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17. Feb 2016

Investitionsbedingungen verbessern
INSM-Position Wachstum

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Deutschland ist aktuell die Wachstumslokomotive Europas. Doch damit das in Zukunft so bleibt, müssen jetzt die Weichen richtig gestellt werden. Das Wachstum von morgen braucht heute die richtigen politischen Entscheidungen.

Wohlstand entsteht aus Wirtschaftskraft. Nur wenn die Wirtschaft wächst, steigt auch der Wohl­stand. Doch Unternehmen investieren seit Jahren nur zurückhaltend in neue Ausrüstung. Das bremst das Produktivitätswachstum und damit auch den Wohlstand. Die Gründe dafür liegen nur zum Teil in einer unsicheren weltwirtschaftlichen Entwicklung. Denn auch die Rahmen­bedingungen für Investoren in Deutschland haben sich verschlechtert.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert,

  •  die Standortkosten zu reduzieren: Nicht nur die Arbeitskosten, auch die Kosten für Energie in Deutschland sind im internationalen Vergleich sehr hoch. Allein die deutsche EEG-Umlage ist höher als der Industriestrompreis in den USA. Diese Sonderbelastung muss gesenkt werden.
  • das Versprechen einzulösen, Bürokratie und Vorschriften abzubauen.
  • die Grundlagen für künftiges Wachstum zu schaffen: Dafür muss beständig und effektiv in Straßen und Schienen investiert werden. Auch das Breitbandnetz muss ausgebaut werden. Dafür muss die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Deutschland hat ein Ausrüstungsproblem

Das weltwirtschaftliche Umfeld mit den viel­fach noch ungelösten Problemen der euro­päischen Wirtschaft dämpft den deutschen Außenhandel. Und auch die Investitionen sind wieder zurückgegangen, nachdem sie mit der schnellen Erholung Deutschlands von der Weltwirtschaftskrise bis 2011 gestiegen sind.

Seitdem hat Deutschland ein echtes Ausrüstungsproblem: 2012 sind die preis­bereinigten Investitionen in neue Maschinen, Geräte, Fahrzeuge und komplette Anlagen um drei Prozent zurückgegangen, 2013 um 2,4 Prozent. 2014 stiegen die Investitionen zwar wieder um drei Prozent. Das lag allerdings an einem starken ersten Quartal, nach dem die Ausrüstungsinvestitionen wieder deutlich zurückgingen.

Längste Phase ohne Kapitalaufbau seit 1991

Gemessen in realen Werten, also nach Abzug der Teuerung, stagniert das Bruttoanlagevermögen in Maschinen und Geräten bereits seit 2008. Das ist die längste Phase ohne einen Kapitalaufbau seit 1991. Diese Stagnation hat Folgen: kurzfristige für die Konjunktur, da die Nachfrage nach In­vestitionsgütern ausbleibt, aber auch langfristige, weit schwerwiegendere. Denn wird ein Produk­tionsfaktor über Jahre nicht ausgebaut und auch nicht ausreichend modernisiert, bremst dies das Wachstum unserer Produktivität. Und ohne Produktivitätswachstum entwickelt sich auch der Wohlstand nicht weiter.

Doch weshalb investieren die Unternehmen so zögerlich in Anlagen und Geräte? Ein konjunk­turelles Problem kann nicht der Grund sein, denn die Produktionskapazitäten waren in den vergangenen Jahren so hoch ausgelastet, dass das tatsächliche Wachstum um einen halben Prozent­punkt über dem schwachen Potenzialwachstum von gut ein Prozent lag. Das heißt, dass die Produktionsfaktoren nicht nur normal ausgelastet waren, wie die Bundesbank bei der Berechnung des Potenzialwachstums annimmt, sondern darüber hinaus.

Weltwirtschaftliche Unsicherheit und inländische Politik bremsen Investitionen

Die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln vom Herbst 2014 gibt Aufschluss uber die Ursachen der stagnierenden Investitionstätigkeit. So gaben 52 Prozent der Unternehmen eine hohe weltwirtschaftliche Unsicherheit als starkes Investitionshemmnis an. Dahinter steht die Ungewissheit darüber, wie der UkraineKonflikt ausgeht, aber auch das schwächelnde Wachstum in den großen Schwellenländern, das vor allem die Exportindustrie beim Thema Investitionen zögern lässt. Und auch die zögerlichen Strukturreformen in vielen Ländern lassen eine lange Phase schwachen Wachstums erwarten. Das dämpft die Investitionsanreize deutscher Unternehmen zusätzlich.

Fast genauso groß sind die Investitionshemmnisse durch inländische Politik. So sehen 50 Prozent der befragten Unternehmen die hohen Energiekosten als starkes Investitionshemmnis, gefolgt von hohen Regulierungen wie dem Arbeitsrecht (47 Prozent), hohen Arbeitskosten (46 Prozent) und hoher Bürokratie, beispielsweise bei Genehmigungsverfahren (43 Prozent).

Politik schafft zusätzliche Kosten statt Investitionsanreize

Diese Umfrageergebnisse belegen, dass die meisten von der Großen Koalition beschlossenen Maßnahmen die unternehmerischen und damit auch die investiven Rahmenbedingungen in Deutschland verschlechtert haben. Frühverrentung, Mindestlohn und die geplante strengere Regulierung der Zeitarbeit sind nur ein paar Beispiele, mit denen die Politik zusätzliche Kosten für die Unternehmen schafft. Gleichzeitig senkt sie damit die Erträge aus Investitionen.

Was wir jetzt brauchen, sind deshalb nicht teure Investitionsprogramme durch den Staat. Vielmehr sollte die Politik sich das Ziel setzen, die Angebotsbedingungen für Unternehmen in Deutschland wieder zu verbessern. Das erhöht auch die Investitionsanreize. Und mindert über internationale Wertschöpfungsketten auch die Unsicherheit der weltwirtschaftlichen Lage. Vor allem unsere europäischen Partnerländer werden als Produktionspartner vom Wachstum in Deutschland profitieren.

Weitere Informationen

Quellen:

Hubertus Bardt, Michael Grömling, Michael Hüther:
Schwache Unternehmensinvestitionen in Deutschland? Diagnose und Therapie,
IW policy paper 4/2015, IW Köln.

Institut der deutschen Wirtschaft Köln:
Der Wohlstand wird ausgebremst,
iwd – Nr. 4 vom 22. Januar 2015.

Michael Hüther:
In der Wellblechkonjunktur,
Statement vom 17. November 2014 zur IW-Konjunkturumfrage Herbst 2014, IW Köln

Statistisches Bundesamt:
Gesamtrechnungen – Beiheft Investitionen,
4. Vierteljahr 2014

Bastian Alm, Martin Meurers:
Wesentliche Fakten zur „Investitionsschwäche“ in Deutschland,
Wirtschaftsdienst, Nr. 1, S. 24–31, 2015

Deutsche Bundesbank, 2014a,
Neuschätzung des Produktionspotenzials der deutschen Wirtschaft,
in: Monatsbericht, Nr. 12, S. 28–30

Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung / Handelsblatt Research Institute:
Private Investitionen in Deutschland,
Berlin / Düsseldorf, 2014