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Zeitarbeit ist nur ein kleiner Teil des Arbeitsmarktes, aber ein wichtiger: Berufseinsteiger und Geringqualifizierte erhalten durch Zeitarbeit die Chance auf den (Wieder-)Einstieg in Arbeit. Unternehmen können durch den Einsatz von Zeitarbeitern ihre Produktionskapazitäten an die Schwankungen der Nachfrage anpassen und organisches Wachstum absichern. Zusätzliche Regulierung der Arbeitnehmerüberlassung gefährdet jedoch das bewährte Erfolgsmodell.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert,

  • auf die Festlegung einer gesetzlichen Überlassungshöchstdauer von 18 Monaten für Zeitarbeiter zu verzichten. Durch eine Überlassungshöchstdauer fielen viele Arbeitskräfte anschließend zurück in die Arbeitslosigkeit. Zudem würde die Flexibilität der Einsatzunternehmen eingeschränkt werden.
  • auf weitere gesetzliche Vorgaben hinsichtlich der Gleichbezahlung nach 9 Monaten von Zeitarbeitern zu verzichten. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften haben gemeinsam das Prinzip „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ auf tariflicher Ebene bereits umgesetzt. Ein gesetzliches „Equal Pay“ nach 9 Monaten ist nicht nur weniger differenziert als die tarifliche Lösung, sondern untergräbt auch die bewährte Tarifautonomie.

Zeitarbeit ist ein kleiner aber wichtiger Teil des Arbeitsmarkts.

Ende des vergangenen Jahres waren eine Million Menschen in dieser Branche tätig, was einem Anteil von knapp 3 Prozent an allen Arbeitnehmern entspricht. Vor allem Beschäftigungslose profitieren: 64 Prozent der neu abgeschlossenen Zeitarbeitsverhältnisse im zweiten Halbjahr 2014 wurden mit Personen geschlossen, die zuvor keine Beschäftigung ausgeübt haben oder noch nie beschäftigt waren. Beschäftigte in der Zeitarbeit sammeln durch ihren Einsatz in verschiedenen Unternehmen wichtige Praxiserfahrungen. Sie erwerben außerdem jobspezifisches Fachwissen. Das verbessert die langfristigen Beschäftigungsperspektiven.

Für Geringqualifizierte ist die Zeitarbeit eine vielversprechende Möglichkeit, am Arbeitsmarkt teilzuhaben. Fast 30 Prozent der Zeitarbeiter verfügen über keine berufliche Ausbildung. Mehr als jede zweite Stelle in der Zeitarbeits-Branche ist eine „Helfer“-Position, für die meist keine abgeschlossene Berufsausbildung nötig ist. In der Gesamtwirtschaft liegt der Anteil an Hilfs-kräften dagegen nur bei 13 Prozent.

Für Unternehmen bietet Zeitarbeit die Möglichkeit flexibel auf Personalengpässe reagieren zu können. Eltern-, Urlaubs- oder Krankenzeiten können so überbrückt werden und konjunkturelle Auftragsschwankungen ausgeglichen werden.

Eine strengere Regulierung erschwert nicht nur vielen Geringqualifizierten den (Wieder-)Einstieg, sondern gefährdet obendrein noch Jobs in der Stammbelegschaft. Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Zeitarbeit mit einer Erhöhung der Erwerbstätigenzahl insgesamt einhergeht.

Tarifautonomie schützen

Die Tarifabdeckung liegt in der Zeitarbeit praktisch bei 100 Prozent. Die Vereinbarungen der Sozial-partner sind allgemeingültigen Gesetzen in ihrer Praxistauglichkeit überlegen. Dennoch plant die Große Koalition gesetzliche Regelungen, die die Zeitarbeit einschränken.

Falls es zu einer Neuregelung kommen sollte, müssen die geltenden Tarifverträge durch eine Tariföffnungsklausel erhalten bleiben.

Neuregelung der Überlassungshöchstdauer nicht notwendig

Die Einführung einer gesetzlichen Überlassungs-höchstdauer von 18 Monaten für Zeitarbeiter ist überflüssig. Nach Einführung des „Equal-Treatment“ im Jahre 2003, wurde die Überlassungshöchstdauer von der damaligen rot-grünen Bundesregierung abgeschafft. Mit dem „Equal-Treatment“ war und ist gemeint, dass Zeitarbeiter – sofern tarifvertraglich nichts anderes vereinbart wird – in Deutschland dieselben Arbeitsbedingungen haben müssen wie die Stammbelegschaft des Betriebs, in dem sie eingesetzt werden. Diese Regelung ist auch heute noch gültig. Zudem gibt es in vielen Branchen bereits tarifliche Vereinbarungen zur Überlassungsdauer. Eine besondere Schutzbedürftigkeit der Zeitarbeitnehmer besteht nicht mehr. Zeitarbeit ist gute Arbeit.

Die Regulierung der Überlassungshöchstdauer ist nicht nur unnötig, sondern auch schädlich. Eine Überlassungshöchstdauer darf sich nur auf die jeweilige Zeitarbeitskraft und nicht auf den Arbeitsplatz beziehen. Die Regulierung der Einsatzdauer von Zeitarbeitern für einen bestimmten Arbeitsplatz ist ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit und daher unzulässig. Zudem müssen tarifliche Ausnahmeregelungen möglich sein.

Tarifliche „Equal Pay“ Regelung schon vorhanden

Der Koalitionsvertrag sieht zudem vor, „dass Zeitarbeitnehmerinnen und Zeitarbeitnehmer künftig spätestens nach 9 Monaten hinsichtlich des Arbeitsentgelts gleichgestellt werden.“

Bereits in den Jahren 2012 und 2013 schlossen die Tarifpartner zu den bestehenden Tarifverträgen in der Zeitarbeit ergänzende Zuschlagstarife ab, um der Forderung nach Gleichbehandlung der Zeitarbeiter mit der Stammbelegschaft gerecht zu werden. Danach bekommen Zeitarbeiter nach Einsatzzeiten gestaffelte Zuschläge von bis zu 50 Prozent auf ihren tariflichen Lohn.

Gemeinsam in die Zukunft – für ein weiterhin starkes Deutschland

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist in hervorragender Verfassung. Ein Grund für die positive Lage ist unter anderem die Flexibilisierung durch die Agenda 2010. Allein zwischen 2005 und 2014 sind in Deutschland fast vier Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Eines der wirkungsvollsten Instrumente der Agenda 2010 war die Stärkung der Zeitarbeit. Seit 2002 hat die Branche mehr als 500.000 Jobs geschaffen. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung gefährden diese Erfolgsgeschichte. Auf eine Neuregelung der Arbeitnehmerüberlassung sollte daher verzichtet werden.

Weitere Informationen

Quellen:

Bundesagentur für Arbeit,
Der Arbeitsmarkt in Deutschland – Zeitarbeit – Aktuelle Entwicklungen,
Juli 2015

Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA),
Einstieg in Beschäftigung nicht verbauen,
März 2015

Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI),
Durchlässiger Arbeitsmarkt durch Zeitarbeit,
Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, 2012

Institut der deutschen Wirtschaft Köln,
Die Zukunft der Zeitarbeit zwischen Re-Regulierung und qualitativer Weiterentwicklung,
2015