Bitte aktualisieren sie ihren Browser, dass diese Webseite korrekt angezeigt wird.

Aktuelle Fotos
der INSM
Alle Fotos

Feed konnte nicht
geladen werden

04. Aug 2016

Prinzip: Freiheit
"Nichts ist wichtiger als die Freiheit"

415 0 5

"Die Freiheit ist das allerwichtigste an der Marktwirtschaft", sagt Ökononie-Professor Ulrich van Suntum. Sie umfasst nicht nur das Recht mit jedem freie Vereinbarungen treffen zu können (z. B. Kauf-, Miet- oder Arbeitsverträge), sondern auch die freie wirtschaftliche Betätigung als Arbeitnehmer oder Unternehmer. - Warum Freiheit ein zentrales Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft ist.

Ulrich van Suntum ist Volkswirt und lehrt seit 1995 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Außerdem ist er Botschafter der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Sein Buch "Die unsichtbare Hand" ist eine Leseempfehlung für alle, die volkswirtschaftliche Zusammenhänge ohne fachspezifische Vorbildung verstehen möchten.

 

Warum Marktwirtschaft Freiheit und Freiheit Marktwirtschaft braucht

Im Herbst 1989 ist die wirtschaftliche Lage im Osten Deutschlands so desolat, dass viele Menschen nur noch Spott übrig haben. Zum Beispiel Witze wie diesen: Kommt eine Frau in ein Geschäft und fragt den Verkäufer: „Haben Sie Bettwäsche?“ Der Verkäufer antwortet gelangweilt: „Wir haben keine Handtücher, keine Bettwäsche gibt es nebenan.“

Viele Produktionsanlagen seien marode, es sei viel zu wenig investiert worden, so das Ergebnis einer Analyse des DDR-Politbüros vom 31. Oktober 1989. Bei der Arbeitsproduktivität liege die DDR 40 Prozent hinter der Bundesrepublik. Was zu Zeiten der DDR als Wirtschaftsform eingeführt wurde, die Krisenfestigkeit und Vollbeschäftigung garantieren sollte, erwies sich in der Realität als Paradebeispiel dafür, dass eine zentral gesteuerte Wirtschaft – die Planwirtschaft – zum Scheitern verurteilt ist.

Regulierung unterdrückt Anreize

Die Pläne von Unternehmen und Haushalten haben sich nach dieser Wirtschaftsidee den Plänen des Staates unterzuordnen. Damit haben sie weder Anreize zu investieren noch zu forschen oder zu entwickeln. Der Staat selbst lenkt Forschung, Investitionen und Bildung mittelbar. Da er als politische Institution aber vielfach andere Zielsetzungen als die Wirtschaftssubjekte hat, kann das Ergebnis aus wirtschaftlicher Sicht nicht optimal sein.

So hat die DDR-Regierung massiv versucht, das politische System über Subventionen zu stärken. Mieten, Lebensmittelpreise und Tarife für öffentliche Verkehrsmittel blieben dadurch niedrig. Der Brötchenpreis etwa lag konstant bei 5 Pfennig, obwohl die Getreidepreise drastisch stiegen. Die Subventionen kletterten von acht Milliarden Mark der DDR im Jahr 1970 auf 58 Milliarden im Jahr 1989 – etwa ein Sechstel der Wirtschaftsleistung. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsverschuldung enorm und viele Produkte für die DDR-Bürger durch die staatliche Angebotssteuerung nahezu unerreichbar waren.

Freie Märkte fördern Wohlstand

Das Beispiel der DDR zeigt, wie wichtig die Freiheit der Akteure in einem Wirtschaftssystem ist. Wenn Konsumenten und Produzenten frei entscheiden können, was und wie viel produziert, konsumiert, gespart und investiert wird und ihre Entscheidungen über die Märkte mit frei auf Angebot und Nachfrage reagierenden Preisen abstimmen können, führen ihre Entscheidungen in der Gesamtheit zu mehr Wachstum und Wohlstand. Dann lohnt es sich beispielsweise für Unternehmen, auf neue Bedürfnisse zu reagieren und in neue Technologien zu investieren, weil sie mit Innovationen am Markt entsprechend hohe Preise erzielen können. Die Konsumenten haben damit eine größere Angebotsvielfalt, die Unternehmen erschließen neue Märkte, es entstehen neue Arbeitsplätze, und das Gesamteinkommen steigt.

Freiheit ist damit der Schlüssel zum Grundgedanken der Sozialen Marktwirtschaft. Als Wirtschaftsordnung betont sie die Freiheit des Einzelnen, die durch individuelle Freiheits-, Eigentums- und Verfügungsrechte geschützt wird.

In einem freiheitlichen System haftet der Einzelne aber auch für die Folgen seiner Handlungen. Der Staat muss die Chancengleichheit im Wettbewerb sicherstellen, damit die Menschen ihre Entfaltungsspielräume nutzen können, um den eigenen Unterhalt zu sichern. Wem das aus nicht selbst zu verantwortenden Gründen unmöglich ist, dem hilft der Staat durch Transferzahlungen.

Der Erfolg der Sozialen Marktwirtschaft gründet im Wesentlichen auf Prinzipien, die allen Beteiligten Freiheit ermöglichen:

  • Freiheit des Individuums: Die Freiheit der wirtschaftlichen Aktivitäten, die freie Berufswahl, die Gewerbefreiheit und weitere Freiheiten ermöglichen dem Einzelnen, seine Stärken zu entwickeln und zu nutzen.
  • Wettbewerb auf freien Märkten: Der freie Wettbewerb ermöglicht die Erfüllung jedes Bedürfnisses, für das eine Zahlungsbereitschaft besteht.
  • Staatliche Rahmenbedingungen: Der Staat setzt die Rahmenbedingungen für das Funktionieren der freien Sozialen Marktwirtschaft. Damit der Ausgleich von Angebot und Nachfrage ungehindert stattfinden kann, sorgt der Staat unter anderem für Geldwertstabilität, einen wettbewerbsrechtlichen Rahmen und Verbraucherschutz. Mit der Rechtsordnung schafft er die Grundlage für die freien wirtschaftlichen Entscheidungen des Einzelnen. Der Staat beschränkt diese Freiheit allerdings, wenn die Allgemeinheit durch die Konsequenzen gefährdet ist.

Unmittelbarer Informationsaustausch, schnelle Anpassung

Unter diesen Bedingungen ist die freie Marktwirtschaft der Planwirtschaft eindeutig überlegen: Die Märkte können Informationen schneller und effizienter verarbeiten. Sie passen sich an laufend wechselnde Pläne, Wünsche und Moden schneller und reibungsloser an, als es eine zentrale Behörde je könnte. Am Markt entstehen Ideen, die durch den unmittelbaren Austausch von Informationen optimal gefördert werden. Beim Informationsaustausch über den Staat als dritte Instanz gehen dagegen wichtige Informationen verloren. Das „Such- und Entdeckungsverfahren“ (Friedrich A. von Hayek) kann sich daher nur auf freien Märkten entfalten. 

Serie "Ökonomie in 90 Sekunden"

 Wer sind berühmte ökonomische Denker? Was haben, was hatten sie zu sagen? Was sind ihre zentralen Erkenntnisse? Inwiefern prägen sie unser Leben und Denken? - "Ökonomie in 90 Sekunden" heißt eine Video-Serie, in der solche Persönlichkeiten vorgestellt werden. Gezeichnet und produziert wird "Ökonomie in 90 Sekunden" vom Moga Mobo Studio aus Berlin. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Wirtschaftswissenschaftler Ulrich van Suntum. 

 

Quellen und vertiefende Links

  • Niederrheinische Industrie- und Handelskammer (Hrsg.): Erfolg und Fortschritt durch Leistung und Wettbewerb: Die Grundprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft, 2000 Rolf H. Hasse, Friedrun Quaas (Hrsg.): Wirtschaftsordnung und Gesellschaftskonzept, 2002