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30. Mai 2016

Digitalisierung als Chance
INSM-Position Arbeit 4.0

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Aus der Digitalisierung der Arbeitswelt erwachsen neue Chancen für Betriebe und Arbeitnehmer. Betriebe können effizienter und produktiver arbeiten, womit sie einen internationalen Wettbewerbsvorteil gewinnen können. Für Arbeitnehmer stellen insbesondere die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eine positive Entwicklung dar.

Die Digitalisierung prägt wie kaum eine andere Entwicklung unser Leben, unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft. Sie verändert bereits heute Produktions- und Dienstleistungsprozesse in allen Wirtschaftszweigen. Hieraus folgen grundlegende und nachhaltige Veränderungen der Arbeitswelt.

Eine digitalisierte Arbeitswelt bietet vor allem eines: Chancen. Sei es durch die verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Arbeitserleichterungen oder durch Produktivitäts- und damit Wohlstandssteigerungen. Die notwendigen Rahmenbedingungen, um das volle Potenzial der Digitalisierung auszuschöpfen, müssen heute geschaffen werden. Denn nahezu jede Branche ist in unterschiedlichem Ausmaß von der Digitalisierung betroffen. Dabei steht Deutschland gut da, präventive Regulierungen und Einschränkungen wären der falsche Weg.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) fordert daher vom Gesetzgeber,

  • Dienst- und Werkverträge nicht noch weiter einzuschränken. Die Digitalisierung wird zu einem höheren Grad an Spezialisierung sowohl bei Arbeits- als auch Produktionsprozessen führen. Spezialisierte Unternehmen, welche in diesem Rahmen ihre Leistungen erbringen, nutzen hierfür zumeist Dienst- und Werkverträge.
     
  • Befristungen und Zeitarbeit nicht zu belasten. Sie sind auch in einer digitalisierten Arbeitswelt wichtige und richtige Flexibilisierungsinstrumente. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Digitalisierungsgrad und der Anzahl dieser Beschäftigungsformen besteht nicht.
     
  • Rahmenbedingungen für eine individuelle Arbeitszeitgestaltung zu schaffen. In einer digitalisierten Arbeitswelt lässt sich Arbeit unabhängiger von Ort und Zeit organisieren. Starre Ruhepausen und tägliche Höchstarbeitszeiten sind heute nicht mehr zeitgemäß. Die Modernisierung des Arbeitszeitrechts ist längst überfällig.
     
  • eine praxisgerechte Bildung und MINT-Kompetenzen auszubauen. Eine digitalisierte Arbeitswelt stellt neue Anforderungen an ihre Beschäftigten. Gute Bildung wird in Zukunft noch wichtiger. Mithilfe von MINT-Kompetenzen kann sowohl die Ausbildungsfähigkeit als auch die gesellschaftliche Teilhabe in einer digitalisierten Umwelt gewährleistet werden.

Die Digitalisierung als Chance

Neue Kommunikationsmittel, digitalisierte Produktions- und Dienstleistungsprozesse sowie die Vernetzungsmöglichkeiten einzelner Produktionsschritte verändern unsere Arbeitswelt grundlegend und nachhaltig. Sowohl für Betriebe als auch für Arbeitnehmer ergeben sich hieraus vielfältige Chancen und Möglichkeiten.

Betriebe können effizienter und produktiver arbeiten, womit sie einen internationalen Wett-bewerbsvorteil gewinnen können. Vorschnelle Regulierungsvorhaben aus Sorge vor negativen Beschäftigungseffekten sind hier unbegründet. So ist ein Anstieg von Solo-Selbstständigkeit oder Crowdworking weder erkennbar noch systematisch mit der Digitalisierung in Verbindung zu bringen.

Für Arbeitnehmer stellen insbesondere die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eine positive Entwicklung dar. Die flexiblere Gestaltung von Arbeit, zum Beispiel im Home-Office oder unterwegs, ermöglicht etwa eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. So sehen bereits heute  84 Prozent der Deutschen flexiblere Arbeitszeitmodelle als geeignetes Mittel, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Für Frauen stellt die Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und Vollzeitarbeit nach wie vor eine große Herausforderung dar. Die flexible Arbeitsorganisation bietet hier großes Potenzial.

Pauschale Regulierungen zum vermeintlichen Schutz der Arbeitnehmer werden diesem Potenzial jedoch nicht gerecht. Vielmehr gilt es, auf individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu setzen. Sie wissen am allerbesten um ihre gegenseitigen Bedürfnisse und Erfordernisse. Der digitale Strukturwandel kann seine positiven Wettbewerbs- und Beschäftigungseffekte nur dann entfalten, wenn die Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarktes erhalten bleibt.

Dienst- und Werkverträge als Basis spezialisierter Arbeitsteilung

Mit der Digitalisierung geht eine Spezialisierung im Bereich der Arbeits- und Produktionsprozesse einher. Spezialisierte Unternehmen erbringen ihre Leistungen regelmäßig im Rahmen von Dienst- und Werkverträgen. Diese Vertragsformen werden folglich in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Sie sind ein anerkanntes, faires und effektives Instrument der spezialisierten Arbeitsteilung. Um die Möglichkeiten der Digitalisierung im Bereich der spezialisierten Arbeitsteilung vollständig wahrzunehmen, dürfen Dienst- und Werkverträge auch zukünftig nicht eingeschränkt werden.

Flexible Beschäftigungsformen erhalten

Die Möglichkeit, auf kurzfristige Schwankungen der Auftragslage zu reagieren, bleibt auch in einer digitalisierten Arbeitswelt notwendig. Mithilfe von Befristungen und Zeitarbeit können einerseits kurzfristige Auftragsschwankungen aufgefangen werden, ohne in den Bestand der unbefristeten Stammbelegschaft eingreifen zu müssen. Andererseits bieten Befristungen und Zeitarbeit die Möglichkeit, Unsicherheiten darüber abzubauen, ob neue Mitarbeiter die Anforderungen eines Unternehmens erfüllen. Diese Möglichkeiten sind für junge Startups wie etablierte Unternehmen gleichermaßen relevant.

Eine sprunghafte Zunahme dieser Beschäftigungsformen im Zuge der Digitalisierung ist nicht feststellbar. Befristete Anstellungen und Zeitarbeit weisen seit der Jahrtausendwende eine bemerkenswerte Konstanz auf. Vorschnelle regulatorische Eingriffe zulasten dieser Vertragsformen sind daher nicht notwendig.

Arbeitszeitflexibilität ausbauen

Zukünftig wird der klassische Büroarbeitsplatz mit Anwesenheitspflicht in etlichen Branchen an Bedeutung verlieren. Die Digitalisierung der Arbeitswelt ermöglicht ortsunabhängiges Arbeiten: Videokonferenzen statt Meetings, Notebooks statt Desktop-PCs und Datenspeicherung in der Cloud statt lokal. Diese Ausprägungen digitalen Arbeitens sind bereits in vielen Unternehmen Alltag. Etliche Aufgaben können bereits heute im Home-Office oder unterwegs erledigt werden – je nach Branche und Arbeitsbereich.

An diese neuen Möglichkeiten muss konsequenterweise auch das deutsche Arbeitsrecht angepasst werden. Feste, ununterbrochene Ruhezeiten und tägliche Höchstarbeitszeiten passen nicht mehr in die heutige Zeit. So findet die Kommunikation weltweit tätiger Unternehmen oftmals über verschiedene Zeitzonen hinweg statt. Hier ist ein gesetzlicher Rahmen notwendig, welcher den unternehmerischen Anforderungen Rechnung trägt. Eine wöchentliche Höchstarbeitszeit bietet diese notwendige Flexibilität.

Bildung – Tafel und Tablet

Bereits heute arbeiten fast 60 Prozent der Beschäftigten in der deutschen Wirtschaft an einem Arbeitsplatz mit Internetzugang. In stark digitalisierten Branchen sind es über 85 Prozent. Die Beschäftigten von morgen müssen schon heute an das Thema Digitalisierung herangeführt werden, um sie für die Anforderungen einer Arbeitswelt 4.0 fit zu machen. Hier ist das deutsche Bildungs- und Ausbildungssystem gefragt.

Gute Bildung wird dabei noch wichtiger. Laut IW-Personalpanel machen je nach Digitalisierungsgrad 19 bis 44 Prozent der Unternehmen für die nächsten fünf Jahre einen erhöhten Personalbedarf an Mitarbeitern mit Berufsausbildung, Fortbildung und Fachhochschul- oder Universitätsabschluss aus. Folglich gilt es umso mehr, die Anzahl der Bildungsverlierer signifikant zu reduzieren und bessere Bildung sicherzustellen. Um dies zu erreichen, muss auch die MINT-Bildung als Teil einer umfassenden Allgemeinbildung verstanden und betont werden. Dies umfasst neben Fachwissen auch die grundlegende Vertrautheit mit einer von Wissenschaft und Technik geprägten Umwelt.

Weitere Informationen

Quellen:

Bayme. Bayrischer Unternehmerverband Metall und Elektro e.V.
Digitalisierung der Arbeitswelt

2015

BDA-Positionspapier:
Chancen der Digitalisierung nutzen
2015

Bitkom e.V.
Fast alle Unternehmen sehen Digitalisierung als Chance
2015

Deutscher Industrie- und Handelskammertag:
IHK-Unternehmensbarometer zur Digitalisierung
2015

Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Trends:
Beschäftigungseffekte der Digitalisierung
2015

Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Studie im Auftrag der INSM: Arbeitswelt und Arbeitsmarktordnung der Zukunft.
2016

Statistisches Bundesamt:
Qualität der Arbeit
2015

TNS Emnid-Umfrage im Auftrag der INSM:
Demografischer Wandel
2016

Wirtschaftswoche:
Die Digitalisierung bringt Job und Familie zusammen
2015