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06. Jul 2016

Leistungspotenziale heben
INSM-Position Bildung

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Wer Chancengerechtigkeit verspricht, muss für eine gute und für alle zugängliche schulische, berufliche und wissenschaftliche Ausbildung sorgen. – Die Position der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zum Thema "Bildung".

Chancengerechtigkeit braucht eine gute und für alle zugängliche Bildung. Sie ist nicht nur grundlegend für den beruflichen Ein- und Aufstieg. Sie ist auch das zentrale Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft: Chancengerechtigkeit und die Möglichkeit zum gesellschaftlichen Aufstieg. Die Empirie zeigt: Bessere frühkindliche Bildung und Wettbewerb zwischen Schulen und Bundesländern könnte die Bildungsergebnisse in Deutschland deutlich verbessern.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert,

  • die Verbesserung der individuellen Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien und mit Migrationshintergrund; beim Übergang vom Kindergarten in die Grundschule sollten alle Kinder die gleichen Startbedingungen haben.
     
  • Förderung der akademischen Qualifizierung der Erzieher und Erzieherinnen sowie intensive Fortbildung. Neben dem Ausbau der Betreuungsplätze muss auch die Qualität verbessert werden.
     
  • Bundesweit vergleichbare Zwischen- und Abschlussprüfungen in Schulen. Externe Prüfungen machen die Akteure für das Erreichte verantwortlich und lassen Lernanstrengungen für andere sichtbar werden
     
  • Wahlfreiheit zwischen und mehr Selbstständigkeit für öffentliche Schulen. Eine erfolgreiche Bildungspolitik legt Standards fest, überlässt es aber den Schulen selbst, wie sie diese Standards am besten erreichen können.
     
  • Föderale Bildungsstruktur erhalten. Sie erlaubt, verschiedene Lösungen für bildungspolitische Ziele zu erproben und mit einander zu vergleichen.

Bildung schafft Chancengerechtigkeit und Wohlstand

Damit niemand in unserer Gesellschaft zurückbleibt, muss jeder die gleichen Start- und Entwicklungschancen im Bildungssystem haben. Das ist in Deutschland jedoch noch keineswegs Realität. So erreichen Kinder aus Zuwandererfamilien oder sozial schwierigen Verhältnissen deutlich seltener als andere einen Schul- oder Hochschulabschluss. Nur 9,3 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss hatten, strebten zwischen 2010 und 2012 die Hochschulreife an. Unter den Gleichaltrigen mit mindestens einem Elternteil mit Hochschulreife lag dieser Anteil bei 72 Prozent.

Gute Bildung befähigt Menschen zum selbstverantwortlichen Handeln und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Nur 2,6 Prozent der Personen mit Hochschulabschluss und rund 5 Prozent der Personen mit mittlerem Qualifikationsniveau wie etwa einer Berufsausbildung sind arbeitslos. Hingegen liegt die Arbeitslosigkeit bei Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss bei 20 Prozent. Bildung ist somit die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit.

Die Weichen für eine Bildungskarriere werden früh gestellt: Was Kinder bis zur Einschulung lernen, prägt Wissenschaftlern zufolge ihr Leben und lässt sich später oft kaum nachholen. Einrichtungen für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung sind damit wichtige Institutionen auf dem Weg zu mehr Chancengerechtigkeit am Arbeitsmarkt. Sie gilt es deutlich auszubauen: In Deutschland wurden bis zum März 2014 gerade einmal 32 Prozent der unter Dreijährigen in Tagesstätten betreut. Nur 19 Prozent dieser Kinder hatten einen Migrationshintergrund. Dabei hängt die Schulkarriere gerade dieser Kinder vom frühzeitigen Erlernen der deutschen Sprache ab. Auch Kinder aus Familien mit geringer Bildung profitieren besonders von einer frühkindlichen Sprachförderung.

Die Einrichtungen brauchen außerdem qualifiziertes Personal, das Konzentrations- und Lernschwächen von Kindern frühzeitig erkennt und ausgleicht

Die Qualität des Personals und damit die Betreuungsqualität muss mit dem Aufbau des Betreuungsangebots Schritt halten. Bislang haben allerdings nur 7,3 Prozent der Kindergärtnerinnen (knapp 95 Prozent der Beschäftigten in dieser Branche sind weiblich) einen Hochschulabschluss – entsprechend gering ist die durchschnittliche Bezahlung und damit auch die Attraktivität der Berufe in der Kleinkindbetreuung. Wenn aus Mangel an Fachpersonal aber auf rasch und preiswert verfügbare Hilfskräfte zurückgegriffen wird, entsteht ein neues Problem. Das Personal in Kindertageseinrichtungen muss durch fortwährende Aus- und Weiterbildung besser auf die anspruchsvollen Aufgaben vorbereitet sein, wenn die frühkindliche Bildung die gewünschten Wirkungen entfalten soll.

Externe Prüfungen und Wettbewerb

Wie aber lassen sich bessere Bildungsergebnisse im schulischen Bereich erreichen? Die Empirie zeigt, dass Schulsysteme mit wettbewerblichem Elementen wie Schulautonomie und externen Prüfungen deutlich bessere PISA Ergebnisse erzielen. Ein Wettbewerbsrahmen ist daher der erfolgversprechendste Hebel zur Verbesserung der Bildungsleistung.

Ein wichtiges Element für mehr Wettbewerb im Schulsystem sind externe Prüfungen. Sie machen die Akteure für das Erreichte verantwortlich und lassen Lernanstrengungen für andere sichtbar werden. Durch einen Vergleich des Leistungsniveaus verschiedener Schulen können Eltern das Leistungsniveau der Schulen abschätzen und so sinnvoll eine Auswahl treffen. Zunächst sollten in den wichtigsten Fächern vergleichbare Klassenarbeiten eingeführt werden, deren Ergebnisse in die Noten der Schüler einfließen. Zweitens sollten in ganz Deutschland in allen Schulabschlüssen jeweils vergleichbare Abschlussprüfungen eingeführt werden

Wahlfreiheit zwischen und Selbstständigkeit für öffentliche Schulen

Darüber hinaus belegen internationale Studien, dass Schüler dort signifikant mehr lernen, wo Schulen mehr Selbständigkeit haben. Dabei gehören schulische Selbständigkeit und externe Prüfungen zusammen: Eine erfolgreiche Bildungspolitik legt Standards fest und überprüft ihr Erreichen extern, überlässt es aber den Schulen selbst, wie sie diese Standards am besten erreichen können. Vor allem in Personalfragen und in Fragen des Tagesgeschäfts benötigen Schulen mehr Freiheit.

Es gilt: Je mehr Möglichkeiten die Eltern bei der Auswahl der Schule haben, desto eher entsteht Wettbewerb. Daher ist es wichtig, dass auch Schulen in freier Trägerschaft mit den staatlichen und untereinander konkurrieren können.

Wettbewerb der Bundesländer um die beste Politik

Die bildungspolitische Zersplitterung unseres föderalen Bildungssystems bietet häufig Anlass zur Kritik. Allerdings birgt sie auch Chancen. So lassen sich bildungspolitische Mittel und Ziele erproben und miteinander vergleichen. Bundesländer können so voneinander lernen.

Damit dies aber funktioniert braucht man Informationen über die Leistungsfähigkeit der Bildungssysteme in den Bundesländern. Die im Jahre 2006 gestoppten PISA Tests für alle Bundeländer sollten daher wieder aufgenommen und Schülervergleichsdaten (Schülerkerndatensätze und Bundesländerkennung) uneingeschränkt zur Verfügung gestellt werden.

Wenn die Ergebnisse nachvollziehbar sind und Rückschlüsse auf den Erfolg oder Misserfolg der Bildungspolitik der einzelnen Bundesländer gezogen werden können, kann der Wettbewerbsföderalismus seine fruchtbare Wirkung entfalten. Ein besserer Informationsaustausch würde es darüber hinaus den Bundeländern ermöglichen, voneinander und miteinander zu lernen.

Bildung schafft Wohlstand

Gelänge es durch diese Reformen Deutschland in der PISA-Spitzengruppe zu etablieren und das Niveau der Schülerleistung um 50 PISA-Punkte anzuheben, verbessert sich nicht nur die Chancengerechtigkeit, sondern die deutsche Volkswirtschaft könnte langfristig mit erheblichen Wohlstandssteigerungen in einer Größenordnung von 28 Billionen Euro rechnen.

Weitere Informationen

Quellen:

Egbert Henrik, Hildenbrand Andreas:
Masse plus Klasse? Strukturelle Hürden beim qualitativen Ausbau von Kindertagesbetreuung,

Gutachten im Auftrag der INSM

Esselmann Ina, Dr. Geis Wido:
Bildungsverlierer – Kurzstudie auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels und PISA-Daten,
Gutachten im Auftrag der INSM

Klingholz, Reiner; Kiziak, Tanja; Müller Ruth:
Bildung wirkt – Lebenslanges Lernen für Wachstum und Wohlstand,
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

OECD:
Bildung auf einen Blick
2014

Wößmann, Ludger:
Ein wettbewerblicher Entwurf für das deutsche Schulsystem,
Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, 2016