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16. Feb 2016

Erfindergeist stärken
INSM-Position Innovation

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Deutschland ist ein Hochlohnland. Der Erfolg resultiert nicht daraus billiger zu produzieren, sondern die besten Produkte zu entwickeln. Damit dies so bleibt, müssen die besten Rahmenbedingungen für Innovationen geschaffen werden.

Innovationen bringen Fortschritt: Sie treiben das Wirtschaftswachstum an, schaffen Arbeits- plätze und erhöhen den Wohlstand. Um im globalen Wettbewerb mitzuhalten, braucht eine hochentwickelte Volkswirtschaft daher gute Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung. Dazu zählen vor allem hochqualifizierte Arbeitskräfte, eine gute Infrastruktur und ausreichende Freiräume für Erfinder.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert,

  • dem Fachkräftemangel entgegenzutreten. Das ist besonders wichtig in den MINT-Berufen, die für eine überdurchschnittlich hohe Innovationskraft stehen.
  • die Infrastruktur zu stärken. Denn Straßen, Schienen, Brücken und Breitbandnetze legen die Grundlage für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft.
  • Innovationsbremsen auszuräumen – zum Beispiel über den Abbau von Bürokratie.

Innovationen erhöhen die Beschäftigung

Technischer Fortschritt ist der wichtigste Treiber für das Wachstum in hochentwickelten Industrie­staaten. Neue Produkte helfen Unternehmen dabei, Kunden zu gewinnen und Märkte zu er­schließen. Verbesserte Produktionsverfahren senken die Kosten und machen Firmen inter national wettbewerbsfähig. Innovationen schaffen auf diese Weise neue Arbeitsplätze: Wie empirische Untersuchungen zeigen, steigt die Mitarbeiterzahl von forschungsstarken Unternehmen in der Regel überdurchschnittlich schnell.

Die deutsche Wirt­schaft ist sich der Vorteile bewusst und investierte zuletzt mit mehr als 144 Milliarden Euro im Jahr so viel wie noch nie zuvor in neue Produkte und Prozesse. Die Innovationen machen sich nicht nur in den jeweiligen Betrieben positiv bemerk­bar. Sie nutzen der gesamten Volkswirtschaft. Der Zusammenhang ist eindeutig: Je größer die Investitionen in Forschung und Entwicklung, umso schneller steigt die gesamtwirtschaftliche Produktivität – und damit auch das Wirtschafts­wachstum.

Zentraler Bestandteil der Wirt­schaftspolitik muss es daher sein, die Rahmen­bedingungen für Innovationen zu verbessern. Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt ein Blick auf mittelständische Unternehmen. Zwar erhöhten sie in den vergangenen Jahren die Gesamtausgaben für Forschung und Entwick­lung. Die Innovatorenquote – also der Anteil der Firmen, die an Innovationen arbeiten – geht aber seit Jahren zurück.

Kein Fortschritt ohne passende Fachkräfte

Besonders der zunehmende Fachkräftemangel behindert die Innovationstätigkeit. Denn einerseits benötigen Wirtschaft und Wissenschaft hochqualifiziertes Personal wie Ingenieure und Forscher, um Innovationen überhaupt zu entwickeln. Andererseits sind gut ausgebildete Beschäftigte notwendig, um die zunehmend komplexer werdenden Produkte und Prozesse anzuwenden. Investitionen in das Bildungssystem sind daher unabdingbar.

Eine hohe Bedeutung kommt den sogenannten MINT-Fachkräften aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zu: Branchen mit einem hohen Anteil an MINT-Mitarbeitern sind im Schnitt deutlich innovationsfreudiger als andere Wirtschaftszweige. Eine wichtige innovationsund bildungspolitische Aufgabe besteht daher darin, die Basis an MINT-Arbeitskräften nachhaltig zu stärken. Dafür ist es notwendig, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, mehr junge Menschen für MINT-Ausbildungen zu gewinnen und die Zuwanderung zu erhöhen. Andernfalls droht bis zum Ende des Jahrzehnts ein Mangel an 1,3 Millionen MINT-Fachkräften.

Der Staat muss die nötige Infrastruktur bereitstellen

Auch über eine Verbesserung der Infrastruktur kann der Staat die Innovationskraft der Wirtschaft stärken. Eine herausragende Rolle spielen dabei Infrastrukturinvestitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie: Je höher die Vernetzung, umso schneller verbreiten sich neue Ideen in der Volkswirtschaft. Der Breitbandausbau muss daher vorankommen. Dafür muss der Staat die Rahmenbedingungen setzen.

Andere Infrastrukturprojekte darf er dabei aber nicht aus den Augen verlieren: Auch Straßen und Brücken leisten ihren Beitrag zur Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Noch hat Deutschland hier einen Standortvorteil. Damit das so bleibt, sind neue Investitionen nötig, für die es im Bundeshaushalt bei der richtigen Prioritätensetzung auch ganz ohne Steuererhöhungen ausreichenden Spielraum gibt.

Die wichtigste Voraussetzung für Kreativität bleibt jedoch die Freiheit. Sie belebt das unternehmerische Denken und ist Antrieb für Entdeckungsprozesse, die sich weder staatlich verordnen noch lenken lassen. Dem Gesetzgeber kommt vielmehr die Aufgabe zu, Märkte für neue Produkte zu öffnen und Bürokratie abzubauen, die aus Sicht von Unternehmern in vielen Fällen eine Innovationsbremse darstellt. Denn nur dort, wo es Freiräume gibt, besteht auch die Chance auf positiven Wandel.

Weitere Informationen

Quellen:

Aghion, Phillipe, Higher education and innovation, in:
Perspektiven der Wirtschaftspolitik,
Vol. 9, No. 3, S. 28–45, 2008

Bardt, Hubertus, et al.,
Die Infrastruktur in Deutschland, Zwischen Standortvorteil und Investitionsbedarf,
IW-Analysen, Nr. 95, Köln 2014

Bundesverband der Arbeitgeber (BDA),
Fachkräftemangel bekämpfen, Wettbewerbsfähigkeit sichern,
Berlin 2014

Crépon, Bruno, et al., Research,
Innovation, and Productivity: An Econometric Analysis at the Firm Level,
NBER Working Paper 6696, Cambridge 1998

Deutscher Industrie- und Handelskammertag:
Forschung und Innovation – Fachkräfte sichern, Forschungsförderung effizient gestalten,
Berlin 2015

Institut der deutschen Wirtschaft Köln:
MINT-Herbstreport 2014,
Köln 2014

KfW Research:
KfW-Innovationsbericht Mittelstand 2014,
Frankfurt am Main 2015

Koppel, Oliver,
Patente. Unverzichtbarer Schutz des geistigen Eigentums in der globalisierten Wirtschaft,
IW-Positionen, Nr. 48, Köln 2011

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung:
Mehr Vertrauen in Marktprozesse, Jahresgutachten 2014/2015,
Wiesbaden 2014

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung:
Innovationsverhalten der deutschen Wirtschaft,
Mannheim 2015

Zachariadis, Marios:
R&D, Innovation, and Technological Progress: A Test of the Schumpeterian Framework without Scale Effects,
in: Canadian Journal of Economics, 36. Jg., Nr. 3, S. 566–586, 2003