent. In Deutschland stiegen diese Ausgaben um sechs beziehungsweise sieben Prozent.

Dass die Bundesregierung jetzt den Ausbau der Ganztagsschulen mit vier Milliarden Euro fördert, sieht Schleicher als "entscheidende Reform".

Bei so viel Schatten bleibt die Frage nach ein wenig Licht. Gute Noten gab es für die hohe Zahl der jungen Menschen, die Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen. In Deutschland liegt dieser Wert mit 83 Prozent wesentlich über dem OECD-Durchschnitt mit 68 Prozent. Und: Ein Drittel der Hochschulabsolventen stammt aus den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen. Bei diesen Fächern liegt Deutschland hinter Südkorea auf dem zweiten Platz.