Bitte aktualisieren sie ihren Browser, dass diese Webseite korrekt angezeigt wird.

Aktuelle Fotos
der INSM
Alle Fotos

Feed konnte nicht
geladen werden

15. Sep 2017

Chancen für alle
INSM-Position Arbeitsmarkt

451 0 3

Es haben so viele Menschen in Deutschland Arbeit wie lange nicht mehr. Dennoch bleibt eine große Zahl von Langzeitarbeitslosen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen. Übermäßige Regulierung muss abgebaut werden.

In Deutschland sind so viele Menschen berufstätig wie noch nie: 43,5 Millionen Erwerbstätige zählte die Statistik im Sommer 2017. Trotzdem ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt keine reine Erfolgsgeschichte: In einigen Regionen – vor allem in Ostdeutschland – ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor sehr hoch. Gleichzeitig stockt der Abbau der Langszeitarbeitslosigkeit.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft fordert,

  • für den Einstieg in Arbeit offen auf eine schärfere Regulierung flexibler Beschäftigungsformen zu verzichten. Sie bieten vielen Menschen Chancen auf Beschäftigung.
  • Langzeitarbeitslose mit Bildungsmaßnahmen zu fördern, statt mit einem sozialen Arbeitsmarkt.
  • den Übergang vom Minijob in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu optimieren. Wer mehr arbeitet, muss ein höheres Einkommen haben.
  • die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern. Nicht nur die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder ist entscheidend, sondern auch die Angebotsqualität.

Flexible Arbeitsmärkte bieten Chancen für Geringqualifizierte

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert seit 2011 bei einer guten Million. Für sie bietet ein flexibler Arbeitsmarkt Chancen auf Beschäftigung. Die Hartz-Reformen haben sogenannte atypische Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit und Minijobs dereguliert und die Anreize erhöht, eine Beschäftigung aufzunehmen. Diese Reformen haben dazu beigetragen, dass die Arbeitslosigkeit um zwei Millionen abgebaut wurde. Insbesondere die Lockerungen bei der Regulierung der Zeitarbeit haben ein erhebliches Beschäftigungswachstum gebracht und gerade Geringqualifizierten Chancen eröffnet.
Da sie zahlreiche Beschäftigungschancen im Helferbereich bietet, ist sie gerade für geringqualifizierte erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus der Grundsicherung eine Möglichkeit, Arbeitsmarktnähe zu erhalten oder wieder herzustellen. Im Zeitraum Mai 2016 bis April 2017 erfolgte jede vierte Beschäftigungsaufnahme von Arbeitslosen aus den Rechtskreis SGB II in der Zeitarbeit.

Statt einem sozialen Arbeitsmarkt sind Erleichterungen bei den Abgaben nötig

Auch ein sozialer Arbeitsmarkt wird dem Problem der Langzeitarbeitslosigkeit nicht beikommen. Danach soll der Staat statt passiver Leistungen wie Hartz IV oder Sozialgeld den Arbeitslohn zahlen, wenn Arbeitgeber Langzeitarbeitslose einstellen. So ein Transfer setzt die falschen Anreize: Weder werden sich die Geförderten stärker um bessere Chancen auf eine reguläre Beschäftigung bemühen noch werden Arbeitgeber ihr Angebot normaler Arbeitsplätze ausbauen. Im Gegenteil besteht die Gefahr, dass nicht subventionierte Arbeitsplätze durch geförderte ersetzt werden. Letztlich würde nur ein künstlicher dritter Arbeitsmarkt geschaffen.

Ein weiteres Hindernis für die Teilhabe am Arbeitsmarkt sind hohe Abgaben. Sie belasten insbesondere die Löhne von Geringverdienern und nehmen damit Anreize, eine reguläre, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung anzunehmen. Hier hat die OECD Deutschland bereits wiederholt empfohlen, das Steuersystem über eine Verringerung der Abgaben- und Steuerbelastung vor allem für niedrige Einkommen wachstumsfreundlicher zu gestalten.

Hochqualifizierte Frauen arbeiten oft nur Teilzeit

Auch der demografische Wandel wird den Arbeitsmarkt beeinflussen. Die auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Arbeitskräfte (Erwerbspersonen) werden nach Prognosen des BMAS bis zum Jahr 2030 um 2,9 Millionen zurückgehen. Die wichtigste Aufgabe der Arbeitsmarktpolitik ist daher, möglichst viele Menschen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren. Hier gibt es nicht nur bei den Geringqualifizierten, sondern auch bei den qualifizierten Fachkräften Potenzial. Besonders Frauen sind heute trotz bester Ausbildung oft nur teilzeitbeschäftigt – wenn überhaupt. Der Anteil der Frauen, die wegen familiärer Verpflichtungen verkürzt arbeiten, ist in Deutschland rund zehn Prozentpunkte höher als im EU-Durchschnitt.

Wissenschaftliche Schätzungen gehen davon aus, dass eine halbe Million Mütter zusätzlich arbeiten gehen würden, wenn es ein ausreichendes Betreuungsangebot für ihre Kinder gäbe. Der Ausbau dauerhafter, verlässlicher und hochwertiger Betreuungsmöglichkeiten für Schulkinder muss daher auf der politischen Agenda ganz oben stehen.

Gesetzliche Regelungen erschweren die Beschäftigung Älterer

Die Erwerbsbeteiligung Älterer hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Altersgruppe der 60 bis 64-jährigen ist auf knapp 2 Millionen gestiegen und hat sich damit verdreifacht. Das lag vor allem an der 2007 beschlossenen Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und der Streichung von Frühverrentungsprogrammen. Dennoch besteht weiterer Handlungsbedarf: Noch immer sind 60- bis 65-Jährige in Deutschland seltener beschäftigt als der Durchschnitt. Und das, obwohl ebendiese Altersgruppe im vergangenen Jahrzehnt schneller gewachsen ist als die Gesamtheit der Erwerbstätigen.

Höhere Beschäftigungsquoten auch für Ältere gelingen nur, wenn am gesetzlichen Rentenalter von 67 Jahren künftig keine Zweifel gelassen werden. Die Rente mit 63 beispielsweise konterkariert alle Bemühungen um eine Ausweitung der Lebensarbeitszeit. Seit Inkrafttreten ist die Beschäftigung der 63 bis 65-jährigen wieder rückläufig. In Zeiten des demografischen Wandels und damit einhergehenden Fachkräftemangels ist es Wunsch vieler Unternehmen, verdiente und erfahrene Mitarbeiter über das gesetzliche Renteneintrittsalter hinaus zu beschäftigen. Die aktuelle (Arbeits-) Rechtslage erschwert es Arbeitgebern und Arbeitnehmern jedoch, diesen Wunsch zu realisieren.

Weitere Informationen

Quellen:

Bundesagentur für Arbeit,
Die Arbeitsmarktsituation von lang-zeitarbeitslosen Menschen 2016

Bundesagentur für Arbeit,
Aktuelle Entwicklungen der Zeitarbeit

Hamburgisches WeltWirtschafts-Institut,
Ungenutzte Arbeitskräftepotentiale in Deutschland

Bräuninger, Michael (2014):
Chancen für alle, Studie des ETR (Economic Trends Research)
im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Schäfer, Holger (2014):
Einstieg in Arbeit – Die Rolle der Arbeitsmarktregulierung.
Kurzstudie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Statistisches Bundesamt (2013):
Entwicklung der Erwerbstätigkeit in Deutschland

INSM:
11 Fakten zum Arbeitsmarkt

IAB-Kurzbericht (2014):
Arbeitsmarktchancen von Geringqualifizierten iwd

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Nr. 19
Rente mit 67 – Alle machen mit
8. Mai 2014